Rudern

Coronavirus: Mülheimer Ruderer bangt um seine Olympiachance

Einsam zieht der Ruderer Jonathan Rommelmann derzeit seine Runden. Solange die Olympischen Spiele in Tokio nicht abgesagt sind, trainiert der Gesamtweltcupsieger des Vorjahres auf sein großes Ziel hin.

Einsam zieht der Ruderer Jonathan Rommelmann derzeit seine Runden. Solange die Olympischen Spiele in Tokio nicht abgesagt sind, trainiert der Gesamtweltcupsieger des Vorjahres auf sein großes Ziel hin.

Foto: Tamara Ramos / FUNKE Foto Services

Mülheim.  Für Jonathan Rommelmann ist Tokio wohl die einzige Chance auf Olympische Spiele. Bei einer Verschiebung steht der Mülheimer vor einem Problem.

Die Corona-Krise bedeutet auch für Sportler einen großen Einschnitt, schließlich sollten in diesem Jahr die Olympischen Spiele stattfinden. So auch für Ruderer Jonathan Rommelmann, mit dem Marcel Dronia über die aktuelle Situation gesprochen hat.

Für den Gesamtweltcupsieger des Vorjahres würde eine Verschiebung der Spiele auch das Studium beeinflussen. Um trainieren zu können, ist er auf eine Ausnahmeregelung angewiesen.

Herr Rommelmann, Sie waren vor kurzem noch in Italien. Hat es dort schon Einschränkungen gegeben?

Nein. Wir waren ja schon Mitte Februar zurück, da ging es in der Lombardei ja gerade erst los. Da haben wir noch nichts mitbekommen. Beim zweiten geplanten Trainingslager haben wir dann aber entschieden, lieber nach München zu fahren, weil es unsicher war, wie wir nachher aus Rom wieder zurückfliegen können. Rückblickend war das die richtige Entscheidung. Zum Glück konnten wir so den großen Einschränkungen entgehen.

Mittlerweile sind auch hierzulande teils drastische Maßnahmen getroffen worden. Wie ist Ihre Meinung dazu?

Es ist natürlich für alle Beteiligten nicht super, aber es ist auch verständlich. Man bekommt immer wieder neue Einzelheiten des Virus mit und er ist eben sehr gefährlich für einen Teil der Bevölkerung. Außerdem ist unser Gesundheitssystem nicht dafür ausgelegt, eine Pandemiewelle abzufedern. Deswegen sind alle gefragt, den Verlauf zu verlangsamen. Die Maßnahmen, die getroffen wurden, sind der richtige Schritt, da es nun einmal von Mensch zu Mensch weitergegeben werden kann. Für den Moment muss sich jeder persönlich zurücknehmen.

Wie halten Sie sich nun fit? Geht es sogar auf’s Wasser?

Der Trainingsbetrieb ist derzeit natürlich sehr stark eingeschränkt. Ich bin in der relativ glücklichen Lage, dass für die Olympia-Athleten Ausnahmeregelungen geschaffen werden. Mein Verein in Krefeld hat dicht gemacht, da sind die Schlösser ausgetauscht. Nur ich werde für den Zeitraum Zugang haben, um mein Boot aus der Halle zu holen, um dann alleine auf dem See meine Runden zu drehen. Jetzt zwei, vier oder sechs Wochen auf’s Rudern zu verzichten, das kann man in der Olympiavorbereitung ja nicht machen. Ich habe zu Hause ein Ergometer, dass ich im Keller oder im Garten aufstellen kann. Ich habe auch eine Radrolle, auf die ich mein Rad spannen kann.

Sie fahren ja im Doppelzweier – wie sieht es mit ihrem Partner Jason Osborne aus?

Wir haben uns noch nicht ganz genau abgesprochen. Es steht aber im Raum, ob wir mal zusammen im Doppelzweier in Krefeld auf’s Wasser gehen werden. Die Hockeyspieler machen das ja auch, die treffen sich auch in Kleingruppen mit drei bis vier Leuten. Ich denke, der Deutschland-Achter wird auch weitermachen. (Anm. d. Red.: Am Mittwochnachmittag (18. März) hat der Deutschland-Achter bekanntgegeben, dass nur noch individuell trainiert wird. Das Gesundheitsamt Dortmund verbietet gemeinsames Training) Die werden jetzt nicht alleine ihre Runden ziehen. Wir müssen gucken, dass das Training in den Bootsklassen weitergeht, in denen wir auch in Tokio fahren wollen.

Sie glauben also, dass die Olympischen Spiele noch stattfinden werden?

Das ist eine ganz schwierige Frage. Ich hoffe es natürlich sehr. Momentan gehe ich auch einfach davon aus, solange es keine gegenteilige Information gibt. Ansonsten wäre die Trainingsmotivation auch weg. Wir hoffen, dass es relativ schnell sich in eine positive Richtung bewegt, so dass man faire Olympische Spiele austragen kann, natürlich auch mit Zuschauern.

Was würde denn eine Verlegung für Sie bedeuten?

Mein Medizinstudium liegt momentan auf Eis. Ich habe ja gesagt, dass ich mich ein Jahr lang auf den Rudersport konzentriere. Bei einer Verschiebung um ein Jahr müsste ich im Oktober eine Entscheidung treffen und wahrscheinlich ein zweites Jahr aussetzen. Parallel bekommt man das nicht auf die Kette. Eine Verschiebung um ein Jahr wäre noch zu verschmerzen, aber weitere vier Jahre – im Falle einer Absage – kann ich mir aktuell nur schwer vorstellen. Zumal die Frage ist, ob es den Leichtgewichtsbereich dann überhaupt noch gibt. Es ist ein offenes Geheimnis, dass er nach den Spielen in Tokio gestrichen werden soll. Außer guter Dinge zu bleiben, bleibt uns im Moment nicht viel.

Der Mülheimer Jonathan Rommelmann, geboren am 18. Dezember 1994, ist Gesamtweltcupsieger im leichten Doppelzweier.

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