Jürgen Winkel

„Gezweifelt habe ich eigentlich nie“

Jürgen Winkel, Trainer des FC Lennestadt.

Jürgen Winkel, Trainer des FC Lennestadt.

Foto: Michael Meckel

Lennestadt.   Was für ein erfolgreiche Fußball-Saison. Der Kreis Olpe stellt einen Westfalen- und einen Landesliga-Aufsteiger.

Zudem gab es keinen überkreislichen Absteiger. Besonders der Klassenerhalt des Westfalenligisten FC Lennestadt in einem grandiosen Endspurt und einem echten Finale gegen den BSV Schüren (2:2) war beeindruckend. Wir sprachen mit FCL-Trainer Jürgen Winkel über den großen Erfolg und seine Karriere.

Wie viele Steine sind Ihnen vom Herzen gefallen, als sie von der 3:5-Niederlage von Horst-Emscher gegen Wanne-Eickel erfuhren und der Klassenerhalt nach dem 2:2 gegen Schüren perfekt war?

Jürgen Winkel: Wir waren zu jeder Zeit über den Spielstand in Horst-Emscher informiert. Die große Anspannung ist nach dem Spiel relativ schnell in riesige Freude umgeschlagen. Meinen Dank möchte ich noch einmal ausdrücklich in Richtung Wanne-Eickel senden. Das was sportlich absolut fair. Wir werden sicher zum Auswärtsspiel nach Wanne-Eickel fünf Kisten Krombacher mehr mitnehmen.

Haben Sie auch mal Zweifel am Klassenerhalt gehabt?

Gezweifelt habe ich eigentlich nie. Ich war mir sicher, dass wir mit einem Erfolgserlebnis wieder in die Spur kommen können, Außerdem habe ich von Anfang an immer gesagt, dass es am Ende vielleicht um einen Punkt geht.

Wann haben Sie erstmals richtig das Gefühl gehabt: das können wir noch packen?

Nach dem Spiel gegen Meinerzhagen und der damit verbundenen taktischen Umstellung auf 4-5-1. Danach haben wir im gleichen Spielsystem in Hordel gewonnen.

Sie sind zweimal mit dem FC Lennestadt in die Westfalenliga aufgestiegen. Wie ordnen Sie den Klassenerhalt im Vergleich zu den beiden Aufstiegen ein?

Der Klassenerhalt ist vielleicht noch höher zu bewerten. Man muss sich nur mal die Konkurrenz im Kohlenpott anschauen. Mit dem Einzugsgebiet und den finanziellen Möglichkeiten kann man sich da ganz anders aufstellen. Die vielen Spielerwechsel in den verschiedenen Teams vor der Saison und sogar in der Winterpause, das ist im Raum Lennestadt nicht möglich.

Mit dem Aufstieg des FSV Gerlingen hat der Kreis Olpe nun einen dritten Westfalenligisten...

Ich habe mich für Dirk Hennecke und sein Team riesig gefreut und freue mich auch auf die beiden Spiele. Wir haben in letzten Jahren immer Freundschaftsspiele gegen Gerlingen gespielt und so den Kontakt immer gehalten. Ein weiteres Team aus dem Kreis Olpe in der Westfalenliga wertet den Fußball in unserer Region auf. Von Trainerkollegen aus dem Dortmunder Raum werde ich häufig gefragt, wie wir mit unserem Einzugsgebiet überhaupt Westfalenliga spielen können. Jetzt haben wir schon drei Teams in dieser Liga!

2012 sind Sie Sie von Ihrem Heimatverein TuS Halberbracht zum FC Lennestadt gewechselt. Zunächst waren Sie Trainer der 2. Mannschaft. Warum dieser Schritt nach so vielen Jahren?

Mit 43 Jahren wollte ich eigentlich nach 18 Jahren als Spielertrainer kürzertreten. Ich habe mich aber damals von den FCL-Verantwortlichen überzeugen lassen, die zweite Mannschaft mit dem Ziel Aufstieg in die Kreisliga A zu übernehmen.

Am Ende der Hinrunde 2014/15 wurden Sie dann zum Trainer der Landesliga-Mannschaft befördert. Haben Sie einen Moment gezögert, den Job von Benedikt Gabriel zu übernehmen?

Zuerst habe ich schon gezögert. Ich war ja gerade erst mit der zweiten Mannschaft aufgestiegen und hatte da eine Super-Truppe zusammen. Unser damaliger Vorsitzender Matthias Knoche hat mich dann aber überzeugt. Ich möchte mich auf diesem Weg noch einmal bei Matthias Knoche für die vergangenen Jahre und den bedingungslosen Rückhalt bedanken.

Wie viele Stunden Ihrer Freizeit „opfern“ Sie in der Woche dem FC Lennestadt?

Ich schaue mir jede Woche zwei Spiele des nächsten Gegners im Internet an, dazu kommen drei Trainingseinheiten inklusive Vorbereitung in der Woche. Bei Auswärtsspielen fahren wir in der Regel etwa vier Stunden mit dem Bus, dazu die Heimspiele, da kommt schon Einiges zusammen.

Was sagt denn Ihre Familie dazu, dass die Wochenenden mit Fußball verplant sind?

Meiner Frau muss ich Danke sagen. Sie hat mich bei meinem Hobby die ganzen Jahre unterstützt. Mein Sohn und meine Tochter spielen selber von klein auf Fußball.

Haben Sie irgendwann mal gedacht: Worauf habe ich mich da nur drauf eingelassen?

Niemals, Fußball hat mir immer viel Spaß gemacht, zudem lernt man im Sport tolle Leute kennen.

Welches war das schönste und bitterste Erlebnis in Ihrer langen Trainerkarriere?

Das bitterste Erlebnis war damals der Zwangsabstieg mit dem TuS Halberbracht wegen Nichterfüllung der Schiedsrichterquote. Die schönsten Erlebnisse waren sicher alle Aufstiege und Pokalsiege mit dem FC Lennestadt, aber auch mit dem TuS Halberbracht.

Wie war nach dem Zwangsabstieg die Stimmung in Halberbracht und wie haben Sie Ihre Mannschaft motivieren können, weiterzumachen, was ja schließlich auch mit dem Wiederaufstieg gekrönt wurde?

Wir waren damals ein eingeschworener Haufen. Für uns war klar, wir steigen sofort wieder auf.

Wie sehr verfolgen Sie die Entwicklung des TuS Halberbracht?

Ich verfolge alle Spiele der ersten und zweiten Mannschaft. Da spielen zum Teil immer noch Spieler, die ich auch schon in den Jugendmannschaften trainiert habe. Dazu spielt meine Tochter in der TuS- Damenmannschaft.

Zurück zum FC Lennestadt. Wie ist der Stand der Planungen und wann ist Trainingsauftakt?

Die Planungen sind abgeschlossen, Trainingsstart ist am 2. Juli.

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