Fußball / GSV Moers

Schikofsky hat nach dem Moerser Abstieg schlecht geschlafen

Nicht nur gestrauchelt, sondern auch gestürzt: So wie hier Pascal Sikorska (rechts) vom GSV Moers, im Duell mit Baris Özcelik von Fichte Lintfort, hat es die ganze Mannschaft erwischt. Vor knapp einem Jahr hatte Sikorska noch das Tor zum Aufstieg geschossen

Nicht nur gestrauchelt, sondern auch gestürzt: So wie hier Pascal Sikorska (rechts) vom GSV Moers, im Duell mit Baris Özcelik von Fichte Lintfort, hat es die ganze Mannschaft erwischt. Vor knapp einem Jahr hatte Sikorska noch das Tor zum Aufstieg geschossen

Foto: Oleksandr Voskresenskyi / FUNKE Foto Services

Moers.  Wie nahe Freude und Leid im Fußball beieinander liegen, hat Landesligist GSV Moers in knapp einem Jahr erlebt. Der Aufstieger muss wieder runter.

Wie nahe Freude und Leid im Fußball beieinander liegen, musste innerhalb eines knappen Jahres der GSV Moers erleben. Am 10. Juni 2018 kannte der Jubel am Solimare keine Grenzen, als die Grafschafter durch ein 2:2 im Relegationsrückspiel gegen Hamborn 07 den Aufstieg in die Fußball-Landesliga perfekt machten. Pascal Sikorska hatte damals in letzter Sekunde den entscheidenden Treffer zum Moerser Ausgleich markiert und damit die Party überhaupt erst möglich gemacht. Nun ist der „Fahrstuhl“ mit dem GSV aber direkt wieder nach unten gerauscht: Das 3:6 im letzten Saisonspiel gegen den Duisburger SV 1900 ließ die Gelb-Schwarzen nach nur einer Spielzeit zurück in die Bezirksliga „abstürzen“.

„Der Abstieg ist schwer zu verdauen. Ich hatte seitdem einige Nächte, in denen ich nur schlecht schlafen konnte“, gibt GSV-Trainer Thorsten Schikofsky zu. Dabei hatte es noch am 29. Spieltag gut für die Moerser ausgesehen: Als Tabellenelfter bogen sie auf die Zielgerade der Saison ein, hatten am 28. April nach einem 2:1-Heimerfolg gegen den VfB Frohnhausen satte neun Punkte Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz. Was dann folgte, entpuppte sich als sportlicher Albtraum für den Vorjahres-Aufsteiger.

Fünf Niederlagen in Serie

Die Moerser kassierten bis zum Ende der Saison fünf Niederlagen in Serie mit einem Torverhältnis von 6:17, stürzten mit dieser katastrophalen Bilanz bis auf Rang 15 ab und mussten am letzten Spieltag noch den SV Hönnepel-Niedermörmter vorbeiziehen lassen, der an ihrer Stelle den Klassenerhalt feiern durfte.

„Wir hatten genug Chancen, um dem Abstieg noch von der Schippe zu springen“, ärgert sich Schikofsky beim Rückblick. Gerade die Niederlagen beim Tabellenvorletzten Überruhr (1:3), im Derby bei Fichte Lintfort (1:2) und zum Abschluss gegen den bereits geretteten DSV 1900 (3:6) wurmen den Trainer: „Das waren unsere Endspiele, und da haben wir jeweils kläglich versagt. Wobei ich die Niederlage gegen Fichte auf meine Kappe nehme. Da hatte ich den Gegner weniger selbstbewusst erwartet und meine Jungs entsprechend eingestellt, so dass wir in diesem Spiel überrascht worden sind.“

Mit den Gründen beschäftigt

Mit der Frage nach den Gründen für den Abstieg hat sich der GSV-Coach ausgiebig beschäftigt und dabei mehrere Antworten gefunden. „Wir hatten in der Summe zu viele Verletzte, das war nicht mehr aufzufangen.“ Mit Tobias Kästner, Fabian Hastedt, Christian Zeiler oder Andre Haeger fielen diverse Leistungsträger langfristig aus, zudem mussten auch Matthias Fröhlich, Michael Schuster, Meik Bodden oder Kevin Reise immer wieder pausieren.

„Tempofußball konnten wir in der Schlussphase der Saison aufgrund der körperlichen Rückstände nicht mehr spielen. Da hat sich auch der hohe Altersdurchschnitt unseres Kaders bemerkbar gemacht, die Wege wurden teilweise sehr lang.“ Das war besonders auf dem eigenen, großen Kunstrasenplatz sichtbar. Konsequenz: Mit nur 18 Punkten aus 17 Partien belegt der GSV in der Heimtabelle den 15. und damit einen Abstiegsplatz. Auswärts reichte es dagegen zu einem Zähler mehr, der in diesem Ranking einen guten achten Rang bedeutet.

Was beim Blick auf die Statistiken noch auffällt: Rang zehn in der Hinrundenwertung konnten die Gelb-Schwarzen nicht bestätigen, in der Rückrunde wurden sie Vorletzter. Weil die Abwehr mit satten 80 Gegentoren den drittschlechtesten Wert der Liga erreichte, ist das Team am Ende wohl auch nicht zu Unrecht abgestiegen.

Nun bleibt bis zum Trainingsauftakt am Sonntag, 30. Juni, rund ums Solimare viel zu tun. „Unser Weg schien perfekt geebnet, aber der Abstieg hat die Arbeit von zwei Jahren weitgehend kaputt gemacht“, erklärt Thorsten Schikofsky. Für die Landesliga hatte er nach seiner Einschätzung einen neuen Kader zusammen, „der nicht gegen den Abstieg gespielt hätte.“ Einige der Zusagen galten allerdings nur für den Fall des Klassenerhalts, so dass sich der Coach nun erneut umsehen muss. Unabhängig von der Liga hatten laut Schikofsky die 19-Jährigen Luis Ramon Gizinski und Max Werner dem GSV ihre Zusagen gegeben. Mittlerweile haben sich, wie bereits berichtet, aber Angreifer Gizinski, der mit neun Toren in 14 Rückrundenspielen für Moers glänzte, und der bisherige Klosterhardter Defensivspieler Werner dazu entschlossen, zum Landesligisten SV Sonsbeck zu wechseln. „Sie haben ihr Wort gebrochen und mich damit sehr enttäuscht“, hat Schikofsky für die Entscheidungen der Youngster wenig Verständnis.

Nicht auf ein Saisonziel festlegen

Aufgrund einiger offener Planstellen im Kader will sich der Moerser Trainer auch noch nicht auf ein Saisonziel festlegen: „Es ist zu früh, um vom Aufstieg zu reden. Mit den begrenzten Mitteln des Vereins im Vergleich zu anderen Klubs kann das auch niemals eine Pflicht sein.“

Nur um die kürzeren Wege und die vielen Derby zu genießen, gehen Schikofsky und sein Team aber auch nicht in die Bezirksliga-Runde: „Wir werden schon ein starkes Team haben und eine gute Rolle spielen können. Am Ende muss man dann sehen, wie gut das System funktioniert und welchen Kader wir endgültig zur Verfügung haben werden.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben