Fußball

Ohne Fußball kann der Mendener Elbracht nicht

Bestens ausgestattet: Mark Elbracht steht mit dem Tablet am Spielfeldrand und zeichnet seine Erkenntnisse zum Spiel auf.

Bestens ausgestattet: Mark Elbracht steht mit dem Tablet am Spielfeldrand und zeichnet seine Erkenntnisse zum Spiel auf.

Foto: Stephan Schütze

Menden.  Spieler, Trainer, und dann? Für Mark Elbracht aus Menden geht es ohne Fußball nicht. Nun hat er sich mit seiner Idee selbstständig gemacht.

Ein Sonntag ohne Fußball ist für Mark Elbracht nicht vorstellbar. Dabei ist es nicht der große Fußball in der Bundesliga, der ihn interessiert, sondern die Basis bei den Amateuren. Das war so als Kicker, als er bei den Amateure von Borussia Dortmund aktiv war oder als er Trainer des Fußball-Landesligisten BSV Menden war. Jetzt hat der 46-Jährige ein neues Betätigungsfeld: Er beobachtet Spiele und Spieler in den westfälischen Amateurligen.

„Ich wollte als Trainer möglichst alles über den nächsten Gegner und seine Spieler wissen. Ich wollte halt auf das Spiel meiner Mannschaft bestens vorbereitet sein“, erzählt Mark Elbracht. Doch das ließ sich als Trainer einer Mannschaft sehr schwer realisieren. „Man kann ja schlecht Sonntags den nächsten Gegner besuchen, wenn man ein eigenes Spiel hat“, zeigt er die zwangsläufigen Grenzen der eigenen Ansprüche auf.

Die Zeit setzt ihm Grenzen

Vor allem der Faktor Zeit setzte ihn auch beim Trainerjob Grenzen auf. „Ich habe dann festgestellt, dass ich den Trainerjob nicht mehr so ausüben kann, wie ich mir das vorstelle. Ich kann um 19.30 Uhr keine vernünftige Trainingseinheit leiten, wenn ich erst um 19 Uhr aus dem Büro komme“, so Elbracht. Nach der Zeit als aktiver Spieler, bahnte sich auch das baldige Ende seiner Trainerkarriere damit an.

„Aber ich konnte mir ein Leben ohne den Fußball an der Basis nicht vorstellen“, sagt Elbracht heute. Der Dortmunder macht keinen Hehl daraus, dass ihn trotz seiner BVB-Vergangenheit der Amateurfußball viel näher ist. So kam ihn dann der Gedanke, den Kontakt zum kleinen Fußball als Scout zu halten. Er bietet interessierten Vereinen oder Trainern seine Dienste an, sie mit Informationen über kommende Gegner und deren Akteure zu versorgen. „Ich fahre dann Sonntags zu einem Spiel und schaue mir das an. Dabei sammele ich alle interessanten Infos. Nach dem Spiel wird dann eine ausführliche Expertise erstellt, die dann dem jeweiligen Trainer zur Verfügung gestellt wird“, gibt Mark Elbracht Einblick in seine Arbeit.

Diese Ausarbeitung über das jeweilige Fußballteam umfasst dann solche Infos wie Spielsysteme, taktische Ausrichtung, Stärken einzelner Spieler und deren Schwächen. Verhalten bei Standardsituationen. „Diese Informationen werden dann innerhalb von 48 Stunden dem jeweiligen Trainer zur Verfügung gestellt“, erzählt Elbracht. Also, wenn so gewünscht, zeitnah zur nächsten Trainingseinheit.

Der frühere Trainer des BSV Menden profitiert natürlich von seinem hohen Bekanntheitsgrad im Amateurbereich und seinem Fachwissen. Die ersten Schritte seiner Idee sind zurückgelegt. Mittlerweile hat der Dortmunder zusammen mit seinem Bruder eine Firma gegründet um das Portal „Amateurscout.de“ auf eine noch stabilere und professionelle Basis zu stellen.

Bald in ganz Westfalen unterwegs

So sollen die Bewertungen der beobachteten Klubs demnächst auch online erscheinen. Zurzeit sind eine Handvoll Fußballfreunde als Scouts in Westfalen unterwegs. „Wir suchen auch noch weitere Scouts, die uns unterstützen wollen“, sagt der Gründer der Plattform. Denn an einem Wochenende kann er sich, auch aufgrund der parallel stattfindenden Spiele, immer nur um eine Partie kümmern. Mithilfe seiner Kollegen kommen derzeit drei bis vier Spiele pro Wochenende zusammen, von der Kreisliga C bis zur Oberliga ist alles dabei.

„Gerade die Kreisliga C-Spiele sind ja gut, weil das ja genau der Bereich ist, den wir abdecken wollen“, sagt Elbracht. Dass in den unteren Klassen auch schon einmal Mehrarbeit anfallen kann, ist ihm aus der Erfahrung eines Kollegen bewusst. „Weil wir alles so genau wie möglich abbilden wollen, ist ein Ergebnis wie ein 14:3 schon einmal mit deutlich mehr Aufwand verbunden“, sagt der Fußballliebhaber.

Das dieser Service nicht kostenfrei ist, versteht sich von selbst. Wobei sich die Kosten in Grenzen halten. So muss aktuell ein Obulos von 40 Euro pro Beobachtung entrichtet. „Im Prinzip werden damit die Kosten gedeckt“, sagt Elbracht. Das Ziel ist es, dass demnächst der komplette westfälische Raum mit Scouts abgedeckt wird. Wer Mark Elbracht als Trainer erlebt hat, zweifelt nicht an der Umsetzung dieser Zielsetzung.

Handball und Basketball könnten folgen

Dass inzwischen auch im Amateurbereich viele Spiele im Internet live übertragen werden, ist für ihn dabei kein Problem, viel mehr ist es sogar förderlich für seine Geschäftsidee. „Wir haben uns darüber Gedanken gemacht und sind zu dem Schluss gekommen, dass es ja immer noch jemanden braucht, der sich dann 90 Minuten hinsetzt und sich so ein Spiel anguckt“, sagt Elbracht. Konkurrenz sieht er in den Portalen wie sportdeutschland.tv oder sporttotal.tv also nicht.

Wenn die Geschäftsidee sich beim Fußball bewährt hat, soll das Angebot sogar noch auf andere Sportarten ausgeweitet werden. „Handball oder Basketball könnten wir auch gut abdecken, das ist aber noch Zukunftsmusik“, sagt Elbracht. Das bestehende Angebot auszuweiten wäre für ihn der nächste logische Schritt.

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