Walking

Hajo Siewer: Walking in der ganzen Welt

Jede Menge Gold und Silber, dazu zahlreiche Medaillen: Hajo Siewer, weltweit im Walking aktiv, kann auf eine imposante Trophäensammlung blicken.

Jede Menge Gold und Silber, dazu zahlreiche Medaillen: Hajo Siewer, weltweit im Walking aktiv, kann auf eine imposante Trophäensammlung blicken.

Foto: Michael Meckel

Thieringhausen.  Hajo Siewer (67) aus Thieringhausen betreibt leidenschaftlich Walking. In den letzten 18 Jahren hat er weltweit Trophäen und Medaillen gewonnen.

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Ein Lächeln huscht über das Gesicht von Hajo Siewer, als er die Glastür des Schranks im Wohnzimmer seines Hauses in Thieringhausen öffnet. Zum Vorschein kommt jede Menge Gold und Silber. Und gleich daneben hängen zahlreiche Medaillen.

Dabei handelt es sich um die Trophäen, der frühere Reisebüroinhaber und jetzt Rentner in den vergangenen 18 Jahren rund um die Welt gewonnen hat. Und das in einer Sportart, die im Kreis Olpe eher ein Schattendasein fristet: Walking.

Im Jahr 2001 kam die Leidenschaft für diese Disziplin auf. „Im Prinzip bin ich durch meinen damaligen Mitarbeiter Edgar Nemenz zum Walking gekommen. Ich hatte jahrelang überhaupt keinen Sport gemacht, weil ich ja das Reisebüro hatte. Durch meine viele Arbeit am Computer bekam ich Schmerzen im Schulter- und Armbereich. Da hat Edgar gesagt: Mach mal Sport. Er lieh mir sein Fahrrad. Edgar lief und ich fuhr mit dem Fahrrad hinterher“, lacht Hajo Siewer.

Schlüsselerlebnis an der Obernau

Im Winter sei Fahrradfahren nicht mehr möglich gewesen. „Dann habe ich begonnen, Wanderungen in den heimischen Bergen zu machen und dabei immer auf die Uhr geguckt, die Zeiten verglichen,“ erzählt Hajo Siewer, Im Dezember hat mir Edgar Nemenz den Tipp für den Silvesterlauf an der Obernau im Siegerland gegeben. Er fragte mich: Willst Du da nicht mal teilnehmen? Und siehe da: Ich wurde Erster. Das war für mich natürlich eine Motivation, weiterzumachen.“

Das Walken habe ihm so viel Spaß gemacht, dass er versucht habe, an jedem Wochenende in der Umgebung einen Wettkampf zu bestreiten. „Ich bin teilweise 150 Kilometer für einen Walking-Wettbewerb gefahren. Und darauf ist er sehr stolz. Hajo Siewer: „Ich bin derjenige Sportler aus dem Kreis Olpe, der an den meisten Wettbewerben teilnimmt. Das sind ungefähr 20 bis 30 im Jahr. Normalerweise findet sie alle im Umkreis von 150 Kilometern, sonst ist der Aufwand zu groß.“

„Paraguay ist angenehm“

Aber bei Deutschland ist es nicht geblieben, sondern Hajo Siewer startete inzwischen in der ganzen Welt. Wenn er im Ausland ist, zum Beispiel in Paraguay oder Thailand, guckt er, ob da nicht zufällig ein Lauf in der Nähe ist. Und wenn ja, nehme ich daran teil. Siewer: „Vor allem in Paraguay bin ich öfter. Da habe ich in diesem Jahr einen Wettbewerb bestritten.“

In Paraguay könne man sehr gut walken, weil die Temperaturen angenehm seien. Siewer: „Dort gibt es auch Winterzeit, aber keinen Schnee. In Thailand oder Kambodscha ist es so heiß, da habe ich in meinem Alter jetzt schon ein wenig Angst vor. Wenn man da morgens bei 26 Grad startet und es wird noch wärmer und kein Wind da ist, hat man das Gefühl, dass einem der Kopf explodiert. Ohne Wind ist man verloren. Ich bin jetzt 67 Jahre. In dem Alter 21 Kilometer bei der Hitze zu walken, das würde ich mir doch gut überlegen.“

Vor sechs Jahren nahm Hajo Siewer dies „Wagnis“ auf sich und startete in Kambodscha. Und er hatte „Verstärkung“ aus dem Kreis Olpe. Jörg Heiner, Lauf-Ass der SG Wenden, war im Fernen Osten mit dabei. Jörg Heiner erinnert sich: „Das war 2013. Hajo hatte damals gefragt, ob ich nicht Interesse an einem Halbmarathon in Kambodscha hätte. Das wäre eine prima Veranstaltung und er könne sich vorstellen, dass mir das gefällt. Involviert war auch mein damaliger Chef Udo Lütticke, der mit Hajo seit Schulzeiten befreundet ist. Zudem kannte ich Hajo bereits ebenfalls seit Jahren, durch den Skiclub Olpe, aus dem ich auch „entsprungen“ bin.“

Mit Jörg Heiner in Thailand im Einsatz

Zum Akklimatisieren wurde eine Woche in Thailand verbracht. Heiner: „Hajo war da natürlich der perfekte Reiseführer. Ich spulte dort frühmorgens um fünf Uhr meine Trainingsläufe ab, da es sonst sehr warm wurde. Hajo machte sein Walkingtraining hingegen, regelmäßig nachmittags, bzw. gegen Abend.

Dann folgte der Flug von Bangkok nach Phnom Penh, die Hauptstadt Kambodschas. „Von dort aus mit Taxi drei Stunden harte Überlandfahrt, wo wir beide kreidebleich waren, ob der Fahrweise des jungen Fahrers. Alles auf Buckel- und Staubstraßen“, erinnert sich Jörg Heiner. Doch die Tortur hatte sich gelohnt. Jörg Heiner schwärmt von der Reise nach Kambodscha: „Den internationalen Halbmarathon konnte ich gewinnen. Von der Stimmung im Ziel her fantastisch, vor allem die Siegerehrung war ein Erlebnis. Da fliegt man in eins der ärmsten Länder der Erde und wird so beehrt. Da könnten sich hiesige Veranstalter mal was abschauen.“

Und auch Hajo Siewer hatte sich sehr gut geschlagen. „Hajo ist wirklich sehr zäh. Trotz Erkältung, vermutlich durch die Klimaanlagen, walkte er. Ich muss sagen: der geht so schnell, wie einige laufen! Das war mir schon beim Einchecken am Airport aufgefallen. Hajo ist ein extrem angenehmer Zeitgenosse, der einen großen Erfahrungsschatz hat und mir diesen auf seine eigene, bescheidene Art vermitteln konnte.“

Den einen, größten Erfolg gibt es nicht

Hajo Siewer blickt mit stolz auf seine Karriere zurück: „Meinen größten Erfolg gibt es eigentlich nicht. Ich freue mich immer wieder, wenn ich bei Bergläufen, zum Beispiel beim Malberglauf oder Rothaarsteig-Halbmarathon einen der ersten Plätze erreiche.“

Was den 67-Jährigen allerdings ein Rätsel: Die mangelnde Resonanz für das Walking im Kreis Olpe. „Es gibt Wettbewerbe, da kommen nur ganz wenig Walker. Das ist im Kreis Olpe leider der Fall gewesen. Beim Falke-Rothaarsteig-Marathon kommen zum Beispiel 150 Walker und bewältigen 22,6 Kilometer. Davon geht die erste Hälfte nur berghoch. Das schafft nicht jeder. Die Veranstalter schreiben an, machen Facebook. Da macht das auch Spaß. Bei uns werden kurze Strecken angeboten, aber es kommt keiner. Ich weiß nicht, warum das so ist.“

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