Christoph Springob

Kämpfer im Sport, Kämpfer in der Krankheit

„Ich bin immer noch motiviert und nicht gewillt, zu sagen: „Ich beende meine Laufbahn“: Christoph Springob, Handballer der SG Attendorn/Ennest. 

„Ich bin immer noch motiviert und nicht gewillt, zu sagen: „Ich beende meine Laufbahn“: Christoph Springob, Handballer der SG Attendorn/Ennest. 

Foto: Meinolf Wagner

Attendorn.   Eine an sich harmlose Sportverletzung veränderte das Leben von Christoph Springob.

Im Jahr 2016 war es, da sollte der Handballer der SG Attendorn/Ennest nach einem Nasenbeinbruch operiert werden. Dabei stellten die Ärzte auffällige Blutwerte fest.

„Zunächst habe ich nichts gedacht und alles auf mich zukommen lassen,“ berichtet Christoph Springob, „eine zweite Meinung bei einem Facharzt für Nephrologie bestätigte leider die Anfangsdiagnose: Es wurde eine Dialysebehandlung, drei mal vier Stunden in der Woche, erforderlich.“

Ein gewaltiger Einschnitt in die Lebensqualität und sportliche Laufbahn. „Der Arzt diagnostizierte, dass meine Nierenwerte nicht in Ordnung wären und die Nieren deshalb nicht mehr uneingeschränkt leistungsfähig sind,“ gibt Christoph Springob das Gespräch wieder. In den ersten Wochen war für Springob an Handball nicht zu denken.

Große Hilfe von der Familie

Geduld ist nun das Zauberwort, aber für Christoph Springob nichts Ungewöhnliches, denn beim Handball war auch oft Geduld gefragt. Und die Ungewissheit war da. „Wenn die erste Dialyse ansteht, weiß man nie, wie es ausgeht und wie der Körper auf diese hohen Belastungen reagiert“, bilanziert Christoph Springob die ersten Eindrücke in dieser völlig fremden medizinischen Welt, „dennoch bin ich froh, dass es Dialyse gibt, wenn einem auch die Behandlungszeit manchmal unendlich erscheint.“

Seine Dialysetermine erstrecken sich zumeist von 4 bis 8 Uhr morgens, „ich versuche, zur Ruhe zu kommen und zu schlafen,“ sagt er. Im Urlaub, wenn die Dialyse nachts oder nachmittags ansteht, liest er oder schaut Filme auf seinem Tablet, „um auf andere Gedanken zu kommen während der Belastung.“

Drei Mal in der Woche nimmt Christoph Springob die Termine in der Dialyse-Abteilung in Lennestadt wahr. Morgens vor seiner beruflichen Tätigkeit. Von seiner Familie erfährt der fintenreiche Außenspieler große Hilfe. Springob: „Mein Vater hat mir die Angst genommen, denn er war selbst dialysepflichtig und ist mittlerweile transplantiert.“

Das macht ihm Hoffnung. Sein Blick geht in die Zukunft. „Eine Nierentransplantation steht auch im Raum“, sagte Springob, „mit der Universitätsklinik in Düsseldorf bin ich in ständigem Kontakt und stehe auf der Warteliste“.

Viele seiner Weggefährten machen Christoph Springob Mut. Wie Wolfgang Münch, langjähriger Leistungsträger und Kreisläufer bei der HSG Lennestadt und Trainer bei Attendorn/Ennest: „Christoph war immer ein Kämpfer im Sport. Ich denke, so wird er auch seine Krankheit angehen. Er ist ein ganz besonderer Typ, auf den man sich immer verlassen konnte. Christoph hat immer Leistung abgerufen und hat außerhalb der Platte und in der Mannschaft ein hohes Standing“.

Der Kreis schießt sich

Auch sein Lennestädter Trainer Klaus Kraß ist von Springobs Willensstärke tief beeindruckt: „Er ist mit einer hohen sozialen Kompetenz ausgestattet, deshalb hat er immer wieder der Mannschaft geholfen, aber auch in schwierigen Situationen wurde er von seinen Mitspielern aufgefangen“.

Kraß beschreibt Christoph Springob als „außergewöhnlichen Menschen im sportlichen wie menschlichen Bereich“. Der Sport in diesem Fall der Handball unterstützt immer“. Weiter bemerkte Klaus Kraß: „Ob in Lennestadt oder auch Attendorn wurde er schnell zum Publikumsliebling und Führungsspieler. Man wusste immer, woran man bei Christoph war.“ So habe der Spieler immer klar zu verstehen gegeben, was er von seinem Trainer erwartet. Kraß: „Er hatte immer einen klaren sportlichen Plan. Sicherlich hätte er auf Grund seiner Fähigkeiten deutlich höher spielen können.“ Doch die Bodenständigkeit war für Christoph Springob immer ein wichtiger und nicht zu unterschätzender Faktor.

Nun schießt sich der Kreis für Christoph Springob. Nach drei Jahren Lennestadt/Würdinghausen kehrt der Spieler mit der Nummer 7 zur SG Attendorn/Ennest zurück. Mit Mut, Leistung und Authentizität ging Christoph Springob immer voran - und so soll es auch bleiben. „Ich bin immer noch motiviert und nicht gewillt zu sagen: Ich beende meine Laufbahn und packe die Tasche nicht mehr“, betonte Christoph Springob, „ich werde ich mit meinen ehemaligen Kumpels in der dritten und vierten Mannschaft dem Ball hinterher jagen“. Und dann fügt er hinzu: „Wenn es die körperliche Verfassung zulässt, bin ich auch gern eine helfende Hand für die erste Mannschaft“.

Dass ihn sein Weg vor drei Jahren zum Nachbarn HSG Lennestadt/Würdinghausen führte, war der sportlichen Situation bei Attendorn/Ennest geschuldet. „Nach der gescheiterten Aufstiegsrelegation zur Landesliga hatte sich unsere Mannschaft 2016 praktisch aufgelöst“, erinnert sich Christoph Springob „mehrere ehemalige Spieler der TSG, sowie die Lennestädter Fraktion aus der damaligen Attendorner Mannschaft, haben mich motiviert, nach Lennestadt zu wechseln“.

Nach dieser Spielzeit sei für ihn der Aufwand zu groß gewesen, „gesundheitsbedingt bin ich nach Attendorn zurückgekehrt“,“ sagt Christoph Springob, „aber die Jahre bei Lennestadt/Würdinghausen waren eine Zeit, die ich nicht missen möchte“.

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