Nach Skandalspiel

Asterlagen-Trainer kommt mit 200 Euro Geldstrafe davon

Auch um die Szenen nach dem Spielabbruch ging es am Mittwochabend in der Spruchkammersitzung.

Auch um die Szenen nach dem Spielabbruch ging es am Mittwochabend in der Spruchkammersitzung.

Foto: Foto: FUNKE Foto Services

Moers.  Nach dem Gewaltausbruch beim Spiel des TuS Asterlagen gegen Büderich wurde Yilmazer vom Vorwurf der Bestechung und Bedrohung freigesprochen.

Der Trainer des TuS Asterlagen Tugay Yilmazer ist bei einer weiteren Spruchkammersitzung des Fußballkreises Moers vom Vorwurf der Bestechung und Bedrohung freigesprochen worden. Die Spruchkammer bescheinigte den Zeugen aus den Reihen des Gegners Büdericher SV zwar, durchaus glaubhaft aufgetreten zu sein, konnte aber nach einem dreieinhalbstündigen Sitzungsmarathon nicht alle Zweifel ausräumen.

Im Raum stand die Behauptung, Yilmazer und der TuS-Geschäftsführer Sadettin Ulikan hätten vor der Partie versucht, die Büdericher zu bestechen, um die Partie mit mindestens 8:0 zu gewinnen und damit doch noch den Aufstieg in die Kreisliga A zu schaffen. Zudem erklärten mehrere Zeugen, Yilmazer habe den Büderichern während des Spiels und nach dem Abbruch mit den Worten „Ihr kommt hier nicht lebend vom Platz“ gedroht. Beides sah die Spruchkammer letztlich nicht als erwiesen an.

Unsportliches Verhalten

Keine Zweifel gab es dagegen am unsportlichen Verhalten von Yilmazer, der den Büderichern vorgeworfen hatte, die vorherige Partie gegen Xanten (1:8) verkauft zu haben. Dafür verhängte die Kammer eine Geldstrafe von 200 Euro. Zudem muss der TuS-Trainer die Hälfte der Auslagen übernehmen. „Die Bedrohung durch Herrn Yilmazer ist für uns nicht eindeutig belegbar. Wir haben unsere Zweifel, und im Zweifel müssen wir freisprechen“, erklärte Heinz Kremers, der Vorsitzende der Spruchkammer.

Schiedsrichter hat nichts vernommen

Im Vorfeld hatte sich Kremers auf die Suche nach neutralen Zeugen gemacht, aber niemand habe die Vorwürfe bestätigen können. Auch Schiedsrichter Samet Alpaydin gab an, nichts dergleichen vernommen zu haben. Ein Journalist, der beim Spiel vor Ort war, attestierte Yilmazer zwar aggressives Auftreten und bestätigte auch, dass der TuS-Coach den Büderichern lautstark Bestechlichkeit vorgeworfen hatte, hatte von Drohungen aber auch nichts mitbekommen. So standen am Ende die Aussagen der Asterlagener gegen die von Spielern, Betreuern und Zuschauern aus Büderich. „Ich hoffe, dass Sie ihr Verhalten trotzdem überdenken und in Zukunft ruhiger werden“, gab Heinz Kremers dem TuS-Trainer nach der Urteilsverkündung mit auf den Weg.

Debatte über Gewalt im Amateur-Fußball ausgelöst

Die Kreisliga-A-Relegation zwischen dem TuS Asterlagen und dem SV Büderich war am 15. Juni zwölf Minuten vor Schluss abgebrochen worden. Ein Asterlager Spieler hatte nach einer roten Karte Schiedsrichter Samet Alpaydin geschlagen und getreten. Der Referee war in den Heizungsraum geflüchtet. Sein Assistent Tobias Koch wurde von einem Betreuer attackiert. Fotos der Eskalation sorgten für eine Debatte über Gewalt im Amateurfussball.

Beide dürfen sich zudem 18 und zwölf Monate bei Spielen des TuS Asterlagen nicht mehr auf dem entsprechenden Sportplatz blicken lassen. Dazu müssen beide einen Kurs in Gewalt-Prävention beim Fußballverband Niederrhein absolvieren. Zudem müssen die Asterlager in der kommenden Hinrunde sämtliche Spiele auf eigene Kosten unter eine Kreis-Aufsicht stellen lassen. Wegen unsportlichem Verhalten zahlt Asterlagen 750 Euro in die Verbandskasse.

Mehrere Schiedsrichter wollen Asterlagen nicht mehr pfeifen

Der Gewaltausbruch auf dem Platz in Duisburg sorgte in den vergangenen Wochen immer wieder für Diskussionen – sowohl bei anderen Vereinen als auch bei Schiedsrichter. So kündigten mehrere Unparteiische aus dem Fußballkreis Moers an, keine Spiele mehr von Mannschaften zu pfeifen, die an einem Spielabbruch beteiligt waren. Das gilt nicht nur für den TuS Asterlagen.

Den gleichen Weg geht der VfB Homberg. Der Duisburger Verein wird bis auf keine Fußball-Spiele gegen den TuS Asterlagen ausrichten. „Wir möchten damit ein Zeichen setzen“, begründete Wolfgang Graf, Leiter der Fußball-Abteilung, die Entscheidung. Allerdings wären die Homberger Seniorenteams ohnehin nicht auf die Asterlagener getroffen. Der Verband hat die B-Ligen neu geordnet, die „Dritte“ des VfB ist in einer anderen Gruppe als Asterlagen gelandet. Graf erklärt, dass das zum Zeitpunkt des Vorstandsbeschlusses noch nicht bekannt gewesen sei. Wolfgang Graf: „Das hätte für uns keine Rolle gespielt. Wir hätten auch Strafen und Punktabzüge in Kauf genommen.“

Laut dem DFB sind Spielabbrüche die große Ausnahme

Nach Angaben des Deutschen Fußball-Bundes sind solche Gewalteskalationen die große Ausnahme. Laut dem „Lagebericht Amateurfußball“ musste in der Saison 2018/19 lediglich jedes 2000. Fußballspiel in Deutschland abgebrochen werden. Demnach seien gut 0,05 Prozent (685) der insgesamt mehr als 1,3 Millionen per Schiedsrichterbericht ausgewerteten Spiele betroffen gewesen. Die Schiedsrichter melden auch Gewalt- oder Diskriminierungsfälle, die nicht zu einem Spielabbruch führten, was bei etwa jedem 200. Spiel der Fall war. Etwa 4000-mal wurde Gewalt gemeldet, 2725-mal Diskriminierung. 2906-mal wurden Schiedsrichter angegriffen - eine leichte Steigerung gegenüber der Vorsaison (2866), obwohl rund 50.000 Spiele weniger absolviert wurden.

Der TuS Asterlagen hat derweil seine erste Partie nach den Vorfällen gespielt. Beim Testduell gegen den Mülheimer FC blieb am vergangenen Sonntag alles fair. Aus der Anfangsformation des Skandalspiels zwischen Asterlagen und dem Büdericher SV waren noch drei Spieler mit dabei. „Die Jungs waren alle vollkommen in Ordnung, die wollen ja jetzt auch überall einen guten Eindruck machen“, meinte Mülheims Trainer Cengiz Demircan.

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