FELDHOCKEY

Matania geht als Leid-Wolf der „Uhlen“ voran

Nicht immer einer Meinung: Tobias Matania und Schiedsrichter Benjamin Göntgen.

Nicht immer einer Meinung: Tobias Matania und Schiedsrichter Benjamin Göntgen.

Foto: Frank Oppitz

Mülheim.   Neben dem Kapitän gehörten vor allem Abwehrspieler Ferdinand Weinke und Torwart Lennart Küppers zu den Matchwinnern.

Wer deutscher Meister wird – und das zum zweiten Mal in Folge – der muss fast zwangsläufig über einen auf vielen Positionen gut besetzten Kader verfügen. Dennoch stachen im Finale um die deutsche Hockeymeisterschaft drei Spieler des HTC Uhlenhorst heraus.

Tobias Matania: Humpelnd auf das Podest

Das Ende der Partie erlebte Tobias Matania nur von draußen. Zunächst war der Kapitän des HTC Uhlenhorst für fünf Minuten auf die Strafbank beordert worden, von dort aus schleppte er sich gar nicht wieder aufs Feld sondern zur Auswechselbank. „Ich habe draußen fast einen Herzinfarkt bekommen“, sagte er kurz nach dem Schlusspfiff. Zuvor hatte er aber eine ganz entscheidende Rolle beim Kampf um den Titel gespielt.

„Ich bin ja gerade erst wieder fit geworden“, erklärte Matania im Anschluss an das Spiel. Wegen eines Muskelfaserrisses war er zuletzt ausgefallen. Die Verletzung ist im Finale womöglich zurückgekehrt.

Doch das war dem Kapitän zu diesem Zeitpunkt herzlich egal. Denn kurz darauf durfte er als Allererster die riesige Meistertrophäe in den Himmel recken, während seine Teamkollegen an seiner Seite die Sektduschen eröffneten.

Dass es so weit gekommen war, daran hatte Matania selbst einen großen Anteil. In der 27. Minute brachte er eine Ecke für Lukas Windfeder herein. Mannheims Keeper Lukas Stumpf konnte den Ball nur zur Seite abwehren und plötzlich stand Matania völlig frei. 3:2 für Uhlenhorst! Kurz darauf verpassten Schiffer und Hellwig in der Mitte, wieder war Stumpf zur Stelle, doch erneut schlug er den Ball genau vor den Schläger von Matania, der mit dem Treffer zum 4:2 den Schlusspunkt unter ein irres zweites Viertel legte. „Das war heute ein absoluter Sieg des Willens“, sagte der Kapitän später – und humpelte aufs Podest.

Ferdinan Weinke: Als Abwehrspieler zum MVP

Dass nicht ein mehrfacher Torschütze oder ein offensiver Spielgestalter zum wertvollsten Spieler eines Final-Four-Turniers gewählt wird, sondern ein Verteidiger, ist selten. Doch die Ernennung von Ferdinand Weinke zum „MVP“ war auch eine Auszeichnung für die starke Abwehrleistung des Deutschen Meisters.

„Wir haben die beste Innenverteidigung der Welt“, lobt Trainer Omar Schlingemann. Als die Mannheimer in der Schlussphase in Überzahl noch den späten Ausgleich erzwingen wollten, schmiss sich immer irgendein Mülheimer noch in den Weg und sicherte somit den knappen Vorsprung für den zweiten Titel in Folge über die Zeit.

Ferdinand Weinke und sein Nebenmann Lukas Windfeder eröffnen darüber hinaus auch gern das Spiel von hinten heraus und sind somit alles andere als reine Abräumer.

Zudem zeigten beide vor allem in der Schlussphase einen eisernen Willen. Windfeder schmiss sich mit der Schulter in einen harten Schuss der Mannheimer, Weinke ließ sich nicht anmerken, dass er eigentlich kaum noch laufen konnte. „Trainer, ich hab’ solche Schmerzen“, soll er nachher zu Schlingemann gesagt haben. „Er ist kurz vor der Halbzeit schon umgeknickt. Das hat keiner von uns gemerkt“, sagt der Coach selbst. „Der hat einfach durchgespielt. Was ist das für ein unfassbarer Junge?“

Über die Auszeichnung seines Abwehrspielers freut sich der Coach ganz besonders. „Ich weiß, man muss einen für so etwas auswählen aber man hätte auch jeden anderen von uns nehmen können“, spricht Schlingemann aber lieber von einem Erfolg des gesamten Teams.

Lennart Küppers: Ins Tor zurückgekämpft

Lennart Küppers riss jubelnd den Schläger hoch. Gerade hatte der Torwart des HTC Uhlenhorst die letzte der zahlreichen Ecken des Mannheimer HC abgewehrt und dem Gegner aus der Kurpfalz damit womöglich die letzte Chance auf den Ausgleich im Finale um die deutsche Meisterschaft genommen.

„Lennart hat unglaublich gehalten“, lobte hinterher Co-Trainer Johannes Schmitz. Dabei war es längst nicht klar, ob Küppers in Krefeld im Tor stehen würde. Im vergangenen Jahr kam Jonas Weißner zum Einsatz. Auch weil Küppers zuvor lange verletzt ausgefallen war. „Aber er hat sich zurückgekämpft und das zeigt auch seinen Charakter“, sagt Trainer Omar Schlingemann.

Während der Saison wechselten sich Küppers und Weißner ab. Weißner spielte eine starke EHL-Endrunde in Eindhoven und dennoch entschied sich das Trainerteam beim Final Four schließlich für Küppers. „Er hat in der letzten Phase der Saison einfach den stabileren Eindruck gemacht“, so Coach Schlingemann. Auch das letzte Jahr spielte bei der Entscheidungsfindung durchaus eine Rolle. „Letztes Jahr hat Weißner gespielt, jetzt musste Lennart eine Chance kriegen“, so der Niederländer. Die hat der „Goalie“ genutzt.

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