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OB-Runde: Finanzen bleiben das Problem des Mülheimer Sports

Die OB-Kandidaten stellten sich den Fragen zur Zukunft des Mülheimer Sports.

Die OB-Kandidaten stellten sich den Fragen zur Zukunft des Mülheimer Sports.

Foto: Michael Dahlke / FUNKE Foto Services

Mülheim.  Neun OB-Kandidaten stellten sich einer Diskussion zur Zukunft des Sports in Mülheim. Die wurde am Ende durchaus hitzig.

Was haben die OB-Kandidaten in Sachen Sport auf dem Kasten? Das wollte der Mülheimer Sportbund bei der ersten großen, öffentlichen Podiumsdiskussion mit neun Anwärtern auf das höchste Amt der Stadt herausfinden. Auch wenn man sich in grundlegenden Dingen einig war, entstanden doch teils hitzige Debatten.

Über die grundsätzliche Rolle des Sports gibt es kaum zwei Meinungen – und gab es auch am Dienstag nicht. Gelobt wurde insbesondere die Organisation des Sports in Mülheim. „Ich habe keine andere Stadt erlebt, in der Ehrenamt und Verwaltung so gut zusammenarbeiten“, lobte der Sportdezernent und CDU-Kandidat Marc Buchholz.

Bei der Zukunftsfrage verfliegt die Euphorie schnell

Doch wie wird es um den hiesigen Sport im Jahr 2025 bestellt sein? Bei der Frage war die Euphorie dann auch schon wieder verfolgen. „Finanziell ist Mülheim faktisch nicht mehr handlungsfähig. Wenn wir da nicht massiv gegensteuern, wird ein Viertel der Sportstätten in fünf Jahren zumindest temporär geschlossen sein“, befürchtete der parteilose Kandidat Jürgen Abeln. Auch Martin Fritz vom „Bürgerlichen Aufbruch“ warb für einen Kurswechsel, „damit die düsteren Prognosen nicht eintreffen.“

Die gewünschten Investitionen für den Sport sind bekannt: Die Dreifachturnhalle an der Südstraße, die Kunststofflaufbahn für die Leichtathletik und ein neues Schwimmbad links der Ruhr. „Das wollen alle, aber was uns fehlt, sind die Tacken“, betonte Buchholz. Er sprach von 5,5 Millionen Euro Defizit für den Sport pro Jahr.

Marc Buchholz bleibt bei Dreifachsporthalle optimistisch

Speziell bezüglich der Dreifachsporthalle sei er aber optimistisch. „Wir kommen außerdem langsam in die Erneuerung der Kunstrasenplätze“, kündigte der Dezernent an.

Über die bekannten Vorschläge hinaus, regte Andy Brings (Die Partei) an, Olympia-Stützpunkte im Hockey und Badminton in Mülheim einzurichten. Olympia war ohnehin ein Thema. Genauer gesagt die mögliche Rhein-Ruhr-Bewerbung für 2032. „Das wäre ein Segen für die Region, auch weil finanzielle Mittel in die Stadt fließen würden“, Marc sagte Buchholz, der 1992 als Teamleiter des Landessportbundes die Spiele in Barcelona besuchte. Ein erster Meilenstein könne die Universiade 2025 sein.

Monika Griefahn will Bürger bei Olympia-Frage mit ins Boot holen

„Man muss aber die Bürger mit ins Boot nehmen“, warnte SPD-Kandidatin Monika Griefahn mit Blick auf die Absage der Hamburger. Jochen Hartmann wünscht sich nach wie vor das olympische Medienzentrum auf dem Flughafengelände. „Wir würden dort die modernsten Kommunikationseinrichtungen und Leitungen bekommen, die man sich nur wünschen kann“, sagte Hartmann.

Mülheim lebt aber nicht nur vom Spitzensport, sondern vor allem vom Breiten- und semiprofessionellen Sport. Und der lebt bekanntlich von ehrenamtlichen Helfern. „Es ist ein irrer Aufwand, den die da für uns, unsere Kinder und die Gesellschaft betreiben“, lobte Jürgen Abeln. „Das Ehrenamt darf nicht durch verwaltungstechnische Hürden erschwert werden“, hofft FDP-Kandidatin Amrei Debatin. „Man muss Respekt haben und dankbar sein“, meinte auch Horst Bilo.

Runde erhofft sich Erleichterungen für Ehrenamtler

Monika Griefahn würde die Ehrenamtlichen gerne „von bürokratischen Hürden entbinden“, während Martin Fritz sogar einen höheren Steuerfreibetrag und bezahlten Urlaub für ehrenamtliche Tätigkeiten vorschlug.

Wilhelm Steitz von den Grünen legt Wert darauf, „dass sich eine Stadt schützend und helfend dahinter stellt“. Der Grünen-Kandidat weiter: „Eine Aufsichtsbehörde muss auch Wertschätzung zeigen“ und den Vereinen nicht mit hohen Auflagen zusätzliche Belastungen schaffen. Steitz hatte zuvor aber für leichtes Kopfschütteln unter den Vereinsvertretern im Publikum gesorgt, als er den Klubs noch mehr operative Aufgaben zumuten wollte, um die Stadt zu entlasten. Auch ein von allen favorisierter Ehrenamtstag ist nicht mehr als eine nette Idee.

Der MSB hatte den AfD-Kandidaten Alexander von Wrese nicht eingeladen.

Das ist die Sportvergangenheit der anwesenden OB-Kandidaten

  • Wilhelm Steitz (Bündnis 90/Die Grünen): Ruderriege am Gymnasium und Landesmeister im Doppelvierer. Später Regatten gesegelt. Als Rechts- und Ordnungsdezernent in Dortmund begleitete er die WM 2006.
  • Martin Fritz (BAMH): In der Jugend Zehnkämpfer mit bis zu vier Trainingseinheiten pro Woche. Im Studium an Judo versucht, bis ein Gegner ihm in den Arm biss. Später Fußball und heute vor allem Radtouren. Begleitete seinen Sohn zu deutschen Meisterschaften im Kartfahren.
  • Horst Bilo (parteilos): War sechs Jahre lang im Tischtennisverein. Das spannendste Match dauerte bis halb eins in der Nacht.
  • Jochen Hartmann (parteilos): Als Ur-Dümptener spielte er Fußball bei Dümpten ’13 und Volleyball. „Wenn Sie meinen Bauchumfang sehen, wissen Sie, wie es heute um meine Sportlichkeit steht“, sagte Hartmann.
  • Amrei Debatin (FDP): Laut eigener Aussage „typischer Vertreter des Breitensports“. Im Turnverein mit eher geringerem Talent gesegnet.
  • Jürgen Abeln (parteilos): Seine Frau ist Sportlehrerin. Die gesamte Familie (Kinder 2, 4 und 6 Jahre alt) sind Mitglied bei der Turnerschaft Saarn.
  • Monika Griefahn (SPD): Zehn Jahre Ballett und Schwimmen im Südbad gehören zu ihrer Vita. In der Schülerruderriege fuhr sie im Vierer – gemeinsam mit Wilhelm Steitz.
  • Marc Buchholz (CDU): Gehört zu den 75 Prozent, die nicht im Verein organisiert sind. Ist seit vergangenem Jahr Mitglied des Mülheimer Sportförderkreises.
  • Andy Brings (Die Partei): Im Dichterviertel aufgewachsen, lag das Fußballspielen bei Rot-Weiß Mülheim nahe. „Es gibt Fotos, die das belegen, aber nicht gut für mich sind“, so Brings. Den Heavy Metal und Rock’n’Roll bezeichnet er als seinen Hochleistungssport.
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