Inklusions-Tennis

Bianca Osterers Behinderung reicht nicht für die Paralympics

Bianca Osterer gehört seit Jahren zu den weltbesten Rollstuhltennisspielerin, muss mittlerweile sogar ihren Schläger an der Hand festtapen, darf aber nicht bei den Paralympics starten.

Bianca Osterer gehört seit Jahren zu den weltbesten Rollstuhltennisspielerin, muss mittlerweile sogar ihren Schläger an der Hand festtapen, darf aber nicht bei den Paralympics starten.

Foto: Michael Gohl / FUNKE Foto Services

Kamp-Lintfort.  Bianca Osterer aus Kamp-Lintfort gehört zu den weltbesten Rollstuhltennisspielerinnen und darf wieder nicht zu den paralympischen Spielen.

Bianca Osterer gehört zu den weltbesten Tennisspielerinnen im Rollstuhl. Trotzdem ist die 33-jährige Kamp-Lintforterin noch nie bei den paralympischen Spielen angetreten. Und wird es höchstwahrscheinlich auch in Tokio 2020 nicht können. Oder besser, nicht dürfen. Der Grund: Ihre Erkrankung ist nicht klassifizierbar. Das jedenfalls sagt das National Paralympic Committee Germany im Deutschen Behindertensportverband (DBS).

„Es gibt bestimmte Erkrankungen, wie beispielsweise das Ermüdungssyndrom, die objektiv nicht messbar sind“, sucht Winnie Timans, Referentin Klassifizierung beim DBS nach einer schlüssigen Erklärung. Dabei spricht sie auch von Fairness für andere Sportler.

Bianca Osterer leidet an einem komplexen Schmerzsyndrom

Nun leidet Bianca Osterer unter Morbus Sudeck, einem komplexen Schmerzsyndrom. Betroffen ist das rechte Bein. Außerdem kann die Kamp-Lintforterin nicht ohne Schwierigkeiten mal eben die Beine ausstrecken. „Ich leide unter Dystonien“, sagt sie. Das sind Bewegungsstörungen, Spasmen, die dafür sorgen, dass ihre ausgestreckten Beine anfangen zu zittern. Das ständige Sitzen im Rollstuhl hat ebenfalls seine Spuren hinterlassen. Bianca Osterer leidet in Folge dessen auch noch unter Kontrakturen, einer bleibenden Einschränkung der Bewegungsfähigkeit. 2007 wurde schließlich noch eine Zyste im Rücken gefunden und obendrein kann sie seit 2014 die Finger nicht mehr vernünftig bewegen. „Deshalb habe ich den Tennisschläger jetzt immer an der Hand festgetapt“, hat sie auch dafür eine Lösung gefunden.

Doch die fehlt ihr nun bei der Entscheidung des National Paralympic Committee Germany. Denn dort sind die Verantwortlichen sicher, dass die Summe des Handicaps von Bianca Osterer nicht ausreicht, um damit Rollstuhltennis spielen zu dürfen.

Schon bei früheren Spielen durfte die Kamp-Lintforterin nicht starten

Bei den Paralympics 2012 konnte sie nicht starten, weil sie am Stichtag nach deutschen Maßstäben einen Rang zu schlecht platziert war. International hätte sie die Quali im Sack gehabt. 2016 in Rio war sie verletzt. Und nun ist sie für Tokio nicht behindert genug.

„Sabine Ellerbrock hat die gleiche Krankheit wie ich, hat sich das Bein abnehmen lassen – und darf starten“, sagt Bianca Osterer über ihre zehn Jahre ältere Sportkollegin aus Bielefeld. Doch eine Amputation kommt für die Kamp-Lintforterin eben nicht in Frage. „Ich sitze fest im Rollstuhl, kann nicht laufen und bin nach den Verbandsregeln nicht beinbehindert“, schüttelt die junge Frau voller Unverständnis mit dem Kopf.

Im Mai ist sie nach Israel gereist, um sich von der zuständigen Frau vom DBS, die dort vor Ort war und letztlich zu entscheiden hat, untersuchen zu lassen und ihr alle Unterlagen und ärztliche Atteste übergeben zu können. Doch eine Untersuchung oder ein kollektiver Umgang habe es nicht gegeben.

Nun versucht Bianca Osterer alles, um bis zum Stichtag im Juni 2020 doch noch grünes Licht zu bekommen. „Ihre Erkrankung ist so schwer, dass sie im Rollstuhl sitzen muss“, weiß auch Winnie Timans. „Wir hoffen, dass wir für Bianca etwas machen können.“

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