Jugendfußball Niederrheinliga

U19: Speldorf träumt nach 1:1 in Ratingen vom Aufstieg

Applaus nach dem Abpfiff: Der VfB Speldorf hatte viele Anhänger aus Mülheim auf der Tribüne in Ratingen und wurde nach dem Spiel entsprechen für die starke Leistung belohnt.

Applaus nach dem Abpfiff: Der VfB Speldorf hatte viele Anhänger aus Mülheim auf der Tribüne in Ratingen und wurde nach dem Spiel entsprechen für die starke Leistung belohnt.

Foto: Philipp Ziser

Der VfB erkämpft mit einem unangenehmen Auftritt ein starkes 1:1. Für den Niederrheinliga-Aufstieg werden aber noch andere Qualitäten wichtig.

Ganz eng beieinander bauten sich die Speldorfer Spieler an der Strafraumkante auf. Schulter an Schulter, alle mit Blick Richtung Eckfahne – Manndeckung für die Ratinger Verteidiger unmöglich. Die einstudierte Variante klappte: Die Ecke kam, am zweiten Pfosten hatte Lennart Wessing keinen Gegenspieler und köpfte mit Hilfe des Innenpfostens ins Tor. 1:0 für den VfB Speldorf – und die Talente aus Mülheim dürfen vom Aufstieg in die Niederrheinliga träumen. Am Ende stand am Sonntagmittag ein 1:1 bei Favorit Germania Ratingen – und das bisschen Enttäuschung über die verspielte Führung wurde bei Spielern und Trainern von jeder Menge Stolz verdeckt. Der historische Aufstieg in die Niederrheinliga scheint realistisch.

„Man muss einfach Respekt vor den Jungs haben. Drei Viertel der Mannschaft sind noch B-Jugendliche und die haben das super gemacht“, so Trainer Carsten Bujok, der aber auch wusste: „So viel haben wir nicht zugelassen, auch wenn Ratingen überlegen war. Und wenn wir zwei oder drei Konter besser ausspielen ...“ Damit hatte er das Spiel schon gut zusammengefasst.

VfB glänzt mit aggressivem Außenseiterfußball

Der VfB trat bei den spielstarken Ratingern, die den direkten Klassenerhalt in der Niederrheinliga nur knapp verpasst hatten, mit einem klaren Plan an: Unangenehmer Außenseiterfußball. Kompakte Verteidigung, viele Zweikämpfe und dann lange Bälle, schnelle Konter, schmerzhafte Nadelstiche. So hatte Ratingen zwar oft und viel den Ball, war vorne aber harmlos und bieder.

Fast immer waren neun Mülheimer rund um den eigenen Strafraum, Ratingen verzweifelte an der vielbeinigen Abwehr. Der Plan ging auf, weil der VfB genau die richtigen Spielertypen auf dem Platz hatte.

Stoßstürmer Askar beschäftigt mehrere Gegenspieler

Torwart Luca Carli, der gute Reflexe zeigte und mit langen Abschlägen viele Konter einleitete. Oder Rechtsverteidiger Nico Piepenbreier, der in der Abwehr giftig und zweikampfstark war und mit schnellen Vorstößen nach vorne für Gefahr sorgte. Oder Stoßstürmer Tunahan Askar, der in vorderster Front oft ganz auf sich alleine gestellt war, aber viele Bälle hielt, es immer wieder mit drei, vier, fünf Gegnern aufnahm und so viel Druck von seinen Teamkollegen nahm. So könnte man fast jeden Spieler loben, wie er seine Stärken fürs Team einsetzte und seinen Teil zum starken Auftritt beitrug.

Zweiter Speldorfer Angriff führt schon zur Führung

Ratingen hatte also fast immer den Ball, aber ohne Torgefahr. Nach dem ersten guten Speldorfer Konter über Cristian Conti schoss Tom Pasky drüber. Den zweiten kurz vor der Pause klärte Ratingen zur Ecke – danach traf Wessing zum 1:0. Und mit einer abgerutschten Freistoßflanke aus mehr als 30 Metern traf Lukas Mühlenfeld die Latte, fast das 2:0.

Nach der Pause gab Speldorf weiter Gas, besonders in den Kontern fehlte aber die Kraft, Ratingens Überlegenheit wurde immer drückender – und als die Speldorfer einmal nicht richtig klärten, fiel das 1:1 (70.). Die letzten zwanzig Minuten überstand Speldorf aber unbeschadet, weil Keeper Carli zweimal gut hielt. Und vorne hatte Askan nach schönem Übersteiger sogar noch das Siegtor auf dem Fuß, scheiterte aber am Torwart (86.). Es blieb beim 1:1, Mienenspiel und Körpersprache beider Teams zeigten nach Abpfiff, dass der VfB sich als Gewinner fühlte.

In den nächsten Spielen muss Speldorf mehr Offensivqualitäten zeigen

Im Kampf um die Qualifikation könnte das ein ganz wichtiger Punkt sein, Platz zwei (und damit ein Entscheidungsspiel um den Aufstieg) ist greifbar nah – jetzt muss sich der VfB aber umstellen. „Die anderen beiden Spiele werden ganz anders. Ratingen war heute klarer Favorit, jetzt kommen zwei Spiele auf Augenhöhe“, so Bujok mit Blick auf die Spiele in Kapellen und gegen den Hülser SV. „Aber das können wir auch – sonst wären wir nicht Zweiter der Leistungsklasse geworden.“

Das Speldorfer Selbstvertrauen ist riesig nach dem nicht erwarteten Punkt zum Auftakt der Quali-Runde. Der VfB hat beste Aussichten, das erste Mülheimer Team in der Niederrheinliga seit mehr als zwanzig Jahren zu stellen.


Für den VfB Speldorf spielten: Luca Carli - Nico Piepenbreier, Marvin Hohensee, Silas Skuppin, Lukas Mühlenfeld, Ben Hampel (72. Ricardo Kirch), Cristian Conti, Lennart Wessing, Tom Pasky (60. Eray Karakus / 90. Zidane Sani), Tunahan Askar, Navid Rezai (85. Hamza Velic).

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