Zwölf-Stunden-Lauf

Jörg Heiner ist in der Weltspitze angekommen

Jörg Heiner gewinnt die zwölf Stunden im niederländischen Deventer. Die 100 Kilometer schafft er in 8:02 Stunden.

Jörg Heiner gewinnt die zwölf Stunden im niederländischen Deventer. Die 100 Kilometer schafft er in 8:02 Stunden.

Foto: Privat

Deventer.  Es war alles ganz anders als sonst für Jörg Heiner, den Ultraläufer der SG Wenden.

Er war die Glückseligkeit in Person, als er nach dem für ihn weniger zufriedenstellenden 12-Stunden-Lauf in Basel im Mai nun von seinem Event in Deventer in den Niederlanden erzählte. Den beendete er als Sieger.

Er hatte zwar keinen Blick für die Sehenswürdigkeiten der alten Hansestadt an der Ijssel, doch das ließen weder Örtlichkeit noch Start- und Zielzeiten zu. Start war um 21 Uhr, Ende um 9 Uhr am nächsten Morgen. Dazwischen lagen für Jörg Heiner 142,8 Kilometer auf einer 1,3 Kilometer langen Radrennbahn mit Topasphalt. Immer im Kreis, besser Oval, laufen? Nicht gerade Jedermanns Sache. Für den 46-jährigen Jörg Heiner schon. Er lässt sich von den vielen Rückschlägen, die er im etwa einhundert Kilometer entfernten Winschoten schon zweimal einstecken musste, nicht kleinkriegen.

Wetter gut, das Licht weniger

„Mit dem Wetter hatten wir Glück, nur kurz vor dem Start und dann nochmal am Ende leichter Regen. Auch die Temperaturen mit 16 Grad am Anfang und zehn, elf Grad in der Nacht waren okay.“. Einzig die fehlende Beleuchtung an der Radrennbahn bereitete Probleme. „Die Flutlichtanlage konnte wohl seitens der Stadt nicht angestellt werden. Zur Orientierung dienten Solar-Gartenleuchten, die aber nicht viel Sicht bescherten.“

Trotzdem: „Es war ein klasse Event. Sehr familiär und ruhig. Eine ganz neue Erfahrung, keine Musik, keine Durchsagen über Mikro. Völlig meditativ.“ Der Start der 12- und 24-Stunden-Läufer erfolgte gemeinsam. Jörg Heiner war nie allein unterwegs – und wusste doch, dass er „fast von Beginn an in Führung war“ und diese ins Ziel brachte. Allerdings konnte er die Geschwindigkeit wegen der Dunkelheit nur schwer einschätzen. „Die lag so zwischen 4:35 bis 4:50 Minuten pro Kilometer.“

Schuhe machen Probleme

Und doch ging nicht alles ganz glatt. Kein Sturz wie zwei Mal in Winschoten, kein Sturz nach der Pinkelpause wie in Basel. Diesmal bereiteten die Schuhe Probleme. „Die hätte ich schon nach hundert Kilometer wechseln sollen, nicht erst bei Kilometer 132“, war er hinterher schlauer, „zwei riesige Blasen unter den Zehennägeln schmerzten. Egal…“

Jörg Heiner war in einem Flow und hatte „das Gefühl, noch ein paar Kilometer drauflegen zu können.“ Am Tag danach hatte er nicht unbedingt dieses Gefühl. Ohne Übernachtung ging es ziemlich bald nach dem Lauf zurück. Er weiß aber auch, wem er viel zu verdanken hat: „Verena Klein hat mich vor, während und nach dem Lauf hervorragend betreut. Ohne diese, auch moralische, Stütze sind solche Leistungen nur schwer möglich.“

Ultralauf-Legende gratuliert

Nach etwa 30 Stunden ohne Schlaf, dazwischen zwölf Stunden Laufen auf höchstem Niveau, sowie Hin- und Rückfahrt, fast ohne Pause - all das fordert seinen Tribut. „Treppensteigen fällt schwer, die Zehen schmerzen. Mein nächstes Ziel? Erst einmal auskurieren. Erholen. Nicht übertreiben.“ Das sagt ausgerechnet Jörg Heiner, dem eine Distanz fast nicht lang genug sein kann.

Als eine hohe Ehre betrachtete es Heiner, als die niederländische Ultralauf-Legende Joop Keizer, Jahrgang 1941, ihn in Deventer mit einem Präsent überraschte. „Wir sind seit meinem Dilemma in Winschoten vor zwei Jahren freundschaftlich verbunden. Und jetzt kommt er extra wegen mir vorbei.“ Dass Jörg Heiner sich mit seiner Leistung von Deventer auch in die nationalen und internationalen Bestenlisten nach oben katapultiert hat, recherchierte er wenig später.


Deutsche Jahresbestenliste (altersunabhängig)

1. Jörg Heiner (SG Wenden) 142,801 Kilometer
2. Christoph Lux (TG Viktoria Augsburg)132,651 Kilometer


Weltrangliste 2019, M45
1. Przemyslaw Basa (Polen) 148,435 Kilometer
2. Jörg Heiner (SG Wenden) 142,801 Kilometer


Weltrangliste 2019 (altersunabhängig)
1. Ivan Penalba Lopez (Spanien) 155,419 Kilometer
8. Jakub Sleziak (Polen) 143,266 Kilometer
9. Jörg Heiner (SG Wenden) 142,801 Kilometer


Zwischenzeiten beim 12-Stunden-Lauf in Deventer
Halbmarathon 1:40 Stunden
Marathon 3:19:40 Stunden
Doppel-Marathon 6:41 Stunden
100 Kilometer 8:02 Stunden

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