Westfalenligist FSV Gerlingen

Florian Brüser: „Ich kann’s noch nicht glauben“

Aufstieg FSV Gerlingen Westfalenliga

Aufstieg FSV Gerlingen Westfalenliga

Foto: Lothar Linke

Gerlingen.   Was hatte Kai Müller, 1. Vorsitzender des FSV Gerlingen, am Spielfeldrand gezittert, gerufen, gebangt.

Doch als sich nachher alles überschlug auf und neben dem Platz, haute er den coolen Spruch ‘raus: „Schönen Gruß an Finnentrop/Bamenohl und den FC Lennestadt: Wir kommen vorbei.“

Der Präsident hatte das ausgesprochen, was in diesen Minuten noch unwirklich erschien. Was wohl einige, die da tanzten, sangen und den Sekt spritzen ließen, nicht so recht glauben wollten: Der FSV Gerlingen ist Fußball-Westfalenligist. Mit 2:1 (0:0) siegte er am Himmelfahrtstag im Relegationsspiel der Vizemeister gegen Westfalia Kinderhaus.

Gerlingens Trainer Dirk Hennecke jedenfalls hatte dieses merkwürdige Gefühl, das einen beschleicht, wenn Märchen wahr werden: „Es ist noch surreal, es fühlt sich noch unecht an,“ gestand er, „ich glaube, das kommt erst die nächsten Tage. Jetzt geht es erst einmal auf Mannschaftsfahrt, da werden wir es richtig krachen lassen.“ Auch Kapitän Florian Brüser fasste es noch nicht. „Ich kann’s noch nicht glauben. Ehrlich nicht. Da brauche ich eine Woche für.“

Da kommt was auf Portugal zu. Dorthin brachen die Gerlinger Jungs um Mitternacht zur Mannschaftsfahrt auf.

Aber da kommt auch was auf die Westfalenliga zu. Denn was die Fans aus Gerlingen auf der schönen Sportanlage im Dortmunder Stadtteil Holzen inszenierten, lässt nur einen Schluss zu: Dieser Verein vom Bieberg ist eine absolute Bereicherung für diese Liga.

Mentalitäts-Monster

In Holzen zeigten die Gerlinger einmal mehr, was sie so stark macht. „Ihr habt ja mal über uns als Mentalitätsmonster geschrieben,“ lachte Dirk Hennecke zu den Journalisten gewandt und sah diese Eigenschaft auch am Donnerstag wieder voll zutage treten.

Dem Gegner aus dem Münsterland war ein starker Ruf voraus geeilt. Hennecke leugnete nicht, „großen Respekt“ gehabt zu haben vor der Westfalia. „Kinderhaus hat ein paar ehemalige Regionalligaspieler und Juniorenbundesligaspieler in ihren Reihen,“ hatte er sich kundig gemacht, „dann muss man halt versuchen, mit anderen Mitteln dagegen zu halten.“ Was dem FSV auch gelang gegen eine Truppe, die einen feinen Ball spielte, damit aber gegen Gerlingen nie wirklich durchkam. „Man darf ihnen aber auch keine zwei Zentimeter Platz lassen,“ sagte der FSV-Coach und bescheinigte seiner Mannschaft, dies erfüllt zu haben. „Man hat heute nicht gesehen, wer schon Regionalliga gespielt hat und wer bei Gerlingen aus der Jugend kommt,“ war Hennecke regelrecht begeistert.“

Mentalität war gefordert in einem Spiel, das zwar lange Zeit arm an Chancen war, aber über dem eine ungeheure Spannung lag. Jeder hatte das Gefühl: Wer hier das erste Tor schießt, steigt auf.

Dieser Bredebach...

Nur: Wer macht den ersten Fehler? Dass die Antwort über achtzig Minuten auf sich warten ließ, vermittelt einen Eindruck, wie nervenzerreißend die Angelegenheit auf dem Kunstrasen in Holzen war.

Aber dass die Frage nach dem ersten Fehler so eindeutig beantwortet werden würde, nämlich durch ein Eigentor, das hätte keiner für möglich gehalten. Der Kinderhauser Gerrit Göcking war der Unglücksrabe. Er lenkte in der 85. Minute eine Flanke von Philipp Bredebach ins eigene Tor. Freilich: Wäre Göcking weg geblieben, hätte Gerlingens Lukas Rademacher bereit gestanden.

Dieser Bredebach. Die Flanke war seine erste Ballberührung. Da musste selbst Dirk Hennecke mit dem Kopf schütteln und lachen: „Bredi. Unglaublich. Sitzt 80 Minuten auf der Bank, kommt ‘rein, spielt eine perfekte Flanke, und ist sofort da mit seinem ersten Ballkontakt!“ Marcel Laube machte mit dem 2:0 den Sack zu. Ausgerechnet Marcel Laube ist man versucht zu sagen. Noch vor zweieinhalb Wochen war er in Tränen aufgelöst, als er in Hohenlimburg in der 95. Minute den Elfmeter zum 1:1-Ausleich vergab. Und jetzt macht er das erlösende 2:0.

Riesige Anspannung

Die Führung war verdient. Die zweite Halbzeit ging klar an die Gerlinger. An die - siehe oben - Mentalitätsmonster. Das Armdrücken neigte sich immer mehr zu ihren Gunsten, sie bekamen regelrecht Oberwasser. Hennecke: „Wir haben alles dafür getan, das Spiel zu gewinnen. Das verlange ich auch von den Jungs, und dann sehen wir, was dabei heraus kommt. Das ist einfach phantastisch für die Jungs. Was wir hier heute abgerissen haben, das war schon großartig.“

Riesengroß war die Anspannung beim FSV Gerlingen auf der Hinfahrt und auch nach der Ankunft im Stadion. „Es war ganz ruhig bei uns,“ schilderte Florian Brüser, „aber als wir rein kamen und unsere Fans sahen, da dachte ich: Das ist schon mal das 1:0 für uns.“

Auch Dirk Hennecke hatte diesen Eindruck. „Die Angst war sicher bei einigen da. Was auch normal ist. Aber dafür bin ich da, den Jungs diese Angst zu nehmen und ihnen das Vertrauen in ihre eigene Stärke zu vermitteln. Unsere schwache Phase fiel nun mal leider ans Ende der Saison. Aber wir haben es trotzdem geschafft. Die letzte Ausfahrt lag vor uns. Und dann waren wir da.“

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