Radsport

Rönkhausener mit dem Fahrrad auf dem Mount Everest

Insgesamt 33 Mal quält sich Bastian Albers vom TV Rönkhausen die 275 Höhenmeter von der Kirche im Ort bis hinauf zum Lenscheid.

Insgesamt 33 Mal quält sich Bastian Albers vom TV Rönkhausen die 275 Höhenmeter von der Kirche im Ort bis hinauf zum Lenscheid.

Foto: Privat

Rönkhausen.  Bastian Albers aus Rönkhausen bewältigt mit dem Rad in 21 Stunden eine 407 Kilometer lange Strecke mit 9075 Höhenmetern.

Bastian Albers aus Rönkhausen hat auf zwei Rädern den Mount Everest bezwungen, den mit 8848 Metern höchsten Berg der Welt. Dafür musste der 31-jährige Elektrotechniker aber nicht bis in den Himalaya reisen.

Der Radsportler vom TV Rönkhausen quälte sich Fronleichnam gleich 33 Mal die Strecke von der Kirche im Ort bis zur Kreuzung oben auf dem Lenscheid und wieder zurück. Das waren jedes Mal 12,25 Kilometer und 275 Höhenmeter. Nach 21 Stunden Fahrzeit mit einer Gesamtleistung von 407 Kilometern und 11.500 verbrauchten Kilokalorien hatte Albers sein Ziel erreicht. Am Ende kletterte der Radsportler mit 9075 Höhenmetern sogar noch ein paar Meter über die Spitze des Mount Everest hinaus: ohne Sauerstoffgerät und Bergsteigerausrüstung, mit dem Fahrrad direkt vor der Haustür.

Bastian Albers weiß, dass seine Aktion „ein bisschen wahnsinnig“ ist. Aber der Ritt auf der Pedale 33 Mal hinauf zum Lenscheid war wohlüberlegt und gut organisiert.

Womit der 31-jährige aber nicht rechnen konnte: Zwischendurch quittierte die Gangschaltung seines Rennrades ihren Dienst. Der Radsportler aus Rönkhausen musste auf sein Mountainbike umsatteln. Irgendwann, so zwischen den Runden elf bis 15, war Albers kurz davor, aufzugeben. Aber dann hatte er den toten Punkt überwunden. Dabei war das Ziel noch weit entfernt. „Davon war ich selbst erstaunt“, wundert sich Albers selbst über sein Durchhaltevermögen.

Corona stoppt Salzkammergut-Trophy

Aber der Reihe nach. Monatelang hatte sich Bastian Albers auf die Salzkammergut-Trophy vorbereitet, mit Grundlagentraining im Winter und einem Trainingsplan der Sportklinik Hellersen. „Das ist das extremste Rennen, was ich bislang gesehen habe“, freute sich der Rönkhauser auf die Strecke mit 210 Kilometern Länge und 7.200 Höhenmetern in Österreich. Aber statt der Sazkammergut -Trophy kam die Corona-Pandemie, und stoppte auch diese Radsportveranstaltung.

Aber so ganz umsonst wollte der 31-Jährige dann doch nicht so hart trainiert haben. „Ich war fit wie schon lange nicht mehr und konnte es nicht zeigen.“ Auf einer seiner Trainingsrunden kam ihm die Idee, sich der „Everest Challenge“ zu stellen. Das große Vorbild war Radprofi Emanuel Buchmann. Auch der Vierte der Tour de France stellte sich der Herausforderung, an einem Stück die Höhe des Mount Everest (8848 Meter) zurückzulegen.

Die Regeln der „Everest Challenge“ sind einfach: Es wird immer nur die gleiche Strecke gefahren, das gilt für die Auf- und Abfahrt. Es gibt kein Zeitlimit, lange Pausen oder Schlafen sind nicht erlaubt, Schieben ist verboten. Die Auswahl der Strecke war nicht schwierig, sie lag direkt vor der Haustür und führte von der Kirche im Ort bis zur Kreuzung auf dem Lenscheid.

Als Renntag wählte Bastian Albers Fronleichnam. „Da ist ein Feiertag und weniger Verkehr“, wusste der 31-jährige Elektrotechniker. Das war wichtig auf den berüchtigten Kurven hoch zum Lenscheid. Den Freitag nach Fronleichnam hatte Albers frei. Der Brückentag war zur Regeneration eingeplant. Die Eltern wurden als Betreuer mit ins Boot geholt. Zu gefährlichen Begegnungen in den 21 Stunden Fahrzeit ist es nicht gekommen. Dafür sorgte auch die Polizei, die oben auf dem Lenscheid zwischendurch vor allem Motorradfahrer kontrollierte.

Aber von unliebsamen Überraschungen blieb Bastian Albers nicht verschont. Das begann schon beim Start um 4 Uhr morgens. „Ich war etwas erschrocken, es hatte geregnet. Doch der Regen hat sich zum Glück schnell verzogen und die ersten Anstiege konnten dann problemlos bewältigt werden“, blickt Albers auf den Beginn seines Abenteuers auf dem Rennrad zurück.

Pause bei den Eltern

Nach fünf Runden (1375 Höhenmeter und 61 Kilometer) stand die erste Pause an. Hierzu wurde die Gartenhütte der Eltern angefahren, die Getränkeflaschen wurden aufgefüllt und eine Kleinigkeit gegessen. Bastian Albers: „Die Runden sechs bis zehn verliefen ohne besondere Vorkommnisse. Gegen 9.15 Uhr steuerte ich erneut die Verpflegungsstelle bei den Eltern an. Da bis hier hin alles wie geschmiert lief, machte ich mich nach einer kurzen Pause wieder auf den Weg, Die nächsten fünf Runden verliefen allerdings nicht mehr so problemlos. Ich musste dem Tempo der ersten zehn Runden Tribut zollen und jede Pedalumdrehung fiel gefühlt doppelt so schwer wie zuvor. Außerdem kamen immer öfter die Gedanken, warum man sich das überhaupt antut.“

Die Frage lautet nun Abbruch nach der nächsten Abfahrt? In diesem Moment bekam Albers zum Glück Unterstützung durch einen befreundeten Biker, der ihn motivierte, zumindest die 15 Runden bis zur nächsten Pause voll zu machen. „So quälte ich mich noch einmal die 275 Höhenmeter von der Kirche zum Lenscheid“, erzählt Albers.

Letzte Runden mit dem Mountainbike

Während der Abfahrt stellte Albers fest, dass die elektrische Schaltung seines Rennrads den Dienst komplett quittierte und kein Gangwechsel mehr möglich war. Jetzt schien doch der passende Moment gekommen zu sein, die Challenge für gescheitert zu erklären. Aber nachdem kurzerhand das Mountainbike als Ersatzrad organisiert wurde, wollte Albers es doch nochmal versuchen und nahm die nächsten fünf Runden in Angriff. „Die verliefen auch dank der Hilfes seines Vaters, der mich insgesamt neun Runden begleitete, wieder besser. Gegen 16 Uhr konnten nach etwa zwölf Stunden die ersten 20 Runden abgehakt werden“, berichtet Bastian Albers.

Da mit dem Mountainbike nicht mehr die Geschwindigkeit wie mit dem Rennrad zu erreichen war, entschied sich Albers, die nächsten zwei Blöcke auf je vier Runden zu reduzieren. Gegen 22 Uhr und mit einsetzender Dämmerung machte er sich nach der letzten Pause auf den Weg, die verbleibenden fünf Runden in Angriff zu nehmen. Mit dem Ziel kurz vor Augen, konnten die noch fehlenden 1375 Höhenmeter ohne größere körperliche Beschwerden erklommen werden.

„Um ein Uhr nachts erreichte ich nach 9075 Höhenmetern, 407 Kilometern, insgesamt 21 Stunden Fahrzeit und 11.500 verbrauchten Kilokalorien die Gartenhütte meiner Eltern. Hier wurde auf das erreichte Ziel noch kurz angestoßen“, erzählt Bastian Albers über das Finale der „Everest Challenge“.

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