Fußball

Aus der Nordkurve an die Seitenlinie

Stefan Tendyck,Oberliga-Schiedsrichter zeigt zwischen Julian Nagelsmann (links) und Domenico Tedesco (rechts) die Nachspielzeit der Bundesliga-Partie FC Schalke 04 gegen TSG Hoffenheim an.

Stefan Tendyck,Oberliga-Schiedsrichter zeigt zwischen Julian Nagelsmann (links) und Domenico Tedesco (rechts) die Nachspielzeit der Bundesliga-Partie FC Schalke 04 gegen TSG Hoffenheim an.

Foto: firo Sportphoto/Ralf Ibing

Langenholthausen/Gelsenkirchen.  Erst stand Stefan Tendyck in der Kurve, bevor er sich wenige Minuten später am Spielfeld wiederfand.

Die zweite Halbzeit hat gerade begonnen, das direkte Duell der beiden Anwärter auf die Champions League-Plätze Schalke 04 und der TSG Hoffenheim läuft auf Hochtouren. Es ist der 23. Spieltag der Fußball-Bundesliga in der Spielzeit 17/18, als Zuschauer Stefan Tendyck eine außergewöhnliche Rolle zu Teil wird. Der Fußballschiedsrichter aus Gelsenkirchen, sonst eher im oberen Amateurbereich tätig, kommt zu einer besonderen Ehre: denn der Schalke-Fan wechselt von der Fankurve an die Seitenlinie und steht auf einmal zwischen den Bundesliga-Stars. Am Samstag kommt er beim „Jahrhundert-Spiel“ zwischen dem TuS Langenholthausen und RW Hünsborn wieder zum Einsatz – dieses Mal aber geplant.

Stefan Tendyck, für den VfB Kirchhellen als Schiedsrichter aktiv, wird wohl die kürzeste Anreise zum Spiel am Samstag haben. Denn der Gelsenkirchener wohnt praktisch direkt neben der Arena. „Es sind für mich gut 15 Minuten Fußweg für mich“, erzählt der Schiedsrichter-Lehrwart im Fußballkreis Gelsenkirchen. Die Arena ist praktisch seine zweite Heimat für Tendyck. Denn als bekennender Schalke-Fan ist er so oft wie möglich bei den Heimspielen seines FC Schalke 04. „Ich bin Schalke-Fan“, macht Tendyck aus der Sympathie für den Klub seiner Heimatstadt kein Geheimnis.

Aus der Kurve an den Spielfeldrand

Für den Schalke-Fan ist die Leitung einer Partie in der Arena nichts Neues. „Ich habe da schon meine Erfahrungen gemacht“, lacht Tendyck. Im Februar 2018 war er bei einer Schalker Bundesliga-Partie im Einsatz. Im Spiel gegen Hoffenheim zog sich der angesetzte Assistent Robert Schröder einen Bänderriss zu. „Er konnte dann nicht weitermachen. Der vierte Offizielle rückte an die Linie und es wurde ein neuer „Vierter“ gebraucht. Marcel Neuer, der bei Schalke die Schiris betreut und Bruder von Nationaltorwart Manuel Neuer, wusste das ich im Stadion war. So klingelte mein Handy und ich musste nach unten...“, erinnert sich Stefan Tendyck

Nach dem er seine Fankluft vor dem Innenraum ablegte, ging es zügig in die Schiedsrichterkabine. „Da haben sie mir dann aus den Klamotten der Schiedsrichter einen Trainingsanzug gegeben und ich bin raus auf’s Feld“, erinnert er sich genau. Eine knappe halbe Stunde dauert sein Einsatz, bei dem für die Einwechslungen und die Anzeige der Nachspielzeit zuständig ist. Große Zeit sich Gedanken zu machen, dass er nun neben den Spielern und Trainern steht, die er sonst aus der Kurve beobachtet, hat Tendyck nicht.

Der Schalker Dauerkartenbesitzer erledigt seinen Job souverän, auch der damalige Manager der Gelsenkirchener Christian Heidel bedankt sich nach der Partie für den spontanen Einsatz.

Am Samstag hingegen ist sein Einsatz nicht spontan, von der Ansetzung weiß Tendyck seit einigen Tagen. Trotzdem ist die Freude bei ihm auf das Spiel am Samstag spürbar. „Natürlich freue ich mich darauf. Das bleibt einfach etwas besonderes. Ich kann den Spielern nur empfehlen, sie sollten das genießen. Sie sollten nicht vergessen, dass es trotzdem ein richtiges Meisterschaftsspiel ist“, so Tendyck.

Die Landesliga ist ihm vertraut

In der Landesliga 2 kennt sich der Unparteiische sehr gut aus. „Ich war schon mal in Hünsborn im Einsatz. Und bei anderen Klubs wie zum Beispiel den BSV Menden. Der TuS Langenholthausen ist für mich allerdings Neuland“, so Tendyck. Der Schiedsrichter leitet seit über zehn Jahren Spiele bis zur Oberliga.

Der kurze Weg zum Stadion kommt ihm dabei gelegen. Ohnehin ist die Arena für ihn nichts besonderes. „Die Arena ist von mir zuhause aus näher als der nächste Kreisliga-Sportplatz“, sagt Tendyck. Und so wird er auch am Samstag nach getaner Arbeit wieder zu Fuß nach Hause gehen – wie an diesem denkwürdigen Samstag im Februar 2018.

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