Reitsport-Serie

„Weil es der schönste Sport auf der Welt ist“

Sabrina Kreutz und Mathias Schumillas

Sabrina Kreutz und Mathias Schumillas

Foto: Lothar Linke

Olpe/Siegen.  Der Reitsport hat seine Faszination. Aber auch seine Sorgen.

Über beides sprachen wir mit Sabrina Kreutz, Vorsitzende des Bezirks-Reiter- und Fahrerverbandes Siegen/Olpe/Wittgenstein, und ihrem Vorgänger Matthias Schumillas.

Hier liegt die Liste der Reitvereine Südwestfalens. Was auffällt: Die Dichte in Siegen/Wittgenstein und im Hochsauerland ist größer als im Kreis Olpe. Wie kommt das?

Mathias Schumillas: Wir sind im Siegerland eine Stahlregion, die weniger im Reitsport gewachsen ist. In Hessen zum Beispiel, da gab es überall kleine Bauernhöfe, die hatten ihre Zuchtstute, ihren Hengst in Dillenburg vor Ort stehen und gezüchtet. Hier im Siegerland geht’s eher über das Geld. Das muss man nicht negativ sehen, denn der Reitsport ist nun mal auch eine finanzielle Sache.

Die Industriellen konnten sich eher mal ein Sportpferd leisten?

Mathias Schumillas: Genau. Die haben ja hier auch ihre großen Reiter gehabt. Aber es ist ja nicht so, dass der Kreis Olpe arm ist. Im Gegenteil. Aber vielleicht liegt es am Interesse.

Sie meinen: Im Kreis Olpe legt man sich eher ein Boot zu als ein Pferd, wegen der tollen Segel-Reviere am Biggesee zum Beispiel?

Mathias Schumillas: Erst das Pferd, dann das Boot (lacht). Könnte sein, dass es so ist. Ich behaupte, für Jugendliche, besonders für Mädchen, gibt es nichts Schöneres als den Reitsport. Wir haben zu 90 bis 95 Prozent Mädchen im Alter von 0 bis 16 Jahren. Die sind aus dem Stall nicht wegzudenken. Die Eltern bekommen sie da nicht raus. Das ändert sich dann aber häufig mit zunehmendem Alter, interessanterweise....

Inwiefern?

Mathias Schumillas: Ab 14 Jahren werden es mehr männliche Reiter. Bei ihnen rückt der Wettkampfgedanke in den Vordergrund, das Sportliche. Für die Mädchen kommt es häufig darauf an, mit dem Pferd im Stall zu sein, es als Freund zu sehen.

Warum gibt es diese Diskrepanz?

Mathias Schumillas: Viele Jugendliche sind zufrieden, wenn sie sich mit dem Pferd beschäftigen, aber sie müssen den Wettkampfgedanken nicht mehr haben. Beim Wettkampf geht es vermehrt um die Kosten. Ich muss mich bewerben, hinfahren, einen Pferde-Anhänger haben, ein Auto, das den Hänger ziehen kann. Dazu kommt die Stallgebühr. Als ich geritten habe, konntest du mit kleinen Erfolgen auf einem Turnier bei plus-minus Null herauskommen.

Die Kosten sind heute höher?

Mathias Schumillas: Richtig. Es ist ähnlich wie im Fußball. 25 Millionen für einen Spieler sind ja normal. Das ist bei Pferden im großen Sport genauso. Da zahle ich einen Haufen Geld, wenn ich oben mitmischen will. Auch da greifen inzwischen Chinesen oder Araber sehr häufig finanziell ein. Es liegt auch daran, dass die Sportler erkennen: Ich kann den Erfolg nicht erreichen. Mit diesem Pferd nicht. Ich kann diese 1,20 Meter mit meinem Pferd springen, aber nicht mehr die 1,60 Meter. Dazu kommt natürlich noch immens gewachsene Konkurrenz durch andere Sportarten..

Zum Ehrenamt: Wie hält man den Interessensschwund auf?

Sabrina Kreutz: Das Problem: Keiner möchte mehr etwas umsonst machen. Die Leute stellen sich in erster Linie die Frage, was habe ich für einen persönlichen Nutzen davon. Aber so funktioniert leider kein Vereinsleben.

Frau Kreutz, Sie sind jung und in einer ganz anderen Zeit ins Ehrenamt gekommen. Was war Ihre Motivation?

Sabrina Kreutz: Ich habe vier Jahre neben Herrn Schumillas mitgearbeitet. Das Handeln, die Gedanken und die Ziele sind gewissermaßen identisch. Mir war von vorneherein klar, dass ich es nicht ohne die Unterstützung von Herrn Schumillas machen kann. Die Sicherheit hat er mir gegeben, so dass ich ihn immer fragen oder auf seine Unterstützung zurückgreifen kann. Man darf Erfahrung aus 20 Jahren Verbandsarbeit nicht unterschätzen. Meine Mutter hatte den Posten als Geschäftsführerin vor mir über lange Jahre betreut. So wurde der Posten auf die nächste Generation übertragen, natürlich mit meinem Einverständnis.

Wie begeistert man Kinder für den Reitsport?

Mathias Schumillas: Da muss man auch erstmal eine Distanz überwinden. Die Vereine bieten Schnupperkurse und Ferienspiele an. Es ist ja nicht ganz ungefährlich, du arbeitest mit einem Lebewesen und Fluchttier. Das muss vorbereitet werden.

Nennen Sie Gründe, warum sie ihr Kind zum Reiten schicken sollen!

Mathias Schumillas: Weil es der schönste Sport auf der Welt ist. Die Alternative Ball, Mountainbike, Fitnessstudio ist bei weitem nicht vergleichbar mit dem Lernen mit dem Pferd.

Sabrina Kreutz: Es bringt Verantwortung und Fürsorge mit sich, vor allem die Kinder und Jugendliche lernen sich verantwortungsvoll täglich um ein Lebewesen zu kümmern. Wer ein Pferd hat, muss Sorge dafür tragen, dass es jeden Tag bewegt und versorgt ist. Die ganze Zusammenarbeit mit einem Pferd kann man nicht mit einer anderen Sportart vergleichen. Die Tiere geben einem so viel zurück und man kann wirklich für ein paar Stunden alle Sorgen und Probleme des Alltages vergessen.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben