Handball

Corona: HSV Dümpten: „Der Handball zerstört sich selbst“

Liegen nach der Zwangspause einige Vereine am Boden? Dümptens Kevin Michalski hätte sich vom Handballverband Niederrhein ein anderes Vorgehen gewünscht.

Liegen nach der Zwangspause einige Vereine am Boden? Dümptens Kevin Michalski hätte sich vom Handballverband Niederrhein ein anderes Vorgehen gewünscht.

Foto: Martin Möller / Martin Möller / Funke Foto Services

Mülheim.  Der Handballverband Niederrhein hat die Saison unterbrochen. Im Interview kritisiert Dümptens Geschäftsführer Kevin Michalski die Entscheidung.

Der Handballverband Niederrhein (HVN) hat die Saison vor dem Hintergrund des aktuellen Corona-Infektionsgeschehens bis zum 15. November unterbrochen. Nicht alle sind mit dieser Entscheidung einverstanden. Mareike Teuffer hat mit Kevin Michalski, Geschäftsführer des Verbandsligisten HSV Dümpten, darüber gesprochen, warum er die Entscheidung kritisch sieht.

Herr Michalski, wie stehen Sie zu der Entscheidung des HVN?

Kevin Michalski: Ich möchte die Gefahren der Coronapandemie sicher nicht verharmlosen. Aber insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Vereine bislang sehr verantwortungsbewusst mit der Situation umgegangen sind und viel in wirksame Hygienekonzepte investiert haben, denke ich, hätte es andere Lösungen als eine Saisonunterbrechung geben können. Ich verstehe vor allem nicht, warum sich der HVN mit seiner Entscheidung gegen die Landesregierung stellt, die ja den Kontaktsport weiterhin erlaubt. Zuvor wurde von vielen Seiten kritisiert, dass die Politik unseren Sport kaputt macht, nun zerstören wir uns selbst.

Sport und Corona am Niederrhein

Wo sehen Sie die größten Probleme?

Das Infektionsgeschehen wird sich bis zum 15. November kaum ändern, wie ist dann eine Wiederaufnahme des Ligabetriebs zu rechtfertigen? Ein Saisonabbruch wird viele Klubs vor wirtschaftliche Probleme stellen, die Vereinbarungen mit ihren Sponsoren nicht halten können. Auch wir sind von Sponsoren abhängig. Daher halte ich die Entscheidung leichtfertig. Aber nicht nur einzelne Mannschaften stehen vor einem Trümmerhaufen, auch der Handballsport an sich wird an öffentlichem Interesse einbüßen.

Welche Lösung hätten Sie bevorzugt?

Ich hätte mir vor allem mehr Kommunikation von Seiten des Verbandes gewünscht. Mit uns hat nie jemand gesprochen oder mal ein Meinungsbild unter den Vereinen eingeholt, wie es zum Beispiel andere Verbände getan haben. Wir wussten vor dem Saisonstart, dass es zu Quarantäne-Situationen kommen kann und wir haben unserer Spieler deswegen gefragt, ob sie dieses Risiko mittragen und unter diesen Bedingungen in die Saison gehen wollen. Eine solche Abfrage hätte ich mir auch vom HVN gewünscht. In Westfalen zum Beispiel hat sich der Verband entschieden, die Meisterschaft weiterlaufen zu lassen und erleichtert den Vereinen unter anderem Spielverlegungen, um Auswärtsspiele in Risikogebieten zu vermeiden. In Absprache hätte es auch Wege für die Mannschaften in Niederrhein gegeben, die nicht antreten können oder wollen. Zum Beispiel für die Duisburger Vereine, die von den Hallenschließungen durch die Stadt betroffen sind.

Wie gehen Sie als Verein nun mit der Entscheidung um?

Die Spieler sind sehr enttäuscht, beim Training am Donnerstag herrschte gedrückte Stimmung. Wir werden aber weiter trainieren, so lange es uns erlaubt ist. Allerdings werden wir von Testspielen eher absehen, obwohl diese ja nicht verboten sind. Aber das würde die Entscheidung des HVN meiner Meinung nach vollkommen ad absurdum führen. Wir werden stattdessen die Wochenenden für Trainingslager nutzen, um vorbereitet zu sein auf eine hoffentlich baldige Wiederaufnahme des Spielbetriebs.

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