Interview

Das sagen die Trainer vor dem Derby Speldorf gegen Mintard

Olaf Rehmann (l.) und Marco Guglielmi treffen am Freitagabend mit ihren Teams aufeinander.  

Olaf Rehmann (l.) und Marco Guglielmi treffen am Freitagabend mit ihren Teams aufeinander.  

Foto: Michael Dahlke / FUNKE Foto Services

Mülheim.  Vor dem Landesliga-Derby zwischen den beiden ranghöchsten Teams aus Mülheimer äußerten sich die Trainer Rehmann und Guglielmi im Interview.

Am Freitagabend treffen die aktuell ranghöchsten Mülheimer Fußballteams im direkten Duell aufeinander. Der VfB Speldorf trifft auf Blau-Weiß Mintard. Die Trainer Olaf Rehmann (Speldorf) und Marco Guglielmi (Mintard) äußerten sich vor dem Spiel zur Ausgangslage, über den Gegner und den Mülheimer Fußball.

Es ist das erste Mülheimer Derby oberhalb der Bezirksliga seit 2008. Dennoch gibt es zwischen beiden Mannschaften keine große Geschichte, wenig Berührungspunkte. Dennoch: Wie besonders ist das Derby für Sie und Ihre Mannschaft?

Rehmann: Es ist schon ein besonderes Spiel. Wir erwarten einige Zuschauer, vor allem durch die Verlegung auf den Freitag. Da kommen sicher einige Leute, die das Spiel sonst nicht geguckt hätten, weil sie andere Mannschaften begleiten. Für uns ist es darüber hinaus aber auch ein wichtiges Spiel.

Guglielmi: Für unseren Maciej Szewczyk ist das schon ein besonderes Spiel und Pasquale Conti hat ja auch mal kurz in Speldorf gespielt. Man kennt sich gut, ich kenne auch Olaf Rehmann sehr gut und habe persönlich zu allen da ein gutes Verhältnis. Man merkt schon bei uns in Mintard, dass es ein Derby ist, über das man spricht. Ich bin eigentlich erstaunt, wieviel Resonanz das hervorruft. Mich sprechen sehr viele Leute drauf an. Mathias Lierhaus wurde sogar bei einer Hausbesichtigung viel Glück für’s Derby gewünscht. Das finde ich cool. Allgemein herrscht eine sehr große Vorfreude.

Wie bewerten Sie die Ausgangssituation?

Rehmann: Ich bin großzügig und überlasse Mintard die Favoritenrolle (lacht). Aber wenn wir realistisch sind, dann sind das zwei Mannschaften, die sich auf Augenhöhe befinden. Es wird ein offenes Spiel werden. Mintard hat jetzt – bei allem Respekt – auch nicht die individuelle Klasse wie ein FSV Duisburg.

Guglielmi: Tatsächlich sehe ich uns nicht als chancenlos aber auch nicht als Favoriten an, nur weil wir vor denen in der Tabelle stehen. Es wird ausgeglichen, wir können mit denen mithalten und sie mit uns. Es ist eine Sache, bei der die Tagesform entscheidend sein wird.

Guglielmi: „Über sich hinaus zu wachsen, wäre eines Derbys würdig“

Was muss Ihre Mannschaft noch besser machen als zuletzt?

Rehmann: Da könnte ich jetzt eine ganze Liste aufzählen. Wir müssen einfach in der Lage sein, unser Spiel zu spielen, dann haben wir eine gute Chance. Ich möchte gar nicht zu sehr auf Mintard gucken. Entscheidend wird der Spielverlauf sein. Wie kommt man ins Spiel rein?

Guglielmi: (Überlegt lange). Ich denke schon, dass es für die Spieler ein besonderes Spiel wird und sie auch besondere Leistungen liefern werden. Über sich hinaus zu wachsen, wäre eines Derbys würdig. Wir müssen aber auch einen klaren Kopf bewahren. Am Sonntag beim 0:0 haben wir zum Beispiel oft die falschen Entscheidungen getroffen. Wir dürfen nicht hektisch agieren und müssen trotzdem mit einer gewissen Power und Intensität rangehen.

Mintard läge bei einem Sieg sechs Punkte vor dem VfB. Spielt das für den weiteren Saisonverlauf eine Rolle?

Rehmann: Am Ende vor Mintard zu stehen, ist schon realistisch. Das ist ja jetzt keine Mannschaft, die vollkommen andere Möglichkeiten hat. Wir müssen uns nicht kleiner machen als wir sind. Es wird aber kein Selbstläufer. Ich wünsche beiden, dass sie am Ende über dem Strich stehen.

Guglielmi: Natürlich wäre es schön, die beste Mülheimer Mannschaft zu sein, im Endeffekt sind es aber nur drei weitere Punkte gegen den Abstieg.

Sie haben den jeweiligen Gegner am Wochenende beide beobachtet: Welche Eindrücke haben Sie gewonnen und was halten Sie generell vom Gegner?

Rehmann: Ich sehe die Mintarder schon stärker als am letzten Wochenende. Ich war etwas überrascht, dass sie zu Hause im Spiel gegen Düsseldorf eher defensiv agiert haben, da hatte ich sie schon etwas aktiver erwartet, zumal das für sie ja auch eine große Möglichkeit war. Ansonsten sind die Mintarder taktisch sehr gut und leben auch noch ein Stück weit von ihrer Euphorie.

Guglielmi: Am Samstag konnte ich wenig Eindrücke sammeln, denn Speldorf hat wirklich ein ganz, ganz schwaches Spiel in Duisburg absolviert. Das wird aber am Freitag auf gar keinen Fall so sein. Speldorf hat eine gute individuelle Qualität. Sie haben Spieler, die Spiele alleine entscheiden können – wie Esad Morina oder Janis Timm, ich finde auch Abdul-Rahman Yussif gut. Einen guten Torwart haben sie auch. Diese Leute müssen wir in Schach halten.

Rehmann: „Ich habe dem MSV 07 die Daumen gedrückt“

Würden Sie sich in Zukunft noch über ein weiteres Derby freuen?

Rehmann: Auf jeden Fall, das habe ich ja immer gesagt. Ich habe dem MSV 07 die Daumen gedrückt. Auch beim MFC wäre es spannend, wenn sie hochkommen würden. Ich hoffe nur nicht, dass einer von uns beiden nächstes Jahr noch mehr Derbys in der Bezirksliga hat.

Guglielmi: Ich finde sowas immer geil, das macht den Fußball interessant, auch von den Zuschauerzahlen her. Von mir aus kann der Mülheimer FC oder der MSV 07 gerne aufsteigen, oder auch Rot-Weiß Mülheim, wenn sie nochmal eine Riesensaison hinbekommen. Ich bin ein Fußballer vom alten Schlag und brauche Emotionen und Spannung.

Wie bewerten Sie generell den Mülheimer Fußball?

Rehmann: Er wird von Außen schon ein bisschen belächelt. Es ist ja eigentlich auch ein Witz, dass die beiden höchsten Mannschaften nur in der Landesliga spielen. Es muss doch möglich sein, da mehr rauszuholen. Manche sind vielleicht besser darin, Geld zu akquirieren. Wenn man kein Geld hat, so wie bei uns, dann muss die Jugendarbeit aber noch konsequenter sein und man muss am Ende überlegen, wo überhaupt die Gelder hin fließen. Leider haben wir eine ganz schwierige Situation, wenn man sich die Tabellen anguckt, das wird ja jetzt keine richtig gute Saison für die Mülheimer Vereine. Der MSV tut sich schwer, jetzt auch noch mit dem Trainerwechsel, RWM steckt unten drin, Heißen steigt auch nicht auf …

Guglielmi: Es ist alles ein bisschen schwieriger, weil es die Größe der Stadt nicht so hergibt. Die finanziellen Rahmenbedingungen sind eben schwieriger als zum Beispiel in Essen. Es ist mittlerweile wenig Geld für die Anlagen da. Da mache ich aber keinem einen Vorwurf. Was nicht da ist, ist nicht da. Es gibt halt auch nicht so viele Großsponsoren. Speldorf hat es jahrelang geschafft, sich über Wasser zu halten. Aber wie gesagt: Vielleicht schaffen ja der MFC oder der MSV in den nächsten Jahren den Sprung.

Rückkehr von Haas ist noch unklar

Zurück zum Derby: Wird Dominic Haas ins Tor zurückkehren, Herr Guglielmi?

Das steht noch nicht fest. Er will diese Woche wieder trainieren und danach entscheiden wir es. Fakt ist, dass Leon Schulten ihn am Sonntag und am Dienstag im Pokal sehr gut vertreten hat.

Spielt Esad Morina, Herr Rehmann?

Er ist im Training und wir erwarten, dass er spielen wird – vielleicht nicht über 90 Minuten aber er wird seine Zeit bekommen.

Wie sehen die weiteren Personalien aus?

Rehmann: Samuel Aborah hat sich zu früh wieder rausgewagt. Giulian Boka ist angeschlagen. Dafür ist Lukas Weiß wieder im Kader. Ansonsten ist nur noch Gihwan Yu verletzt.

Guglielmi: Auf jeden Fall fehlt Marius Beyer. Er war am Dienstag nach einem sehr harten Einsteigen kurz bewusstlos, hat sich danach auch in der Kabine übergeben und war die Nacht über wegen einer Gehirnerschütterung im Krankenhaus. Ob ihn Julian Piontek ersetzt, entscheidet sich auch erst in dieser Woche. Bei ihm heilt es von Tag zu Tag. Nick Heppner und Lukas Grötecke haben am Dienstag wieder gespielt.

Ihr Team gewinnt das Derby, weil …?

Rehmann: .. wir dann die bessere Mannschaft waren.

Guglielmi: .. wir mal an der Reihe wären.

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