Tennis

Rogier Wassen: Der Olper, der einst Rafael Nadal besiegte

Rogier Wassen, ehemaliger Tennisprofi, ist heute beruflich in Olpe tätig.

Rogier Wassen, ehemaliger Tennisprofi, ist heute beruflich in Olpe tätig.

Foto: Lothar Linke

Olpe.  Rogier Wassen (43) war anderthalb Jahrzehnte Tennis-Profi und traf auf die Großen der Welt. Jetzt wurde er Zweiter beim Senior World Cup.

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Noch einmal das Adrenalin spüren, die Begeisterung. Noch einmal für sein Land spielen. So wie in seiner 15-jährigen Karriere als Tennisprofi. Das war die Motivation für Rogier Wassen aus Olpe, Anfang November am Senior World Cup der Ü40-Spieler in Miami teilzunehmen.

Am Ende sprang für den Niederländer weit mehr heraus als das rein Emotionale. Denn auch sportlich war es ein Erfolg: Wassen kehrte als Vizeweltmeister im Doppel aus den USA zurück. Erst im Finale unterlag er und sein Doppelpartner Dennis van Scheppingen dem spanischen Duo.

Bis Platz 138 der Weltrangliste

„Das ist heute so oft nicht mehr möglich,“ sagt er über seinen USA-Trip, bedauert dies aber nicht im Geringsten, „ich habe zwei Kinder und arbeite in Olpe. Alles gut.“ In Miami war alles eine Nummer kleiner, erst recht für den 43-Jährigen, der auf anderthalb Jahrzehnte im Profi-Tennis zurückblicken kann. Wassen bestritt etwa 35 Turniere pro Jahr und das weltweit. Vor vier-bis fünfstelligen Zuschauerzahlen. Die Australian Open hat er gespielt, die US Open. Auf Platz 138 der Weltrangliste stand er und hielt sich fünf Jahre ununterbrochen unter den ersten 50 im Doppel. Auf seinem langen Karriereweg hat er gegen Djokovic gespielt, gegen Nadal und Murray, gegen alle Top Fünf der Welt.

Nadal hatte er in einem Doppel sogar bezwingen können. 2007 in Queens, bei einem Vorbereitungsturnier auf Wimbledon. Wenn einer wie Nadal zur Gratulation die Hand übers Netz reicht, dann muss das doch ein unglaubliches Gefühl sein, oder? Wassen verneint das nicht, aber: „Wenn man zu viel Bewunderung hat, kann man nicht gewinnen.“ 4800 Zuschauer applaudierten auf dem Centre Court, für das niederländische Fernsehen musste er Interviews geben. Was ihn wunderte: „Ich habe die Wichtigkeit gar nicht so gesehen. ,Doch, doch, du hast Nadal geschlagen!’ hieß es dann immer wieder. Ich dachte da eher schon an den nächsten Tag. An die zweite Runde.“

2007 sei sein bestes Jahr gewesen, sagt Rogier Wassen. Bei den Australian Open hatte er gemeinsam mit dem Südafrikaner Jeff Coetzee das Viertelfinale erreicht, stand das ganze Jahr unter den ersten 30 der Doppel-Weltrangliste.

Wir trafen uns in seinem Büro in Olpe. Hier, bei Automaten Lütticke, hat Rogier Wassen seine berufliche Heimat gefunden. Er gehört nicht zu den Weltklassesportlern, die vor einem Problem stehen, wenn die biologische Uhr sie zum Aufhören zwingt. „Nein, ganz und gar nicht,“ sagt er glaubhaft. Die große Leere, das Loch, das sich vor manchen Spitzenathleten nach der Karriere auftut, hat Rogier Wassen nicht geschluckt. Er hat es frühzeitig umfahren. Seine Entscheidung, ein Online-Studium „Master of Business und Administration“ , aufzunehmen, erwies sich als Volltreffer.

Angeregt zu diesem Studium und unterstützt hatten ihn seine Frau und sein Trainer Geert Quaedvlieg. Der sei wie ein zweiter Vater für ihn gewesen. Wassen ist ihm heute noch dankbar.

„In Olpe kannte mich keiner, in Holland jeder“

Ein Interesse daran, selbst auch Trainer zu werden, hatte Rogier Wassen nicht. Er räumt aber ein, dass die Anonymität sich zunächst fremd angefühlt habe. „In Olpe kannte mich keiner, in Holland jeder,“ zeigt er den großen Unterschied auf. Während er in seinen Heimatland mehrmals pro Woche interviewt worden war, ist das Gespräch mit unserem Lokalsport die absolute Ausnahme. „Schön, mal wieder interviewt zu werden,“ lacht er.

Er ist raus aus dem „Tenniszirkus“, ein Wort, was ihm übrigens gar nicht gefällt, weil es dem Charakter ernsthaften Weltklassesports nicht gerecht wird. Wie ist das Verhältnis unter den Top-Spielern? Sind es eher Kollegen oder Konkurrenten? „Beides,“ antwortet Rogier Wassen. Auf der Tour hat man, wenn nicht gerade Spiel oder Training ist, Freizeit. „Da unternehmen wir schon etwas miteinander. Der Respekt ist da, aber echte Freundschaften sind selten.“ Denn: Jeder will die Pyramide, die nach oben hin immer schmaler und enger wird, hinauf. So weit wie möglich.

Schön sei aber auch, noch wieder erkannt zu werden. Als er letztes Jahr den großen Roger Federer in der Players Lounge in Halle/Westfalen traf, da habe ihn der Schweizer sofort erkannt und begrüßt, berichtete Rogier Wassen erfreut. „Aber wichtig war für mich in dem Moment ein Foto mit ihm und meinem Sohn.“ Für Federer hegt Wassen Bewunderung: „Er ist nicht nur ein großer Spieler, sondern auch ein Mega-Botschafter für den Sport.“

Treffen mit Roger Federer

Ganz vom Tennis kam Rogier Wassen allerdings nicht los. Zwölf Jahre spielte er für den Rochusclub Düsseldorf, dann in der Bundesliga Herren 40 für Dortmund, Westfalenliga in Lüdenscheid. 2020 wird er für den TV Rosenthal an den Start gehen. Ihm gefällt die familiäre Atmosphäre dort, das gute Miteinander mit Leuten wie Marco Schneider, Basti Schrage oder Thorsten Bock. Beim VfR Rüblinghausen trainiert der Fan von Borussia Mönchengladbach und Vater von zwei Kindern die Minikicker, gemeinsam mit Oliver Hufnagel.

Am Vorabend unseres Treffens hatten die Gladbacher in der Nachspielzeit das 2:1 im bedeutungsvollen Europacup-Spiel gegen AS Rom erzielt.

Aber das war nicht eine Minute lang ein Thema beim Gespräch. Und es hatte auch keinen Anteil daran, dass Rogier Wassen einen durch und durch zufriedenen Eindruck machte. Denn wer ihn erlebt hat, kann nur zu einem Schluss kommen: Er ist immer so.

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