Fußball-Westfalenliga

Kevin Schulte: „Die Vorfreude steigt seit Montag stündlich“

Am Sonntag Gipfel-Gegner: Die Keeper Kevin Schulte (FC Lennestadt, links) und Ingmar Klose (Finnentrop/Bamenohl).

Am Sonntag Gipfel-Gegner: Die Keeper Kevin Schulte (FC Lennestadt, links) und Ingmar Klose (Finnentrop/Bamenohl).

Foto: Michael Meckel

Lennestadt.  Vor dem Derby der Fußball-Westfalenliga sprachen wir mit den Torhütern Kevin Schulte vom FC Lennestadt und Ingmar Klose, Finnentrop/Bamenohl.

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Der Fußball-Kreis Olpe fiebert dem Gipfel am letzten Hinrunden-Spieltag der Westfalenliga zwischen den beiden wohl besten OE-Mannschaften FC Lennestadt (Platz 4) und SG Finnentrop/Bamenohl (Platz 1) am Sonntag (15 Uhr) im Henselstadion in Lennestadt entgegen. Wir sprachen vor dem Derby mit den beiden Torhütern Kevin Schulte (FCL) und Ingmar Klose (Finnentrop/Bamenohl).

Frage: Wie groß ist die Vorfreude?

Kevin Schulte: Die Vorfreude steigt seit Montag stündlich.

Ingmar Klose: Wir sind heiß auf das Spiel und wollen drei Punkte. Hoffentlich macht der FCL guten Glühwein, so dass sich möglichst viele Zuschauer in die Kälte auf den Sportplatz wagen.

Im letzten Jahr gab es das Spiel gleich dreimal. Zu den beiden Punktspielen und der Pokalpartie im Oktober 2018 kamen insgesamt rund 2500 Zuschauer und es fielen 15 Tore. Welche Erinnerungen haben Sie an die Spiele?

Kevin Schulte: Leider konnte ich verletzungsbedingt die Pokalpartie nicht bestreiten. Meine Erinnerungen an die beiden Meisterschaftsspiele sind aufgrund zweier Niederlagen nicht so gut, wobei das Spiel Henselstadion eine Partie auf Augenhöhe war. Zum 0:5 in Bamenohl möchte ich jetzt nichts sagen.

Ingmar Klose: Bei den beiden 3:2-Siegen im Hinspiel und im Pokal haben wir jeweils sehr gut angefangen, doch beide Male sind uns diese intensiven Spiele noch fast entglitten. Das Rückspiel war, zumindest vom Ergebnis her, eindeutig.

Kaum auszumalen, was in Sachen Zuschauern los ist, wenn sich beide Mannschaften am letzten Spieltag wieder duellieren und es dann noch um Aufstieg und Meisterschaft geht…

Ingmar Klose: Es wäre hervorragend, wenn wir unsere Aufstiegschance bis zum letzten Spieltag wahren würden.

Ihre Mannschaften stehen insgesamt ja super da. Zuletzt stockte ein wenig der Motor bei beiden Teams. Der FC Lennestadt führte am Sonntag in Lünen bis kurz vor Schluss 3:0 und spielte 3:3. Wie sehr ärgert Sie das, Herr Schulte?

Kevin Schulte: Natürlich ärgert es einen, den sicher geglaubten Sieg noch aus der Hand zu geben. Dieser Ärger ist aber aufgrund der aktuellen Punkteausbeute relativ schnell wieder verflogen.

Auch die SG kam trotz einer 1:0-Führung nur zu einem Punkt gegen Brünninghausen. Am Sonntag droht erstmals seit dem fünften Spieltag der Verlust der Tabellenführung...

Ingmar Klose: Gegen Brünninghausen sprang ein leistungsgerechtes Unentschieden heraus. Beim Gegentor wurden wir über drei Stationen nach einem Ballverlust ausgekontert, das war zu einfach. Generell ist kein Spiel in der Liga ein Spaziergang für uns. Erst recht nicht, wenn man Erster ist. Unsere Situation ist weiterhin sehr gut, aber damit das so bleibt, muss jeder auf Dauer diszipliniert und fokussiert bleiben.

Was überwiegt im Moment mehr: Der Stolz auf das insgesamt Erreichte oder der „Frust“, dass zuletzt Punkte liegen gelassen wurden?

Kevin Schulte: Eindeutig der Stolz auf das bisher Erreichte. Wir müssen uns immer wieder vor Augen halten, wo wir herkommen und dass wir vor Beginn der Saison von vielen anderen Mannschaften als sicherer Absteiger gesehen wurden.

Ingmar Klose: Weder noch. Das muss man mich am Ende der Saison nochmal fragen.

Was schätzen Sie: Wie groß ist Ihr Anteil den Erfolgen Ihrer Mannschaften?

Ingmar Klose: Gelegentlich gelingt es mir, den Karren aus dem Dreck zu ziehen. Aber ich glaube, dass man fast bei jedem Gegentor im Verhalten des Torwarts noch etwas verbessern kann. Mein Torwartkollege Armend Shaqiri und ich arbeiten mit unserem Torwarttrainer Henning Vogt dann detailliert an solchen Verbesserungen.

Kevin Schulte: Der Torhüter hat generell eine sehr wichtige Position innerhalb der gesamten Mannschaft. Allerdings gehört zu einem guten Torwart natürlich auch seine gesamte Defensivabteilung. Daher sehe ich es als schwierig an, einem Torhüter alleinige Anteile am aktuellen Erfolg zuzusprechen.

Beobachten Sie die Leistungen Ihres Gegenübers und welche sind für Sie dessen Stärken?

Kevin Schulte: Ingmar ist natürlich eine Riesen-Bereicherung für Bamenohl und auch ein großer Faktor, warum sie so weit oben stehen. Er hat seine Vorderleute sehr gut im Griff und hilft mit der Ruhe, die er ausstrahlt jedem einzelnen Spieler weiter. Dass Ingmar ein sehr starker Torhüter ist, müsste mittlerweile wohl den meisten bekannt sein.

Ingmar Klose: Kevin ist ein kompletter Torwart. Er hat keine signifikanten Schwächen auf der Linie, in der Strafraumbeherrschung oder im fußballerischen Bereich. Zudem strahlt er im Tor etwas aus.

Wie sehr ärgert es Sie, dass doch meist die Torjäger und nicht die Torhüter im Fokus des öffentlichen Interesses stehen?

Kevin Schulte: Ich habe da persönlich überhaupt kein Problem mit. Tore entscheiden Spiele und dass ist halt der ausschlaggebende Punkt für die Darstellung der Torjäger. Wir rücken leider schnell genug in den Mittelpunkt, wenn wir mal daneben packen.

Ingmar Klose: Überhaupt nicht. Ich feiere unsere Torjäger ja selbst, wenn Sie eine beruhigende Führung herausspielen und dem Defensivbereich damit ein bisschen die Last von den Schultern nehmen.

Zu Ihnen persönlich: In welchem Alter haben Sie mit Fußball angefangen und wann haben Sie gemerkt, dass Ihre Position zwischen den Pfosten ist?

Kevin Schulte: Ich habe mit fünf Jahren beim FC mit dem Fußballtraining angefangen. Für das Tor habe ich mich dann auch relativ schnell entschieden. Wahrscheinlich, weil ich früher keine Lust auf das ganze Laufen hatte.

Ingmar Klose: Ich habe in der E-Jugend angefangen. Ich habe gemerkt, dass ich zum Schnapper werde, als ich damals den Bällen auf Asche hinterhergesprungen bin, die auch meilenweit daneben gingen.

Gab es für Sie auch mal Alternativen für Sie zum Torwartspiel bzw. zum Fußball überhaupt?

Ingmar Klose: Nicht wirklich. Allerdings finde ich Handball super. Wahrscheinlich würde ich mich da auch ins Tor stellen.

Kevin Schulte: Nein! Für mich gab es immer nur den Fußball.

Welches war Ihr schönstes und Ihr negativstes Erlebnis in Ihrer Laufbahn?

Ingmar Klose: Davon gibt’s mehrere. Die schönsten Erlebnisse waren sicherlich die bisher erreichten Aufstiege. Die negativsten Erlebnisse waren die Verletzungen: Kahnbeinbruch und Schultereckgelenkssprengung.

Kevin Schulte: Mein schönstes Erlebnis war das zweite Aufstiegsrelegationsspiel 2016 gegen Verl II in Ense und der damit verbundene erstmalige Aufstieg in die Westfalenliga. Diesen kompletten Tag werde ich nie vergessen.

Beim FC Lennestadt steht im Sommer 2020 nach sechs Jahren ein Trainerwechsel an. Dazu haben wichtige Spieler, vor allem der langjährige Kapitän Moritz Thöne Ihren Abschied angekündigt. Wie sehen Sie die Entwicklung beim FCL, Herr Schulte?

Kevin Schulte: Natürlich tut es dem Verein und der Mannschaft extrem weh, so enorm wichtige Spieler wie Moritz Thöne, Marco Holterhoff und Venhar Bivolaku zu verlieren. Jetzt sind unsere jungen Spieler am Zug. Sie können beweisen, was sie draufhaben. Ich persönlich freue mich auf die kommende Saison und die damit verbundene Herausforderung. Ich bin mir sicher, dass wir trotz der Abgänge für die nächste Saison gut aufgestellt sind.

Und wie ist Finnentrop/Bamenohl im Falle eines Aufstiegs für die Oberliga gerüstet, Herr Klose?

Ingmar Klose: Sofern wir den Aufstieg wirklich packen sollten, hätten wir mit der momentanen Mannschaft das Potenzial, uns auch der dann neuen Umgebung anzupassen.

Zurück zum Derby: Ein Tipp muss sein. Wie endet das Spiel und wo landen Ihre beiden Vereine am Saisonende?

Kevin Schulte: Tippen klappt bei mir schon am Wochenende bei den Bundesligapartien nicht. Daher halte ich mich mit einem konkreten Tipp besser zurück. Natürlich wäre ich damit zufrieden, wenn wir das Derby für uns entscheiden.

Ingmar Klose: Es wird knapp, aber wir gewinnen 3:1. Wir werden am Ende Erster oder Zweiter sein.

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