Corona

Sportverbot: Offener Brief an Kanzlerin – Sorge um Nachwuchs

Wie geht es weiter mit dem Jugendsport? Zunächst einmal darf nicht trainiert werden, auch der Spielbetrieb ruht. Dagegen regt sich Widerstand in den Vereinen und bei der Mülheimer Sportjugend.

Wie geht es weiter mit dem Jugendsport? Zunächst einmal darf nicht trainiert werden, auch der Spielbetrieb ruht. Dagegen regt sich Widerstand in den Vereinen und bei der Mülheimer Sportjugend.

Foto: Frank Oppitz / FUNKE Foto Services

Mülheim.  Im November steht der Vereinssport still. Das betrifft auch die Jugend. In einem offenen Brief an die Kanzlerin wird ein Umdenken gefordert.

Kein Handballtraining, kein Pöhlen mit den besten Kumpels, keine gemeinsame Freizeit – auch die Kinder und Jugendlichen sind vom neuerlichen Sportverbot aufgrund der Corona-Pandemie hart getroffen.

Manche machen sich gar Sorgen, dass die Folgen langwierig sein könnten und setzen sich deshalb für eine schnelle Rückkehr in den Trainingsbetrieb ein.

Jugendabteilung des TSV Heimaterde wendet sich an die Kanzlerin

Die Fußballjugendabteilung des TSV Heimaterde wendet sich mit einem offenen Brief direkt an die Bundeskanzlerin. „Denn dabei geht es nicht nur um Bewegung: Es geht darum, den Kindern und Jugendlichen ein Umfeld anzubieten, in dem sie sie sich auspowern können, in dem sie jedoch zugleich Kontakte pflegen und Sozialverhalten erlernen können. Viele Jugendliche nutzen diese Angebote als Alternative, da sie ansonsten viel Zeit mit ,abhängen’ verbringen würden“, heißt es darin.

Den Mülheimern geht es auch darum, dass sogar Freiluftsport verboten ist, während in den Schulen das Lüften empfohlen wird. „Im Bereich der Schulen halten Sie die Ansteckungsgefahr für gering. Aber eine Kinder- und Jugendmannschaft, die maximal aus 15 Personen besteht und sich unter freiem Himmel bewegt, stellt im Gegensatz dazu ein epidemiologisches Risiko dar?“, fragen die Verantwortlichen des Vereins und fordern, dass zumindest der Trainingsbetrieb auf Sportfreianlagen wieder aufgenommen werden kann.

Vereine haben Angst, dass der Nachwuchs mit Sport aufhört

„Es besteht die Gefahr, dass Viele aufhören“, begründet Tobias Maske, Mitglied des Jugendvorstandes, weshalb sich sein Verein in dieser Art und Weise an die Öffentlichkeit wendet. Beim ersten Lockdown sei der Verein in dieser Hinsicht noch glimpflich davon gekommen. Verlassen wolle sich Heimaterde darauf aber nicht.

Das sagen die Vereinen in den einzelnen Städten:

„Wir haben uns als Verein große Gedanken gemacht und haben alles vorbildlich umgesetzt“, sagt Maske. Zuletzt seien zum Beispiel die Eltern gebeten worden, die Kinder nur noch zu bringen und hinterher abzuholen, um die Zahl der Personen auf der Anlage zu reduzieren.

Sportjugend weist auf Bedeutung des Sports für die Jugend hin

Verständnis für die Maßnahmen im Allgemeinen äußerte hingegen Thomas Libera, Vorsitzender der Mülheimer Sportjugend. Aber auch er betont, dass die Vereine die Auflagen, die es nach dem ersten Lockdown gab, gut umgesetzt hätten und die Maßnahmen deshalb etwas überraschend gekommen seien.

Auch Libera macht sich Sorgen um die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen. „Bei den Jüngsten der Gesellschaft bedeutet das nicht nur einen Verlust von Freizeit, sondern auch der Entwicklung und der Bewegung. Neben der Schule übernehmen diese Aufgaben in unserer Gesellschaft die Vereine“, so Libera. Und auch die Frage, wie es mit dem Schulsport weitergeht, ist derzeit noch ungeklärt.

Langfristige Lösungen sind gefordert

Er appelliert auch deshalb an die Politik, die Zeit des Lockdowns zu nutzen um eine Lösung für die Zeit danach zu finden. „Es geht nicht darum, wann wir wieder loslegen. Sondern wie. Wir müssen eine Perspektive schaffen, damit die Jugendlichen ein Ziel haben, diesen Lockdown durchzuhalten“, sagt Libera.

Denn „den Bewegungsdrang und das Bedürfnis nach sozialen Kontakten hat jeder Jugendliche.“ Libera sorgt sich, dass die Vereine den Nachwuchs sogar dauerhaft – beispielsweise an den E-Sport – verlieren. Gleichzeitig sieht er hier aber auch eine Chance für die Klubs. „Vielleicht müssen wir das in den Vereinen auch anpacken.“

Je länger der Lockdown dauert, desto schwieriger wird es

Die Gefahr, dass sich der Nachwuchs statt auf der Sportanlage in privaten Räumen trifft, sieht Libera vor allem dann, wenn der Lockdown lange andauert. „Es wird dann sicherlich immer schwerer für die Jugendlichen, wider die Natur zu handeln.“

Auch deshalb hoffen Vereine sowie Verbände, dass zumindest der Trainingsbetrieb zeitnah wieder aufgenommen werden kann. Damit der Nachwuchs nicht hinten rüberfällt.

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