Voltigieren

Voltigierfreunde Südsauerland trifft Turnier-Absage hart

Sabine Backwinkel, 1. Vorsitzende der Voltigierfreunde Südsauerland, mit Nerino, dem 27-jährigen Voltipony.

Sabine Backwinkel, 1. Vorsitzende der Voltigierfreunde Südsauerland, mit Nerino, dem 27-jährigen Voltipony.

Foto: Privat

Frenkhausen.  Das ist ein Schlag ins Kontor für die Voltigierfreunde Südsauerland.

Schweren Herzens mussten sie ihr für den 9. und 10. Mai geplantes Turnier absagen. 400 Voltigierer und 1000 Besucher sind stets auf der Anlage des Reitbetriebs Sondermann in Frenkhausen.

Nicht in diesem Jahr. Doch damit fällt nicht „nur“ der sportliche Höhepunkt weg, sondern auch eine Einnahme, mit der der kleine, 115 Mitglieder starke Verein einen großen Teil seines Jahresetats bestreitet. Sabine Backwinkel, 1. Vorsitzende, redet nicht um den heißen Brei herum: „Das ist schon existenziell.“

Für sie bestand der Mittwoch vorwiegend aus telefonieren. Mit den Turniersponsoren. „Natürlich verbunden mit der Frage, ob sie die Spende aufrecht erhalten. Nur halt jetzt für den normalen Betrieb.“ Persönlich erreicht hatte sie unter andrem die Volksbank. Das Gespräch machte ihr Mut: „Frau Burghaus versicherte mir: Auch wenn wir sonst Probleme hätten das Jahr über, könnten wir uns jederzeit melden,“ gab Sabine Backwinkel das Telefonat wider, „total sympathisch und mit offenem Ohr für uns.“

Sie kündigte an, mit allen Sponsoren zu sprechen, die bisher immer gespendet und auch bereits Geld für dieses Turnier überwiesen haben. „Mit der Frage, ob sie bereit sind, den Vereinsbetrieb damit zu unterstützen,“ so Sabine Backwinkel, „denn die Kosten laufen ja weiter.“

Kosten laufen weiter

Sollten diese Gespräche gut verlaufen und die Unterstützer darauf eingehen, würde das einiges auffangen. Angesichts der Lage macht sich Sabine Backwinkel nichts vor: „Es gibt sicher einige Unternehmen, die im Moment sagen: Wir haben Kurzarbeit, und, und, und.“ Wie viel Prozent des Jahresetats die Absage des Turniers kostet, mochte Sabine Backwinkel gestern noch nicht beziffern. „Das hängt davon ab, wie die Sponsoren reagieren.“

Fest steht jetzt schon, dass einige geplante Anschaffungen 2020 „eliminiert werden müssen,“ weiß die Vereinsvorsitzende. Fünf Vereinspferde haben die Voltigierfreunde Südsauerland. Davon ist eines in Rente, das kriegt sein Gnadenbrot. Eines ist 27 Jahre, eins ist 20. Das ist verhältnismäßig alt.“ Daher sei für dieses Jahr geplant gewesen, ein neues Pferd anzuschaffen. Das steht nun in den Sternen. Sabine Backwinkels Hoffnung: „Wir haben erst März. Ich hoffe, dass sich alles wieder erholt, dass wir wieder zurück in den Alltag können. Aber im Moment ist das nicht klar.“ Um eine Vorstellung über die Größenordnung zu bekommen: „Das letzte Pferd hat 9000 Euro gekostet, das haben wir in den Jahren refinanziert. Das Pferd sei aber für die Leistungsmannschaften und deren Meisterschaften gekauft worden. Jetzt wolle der Verein zumindest zusehen, dass er ein Pferd für die Kleinsten bekommt und für den Therapiebereich. „Wobei ich nicht damit rechne, dass das so teuer wird. Um die 5000 Euro etwa,“ schätzt Sabine Backwinkel. Ohne gute Pferde könne man den Voltigierbetrieb nicht aufrecht erhalten.

„Betrieb“ heißt auch Therapie. Sabine Backwinkel: „Ich habe derzeit im Therapiebereich ausschließlich behinderte Erwachsene und Kinder mit Förderbedarf.“ Alle weiteren Therapien würden mehr Hallenkapazität erfordern. Weiterhin hat unser Verein auch noch 50 aktive Voltigierer, die zum „Betrieb“ dazu gehören und den Verein mit Leben füllen.

Strenge Auflagen

Dennoch laufen die Kosten weiter, wie für die Betreuung der Pferde. Die findet im Moment unter strengen Auflagen statt. So darf sich nur eine bestimmte Personenanzahl auf der Reitanlage aufhalten.

Es gibt eine so genannte „Notfallversorgung“, die der Dachverband entworfen hat. Sabine Backwinkel erklärt die Details: „Nun geht es nicht mehr darum, sein Hobby dort auszuüben und sich länger auf der Anlage aufzuhalten. Es geht nur um die Notversorgung der Pferde und darum, dass man nicht mehr als zwei Stunden zur Verfügung hat dafür.“

Für die Versorgung fallen Kinder und Jugendliche aus. Nur Volljährige dürfen sich einbringen und diejenigen, die die Pferde reiten, und nicht in den systemrelevanten Berufen tätig sind und sich daher die Zeit einteilen können. Auch die Übungsleiter sind eingeschlossen.

Wie geht es weiter? Der Ausfall des Turniers ist das eine. Der Stopp des normalen Betriebs das andere. „Unsere acht, neun Kinder kommen zum Voltigieren und zahlen 4,50 Euro pro Stunde.“ Damit bekomme der Verein „so gerade“ die Kosten gedeckt. „Aber das kann ich ja im Moment nicht abbuchen. Das ist moralisch wie rechtlich nicht haltbar,“ so Sabine Backwinkel.

Der Verein hat einen Elternbrief verschickt mit der Bitte, „doch einen geringen Betrag abbuchen zu dürfen.“ Es sei in diesen Zeiten schließlich nichts dagegen einzuwenden, dass ein Verein seine Mitglieder bittet, sich solidarisch zu erklären.

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