Frauenhandball / Bundesliga

Lintforterin Naina Klein ist in der Bundesliga angekommen

| Lesedauer: 9 Minuten
Naina Klein mit ihren E-Jugend-Elfen und ihren Fans von Bayer Leverkusen.

Naina Klein mit ihren E-Jugend-Elfen und ihren Fans von Bayer Leverkusen.

Foto: TuS Lintfort

Die 22-jährige Handballspielerin Naina Klein hat beim TuS Lintfort angefangen. Seit der vergangenen Spielzeit spielt sie für Bayer 04 Leverkusen.

Naina Klein, Ihre Mannschaft stand lange im Abstiegskampf der Frauen-Handball-Bundesliga. Wie bewerten sie die Saison mit Leverkusen?

Wir konnten in der Vorbereitung einige Erfolge einfahren, und sind vielversprechend mit einem Sieg gegen Bad Wildungen in die Saison gestartet. Leider hatten wir viel Verletzungspech. Dies war unter anderem ein Grund dafür, dass wir uns schnell im Tabellenkeller wiedergefunden haben. Nach dem Trainerwechsel gab es bei uns einige Lichtblicke, es ist uns nur leider zu selten gelungen unsere Leistung auch auf die Platte zu bringen. Umso erfreulicher waren die zwei Siege mit denen wir die Saison beendet haben. Die Erleichterung über den Klassenerhalt war deutlich zu spüren.

Sie sind seit Beginn der Saison eine feste Größe im Bayer-Spiel. Was war der Grund, dass es so schnell ging?

Das es so schnell gehen würde, habe ich vorher nicht erwartet. Ich habe in der Vorbereitung viel Spielzeit bekommen, was mir dabei geholfen hat, mich in die Mannschaft einzufügen und Selbstvertrauen zu sammeln. Dann hat sich direkt nach dem ersten Saisonspiel Mariana Ferreira Lopes verletzt, mit der ich mir bis dahin die Position geteilt habe. Dadurch bekam ich viel Spielzeit und Verantwortung, was ausschlaggebend für meine positive Entwicklung bei Leverkusen war.

Wie sieht eine normale Trainingswoche in der Bundesliga aus?

Diese Saison haben wir acht Mal die Woche trainiert. Es gab drei Frühtrainingseinheiten mit Kraft- und Technikerwerbstraining. In den Einheiten am Abend wurden verschiedene Bereiche vom Handball abgedeckt wie Tempotraining oder mannschaftstaktische Sachen.

Was ist für Sie der größte Unterschied zwischen 1. und 2. Bundesliga?

Eindeutig das Tempo und zum Teil die Härte. In den ersten Spielen habe ich direkt gemerkt, dass es viel schneller zur Sache geht und man gut umschalten muss. Außerdem geht es härter zu. Es bleibt aber fair.

Mussten Sie ihr Spiel umstellen?

Ich würde nicht unbedingt von umstellen, sondern von anpassen reden. Ich bin in ein neues Team gekommen, habe neue Trainer kennengelernt. Jeder seine eigene Spielphilosophie, die man kennenlernen muss, um seinen Teil zum Mannschaftserfolg beitragen zu können. Es braucht einige Zeit, bis man seine Mitspieler kennt und man das richtige Timing im Spiel findet. Trotzdem würde ich sagen, dass ich generell meinem Spielstil treu bleibe und nur Kleinigkeiten an die Liga und mein neues Team anpasse.

Gibt es Kontakte zwischen den Spielerinnen außerhalb des Handballs?

Dadurch das viele Spielerinnen nur nach Leverkusen gezogen sind um Handball zu spielen, sind Freunde und Familie oft weit entfernt. Da stellt das Team einen großen Bezugspunkt dar. Viele von uns unternehmen außerhalb der Halle was miteinander – in unterschiedlichen Konstellationen. Beispielsweise für Spiele- oder Filmabende.

Anders als Fußballprofis müssen Sie ihre berufliche Zukunft im Blick haben. Wie bekommen Sie das hin?

Ich habe tatsächlich etwas Glück mit meinem Studium, da ich die Kurse so wählen kann, dass es zeitlich mit den Trainingseinheiten passt. Trotzdem ist es von Zeit zu Zeit sehr stressig alles unter einen Hut zu bekommen, gerade wenn mal unvorhergesehene Dinge erledigt werden müssen oder Prüfungen und Abgaben für die Uni anstehen. Doch viele Dozenten kommen einem entgegen, wenn man erklärt, dass man im Leistungssport tätig ist.

Sie trainieren zusätzlich die weibliche E-Jugend von Leverkusen. Wie wirkt sich das aus für Sie?

Ich habe direkt zu Saisonbeginn die weibliche E-Jugend übernommen und habe wirklich eine tolle Mannschaft. Die Mädels kommen gerne in die Halle um die großen Elfen anzufeuern und haben sich meinetwegen für diese Saison etwas Besonderes überlegt. Bei einem Spiel haben sie mich mit einem riesigen Plakat überrascht, das sie danach in mehreren Spielen die ganze Zeit hochgehalten haben. Und lautstark geben die kleinen Elfen das ganze Spiel über alles und freuen sich über Siege genau so sehr wie wir. Es ist amüsant, wenn wir Ausschnitte von unseren Spielen in der Videoanalyse gucken und man immer wieder meine E-Jugend schreien hört. Da schmunzelt dann das ganze Team.

2014 haben sie noch Alina Grijseels, der Handballerin des Jahres 2021, im Trikot vom TuS Lintfort angefeuert. Wie ist das, wenn man heute auf solche Gegenspielerinnen trifft? Kennt man sich dann noch?

Mit Alina habe ich in Lintfort schon trainiert und auch beim DHB-Stützpunkt-Training. Natürlich kennt man sich noch, auch wenn es schon länger her ist. Ich persönlich habe mich sehr für Alina gefreut und finde sie hat eine super Entwicklung durchgemacht. Wenn wir uns in der Halle sehen, nutzen wir die kurze Zeit um zu quatschen. Auch wenn es nicht oft ist, freut man sich doch sich zu sehen.

Ihre ehemalige Mitspielerin Harma van Kreij, mit der sie 2016 den Aufstieg in die 2. Bundesliga geschafft haben, kommt zurück in die Bundesliga zum BVB. Freuen sie sich auf ein Aufeinandertreffen nächste Saison?

Ich freue mich darauf, Harma wiederzusehen und habe ihr tatsächlich direkt geschrieben als ich gelesen habe, dass sie zurück in die Bundesliga kommt. Lieber wäre es mir natürlich, zusammen mit ihr auf der Platte zu stehen, aber es ist schön sie nach den Jahren im Ausland wiederzusehen. Wir hatten in den letzten Jahren immer wieder Kontakt und ich finde es toll, wie sie ihren Weg über Lintfort bis in die Champions-League gegangen ist.

Was erwarten Sie nächste Saison?

Wir haben in der nächsten Saison ein sehr junges Team mit Spielerinnen, die individuell viel Potenzial mitbringen. Dadurch, dass uns einige Spielerinnen verlassen haben, wird das Team durchgemischt. Wir müssen die Vorbereitung nutzen, um uns neu zusammenzufinden. Der Umbruch ist für uns eine Chance, neu anzugreifen, für unseren Trainer Johan Petersson uns einzustellen und unser Spiel anzupassen. Da wir keine großen Namen haben, müssen wir nächste Saison übers Team und unseren Kampfgeist kommen. Vielleicht können wir dann sogar das ein oder andere Team von oben ärgern. Generell wird die Liga durch viele Transfers durchgemischt, deshalb erwarte ich in der Tabelle vor allem im Mittelfeld einige Veränderungen. Ich persönlich hoffe auf eine bessere Saison, da ich nicht so lange um den Klassenerhalt zittern möchte.

In Lintfort hatten sie seit der C-Jugend nur eine Trainerin. Ihre Mutter. In Leverkusen in dieser Saison gleich drei. War das nicht sehr ungewohnt?

Es war schon eine Umstellung nach so langer Zeit mit meiner Mutter als Trainerin mal was anderes zu sehen. Hinzu kam noch das höhere Niveau in der ersten Liga, an das ich mich erst gewöhnen musste. Dass ich dann gleich zwei Trainer in einer Saison hatte und Renate Wolf auch noch dazu kam, die im Winter einige Wochen das Training geleitet hat, hätte ich so nicht gedacht. Das war dann ganz schön viel neuer Input und ab und zu auch sehr anstrengend, im Kopf alles zu verarbeiten. Jeder Trainer ist anders und man möchte den Ansprüchen gerecht werden. Allerdings braucht es doch ein wenig Zeit sich umzustellen und die Philosophie des Trainers mit dem eigenen Spielstil in Einklang zu bringen. Ein Trainer präferiert beispielsweise ein schnelles Weiterspielen, der andere möchte wiederum, dass erstmal die Abwehr gebunden wird. Ich habe irgendwann gemerkt, dass ich erstmal spielen muss und nicht so viel nachdenken darf. Wenn das funktioniert, ist es auch einfacher, die Anweisungen von den Trainern umzusetzen.

>>>NAINA KLEIN PERSÖNLICH

Naina Klein wurde am 8. Juli 1999 in Kamp-Lintfort geboren. Über die Jugend vom TuS Lintfort kam sie in die erste TuS-Frauenmannschaft, mit der sie 2016 und 2018 in die 2. Bundesliga aufsteigen konnte.

Seit 2021 spielt die Rechtshänderin im linken Rückraum beim Erstligisten Bayer 04 Leverkusen. Sie ist 1,83 Meter groß und hat in ihrer ersten Saison für Bayer 109 Tore geworfen – Platz sieben der Bundesliga.

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