FUSSBALL

Zwei Brüder halten beim Mülheimer FC den Laden dicht

An ihnen führte zuletzt selten ein Weg vorbei: Die beiden Innenverteidiger Celal (li.) und Sahin Karabudak vom Mülheimer FC 97.

An ihnen führte zuletzt selten ein Weg vorbei: Die beiden Innenverteidiger Celal (li.) und Sahin Karabudak vom Mülheimer FC 97.

Foto: Martin Möller / FUNKE Foto Services

Mülheim.  Celal und Sahin Karabudak sind zwei der Erfolgsgaranten des Mülheimer FC 97. Nicht nur auf dem Fußballplatz agieren sie Seite an Seite.

Mit dem besten Gefühl haben sich die Fußballer des Mülheimer FC 97 in die Weihnachtspause verabschiedet. Schließlich haben sie sechs Punkte Vorsprung an der Spitze der Tabelle. Die Styrumer haben nicht nur die meisten Tore geschossen, sondern auch die wenigstens kassiert. Seit die beiden Brüder Celal (26) und Sahin Karabudak (23) wieder Seite an Seite in der Innenverteidigung spielen, hat der MFC keinen Gegentreffer mehr reinbekommen. Seit mittlerweile acht Spielen steht die Null.

„Wir hatten einfach irgendwann einen guten Lauf“, sagen die beiden Brüder aus Oberhausen, die seit der vergangenen Saison beim Mülheimer Bezirksligisten die Abwehr zusammenhalten. Bei Arminia Klosterhardt spielte das Duo erstmals gemeinsam, als der drei Jahre jüngere Sahin aus der Jugend rauskam. Dort spielte er als Innenverteidiger und Sahin im defensiven Mittelfeld, später beim FC Sterkrade 72 umgekehrt.

Mülheimer FC hatte nur einen der beiden auf dem Zettel

Beim MFC aber bildeten beide von Beginn an das Innenverteidigerpaar. „Ich hatte Celal beobachtet, er stand von Anfang an auf unserem Zettel“, verrät Trainer Hakan Katircioglu. Dabei war es der jüngere Bruder, der sogar schon Erfahrung in der Landesliga gesammelt hatte. „Ihn kannten wir irgendwie gar nicht“, gesteht der Coach. Umso glücklicher ist er heute, dass der 26-jährige Celal seinen Bruder zum MFC-Training mitbrachte.

Schließlich kommt es auch einem Trainer-Team sehr gelegen, auf zwei zentrale Verteidiger zurückgreifen zu können, die sich praktisch blind verstehen. Beide Karabudaks sind auch im Job Kollegen als Elektriker.

Das ganze Team verteidigt mit

Dass es aktuell so gut läuft, machen die Karabudaks nicht nur an sich selbst fest. „Die Abwehr fängt vorne an“, sagt Celal. Der MFC setzt auf ein konsequentes Angriffspressing. „Nach dem Buchholz-Spiel musste sich was ändern, jeder hat sich in der Schuld gesehen“, sagt Sahin. Das Heimspiel gegen die Viktoria verlor der MFC mit 2:6. So viele Gegentore hat es seitdem nie wieder gegeben.

Daran hat auch der Mann hinter den beiden zentralen Abwehrspielern einen großen Anteil: Torwart Efe Özkan. „Er spielt immer mit. Wir bilden quasi eine Dreierkette mit ihm“, sagt Sahin. Celal ergänzt: „Dadurch haben die Außenverteidiger eine totale Freiheit.“

Kein taubstummer Fußball

Als Innenverteidiger verstehen sich die beiden Brüder automatisch als Führungsspieler. „Man muss Verantwortung übernehmen, wenn man Erfolg haben will. Das ist ja auch auf der Arbeit so“, sagt Sahin, obwohl er erst 23 Jahre alt ist. „Ich habe von klein auf gelernt, auch mit dem Mund zu spielen.“ Nur wenn er seinen Neben- und Vorderleuten Tipps zuruft, haben sie die Möglichkeit entsprechend danach zu handeln. „Du bringst 30 Prozent weniger, wenn du nur taubstumm Fußball spielst“, glaubt sein Bruder.

Aktuell stimmt die Mischung zwischen denjenigen, die führen und denen, die sich noch eher führen lassen. „Nur mit Alphatieren funktioniert es auch nicht“, weiß Celal spätestens seit der Rückrunde der vergangenen Saison, als mehrere Winterneuzugänge das Gefüge der funktionierenden Mannschaft durcheinanderbrachten.

Spieler begegnen sich auf Augenhöhe

„Es ist ja unwichtig, wer mal wo gespielt hat. Jetzt sind wir alle hier in der Bezirksliga“, betont der ältere Bruder Celal. Beide halten die Team-Chemie für unheimlich wichtig. Nur wenn sich alle auf Augenhöhe begegnen, könnten auch die Führungsspieler Hinweise annehmen.

Zusammengeschweißt hat vor allem das Trainingslager in Antalya vor einem Jahr, wo auch verschiedene Sponsoren mit dabei waren. „Als ich danach mit meiner Mutter über die Eppinghofer Straße gelaufen bin, habe ich mich fast beobachtet gefühlt“, sagt Sahin mit einem Schmunzeln.

Verteidiger versuchen Verletzungen vorzubeugen

Entgegen kommt dem Spitzenreiter auch, dass er meistens auf seine Stammkräfte zurückgreifen kann. „Ich versuche, Verletzungen vorzubeugen. Ich gehe kalt Duschen nach dem Training, ich versuche mich zu dehnen und benutze im Winter auch Wärmesalben. Das habe ich mir von einem Sportstudenten abgeguckt, mit dem ich bei Arminia zusammengespielt habe“, verrät Sahin. Sein Bruder setzt auch bei dem Thema auf Offenheit. „Dann kriegst du auch mal deine ein oder zwei Tage Pause, wenn du sie brauchst.“

Mit Ausnahme der Hallen-Stadtmeisterschaft bekommt der MFC jetzt ohnehin ein paar Tage Pause. „Das wird ganz ruhig über Weihnachten, man hat ja sowieso frei“, erklärt Celal. Klassisch gefeiert, mit Weihnachtsbaum und Geschenken, wird bei den Karabudaks aber nicht. Vielleicht haben sie aber im Sommer mit dem MFC etwas zu feiern.

Aufstieg nicht zu früh feiern

Einen Platz unter den ersten fünf hatte Trainer Hakan Katircioglu vor der Saison als Ziel für den Bezirksligisten ausgegeben. Damals ein ambitioniertes Ziel. „Ich war aber auch davon überzeugt, dass wir oben mitspielen werden“, sagt Celal Karabudak, einer der zwei Innenverteidiger.

Sein Vorteil: Er kannte die vielen unbekannte Gruppe mit etlichen Gegnern aus Bocholt. „In der Gruppe habe ich zwei oder drei Jahre mit Adler Osterfeld gespielt“, erklärt er. Jetzt ganz oben zu stehen, empfindet er als „Werbung für jeden selbst“.

Geschafft ist der Aufstieg damit aber noch lange nicht. „Ich freue mich nicht beim 1:0, 2:0 oder 3:0, sondern erst wenn ich das Spiel auch gewonnen habe“, sagt Sahin, der jüngere Karabudak-Bruder. Die Saison sehe er genauso.

Buchholz als Warnung für den Mülheimer FC

Für Celal ist der bisherige Saisonverlauf die beste Warnung. „Wir waren schnell acht Punkte hinter Buchholz und die haben den Vorsprung auch hergegeben“, warnt der Verteidiger. Sein Bruder erinnert sich an eine starke Saison in Klosterhardt. „Da hatten wir auf einen Schlag sechs Verletzte und sind auf Platz sechs zurückgefallen.“ Das erste Ziel, sagt Celal, war die Herbstmeisterschaft. „Jetzt gucken wir weiter.“

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