Fussball

Tolles Erlebnis für das junge Flüchtlingsteam

Das Iserlohner Flüchtlingsteam spielte beim Integrationsturnier

Das Iserlohner Flüchtlingsteam spielte beim Integrationsturnier

Foto: Helmut Muschiol

Iserlohn.   Willkommene Abwechslung beim Integrationsturnier. Lob von Trainer Paul Freier.

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Es war erwartungsgemäß ein kurzer Auftritt beim Integrationsturnier in der Hemberghalle, aber wer in die leuchtenden Augen der minderjährigen, unbegleitet nach Deutschland gekommenen Flüchtlinge sah, der wusste, was ihnen diese Teilnahme bedeutete. „Von der Idee, ein Fußballteam für ein Turnier zu stellen, waren sie sofort begeistert“, versichert Laura Mesling, die als Sozialarbeiterin für viele der Migranten die Vormundschaft hat, sie durch den Alltag und die Asylverfahren begleitet.

Das vom Integrationsrat der Stadt initiierte und inzwischen zum fünften Mal ausgerichtete Fußballturnier soll in erster Linie das respektvolle Miteinander unterschiedlicher Nationalitäten und Kulturen fördern. Nachdem im Vorjahr der FC Iserlohn erstmals ein Flüchtlingsteam gestellt hatte, griffen Tobias Wolfsheimer vom Ausländeramt und Sebastian Luck vom Jugendamt diesen Einfall auf und stellten zusammen mit Laura Mesling eine Mannschaft aus jungen Flüchtlingen zwischen 16 und 18 Jahren zusammen. Ex-Profi Paul Freier leitete einige Trainingseinheiten und stand auch als Coach an der Bande.

Großes Interesse an einem Platz in der Mannschaft

Schwer fiel die Nominierung der Fußballer, denn die Nachfrage war größer als Plätze zur Verfügung standen. Aber all diejenigen, die keine Berücksichtigung fanden, unterstützten das vorwiegend aus Syrern und Afghanen sowie einem Gambianer formierte Kollektiv lautstark von der Tribüne aus.

Sportlich gab es für die Mannschaft nichts zu holen, aber der Applaus von den Rängen entschädigte für die Niederlagen. Im ersten Spiel beim 2:3 gegen Olympos Menden hielt das in dieser kurzen Zeit von Paul Freier taktisch erstaunlich klug eingestellte Team sogar gut mit, schaffte zweimal den von allen Zuschauern lautstark gefeierten Ausgleich. Gegen Borussia Dröschede II (0:6) und dem VfK Iserlohn (0:7) blieben den mit großem Engagement spielenden Flüchtlingen weitere Tore verwehrt.

„Alles gut, wir haben verloren, aber Spaß gehabt“, versicherte Ahmed: „Wir spielen alle gerne Fußball, das war wirklich eine gute Idee.“ Der 16-jährige Syrer ist mit zwei Brüdern und einem Onkel nach Deutschland gekommen. Hinter ihm liegt eine leidvolle Odyssee. Mit Schiff, Bus und fast 100 Kilometer Fußmarsch ging es über die Türkei und Griechenland zunächst weiter nach Mazedonien und Serbien sowie Kroatien, Slowenien und Österreich. Bis zur Ankunft in Deutschland vor einem Jahr vergingen 23 Tage. Angst habe er nicht gehabt, mühsam sei es gewesen und immer ungewiss, wie es weiter geht.

Für seinen Teamkollegen Bakary Sanneh aus Gambia war der Weg noch beschwerlicher, über den Tschad und Niger kam er in Libyen an, wo er ein halbes Jahr fest saß. Jeden Tag getrieben von der Hoffnung auf ein besseres Leben in Europa schreckte ihn auch der lebensgefährliche Weg über das Mittelmeer nach Italien nicht ab. „Was diese jungen Leute hinter sich haben, ist unvorstellbar“, weiß Laura Mesling. In Iserlohn leben aktuell 75 unbegleitet nach Deutschland gekommene minderjährige Flüchtlinge.

Die Freude am Sport wurde ihnen nicht genommen. Sanneh spielt bei der Iserlohner TS Fußball, Ahmed weiß noch nicht, ob er sich ebenfalls einem Verein anschließen will: „Erst einmal möchte ich gerne den Führerschein machen.“ Er erhält Deutschunterricht in Flüchtlingsklassen am Berufskolleg, kann sich auch schon sehr gut verständigen. In jedem Fall möchte Ahmed hier bleiben, hofft darauf, irgendwann seine Eltern nachholen zu können, die mit ihrem letzten Geld den ältesten Söhnen die Flucht ermöglicht haben. „Das setzt sie unter Druck“, erklärt Mesling.

Dankbar für eine willkommene Abwechslung

Das Leid in Syrien hat Ahmed am eigenen Leib erfahren, täglich verfolgt er im Internet die schrecklichen Bilder in seinem Heimatland. Er lächelt nur, wenn man fragt, wie er sich fühlt, wird dann plötzlich unsicher, obwohl er ansonsten vor Lebensfreude sprüht. Der 16-Jährige wechselt lieber das Thema, kommt zurück auf das Fußballteam: „Das ist das eine super Abwechslung.“

Für die Flüchtlinge war der Tag am Hemberg ein besonderes Erlebnis, für Ex-Profi Paul Freier die Zusage eine Ehrensache, als ihm das Traineramt angedient wurde. Kurze Besprechungen vor und nach den Spielen weckten den Stolz der Akteure. „Dass die jungen Flüchtlinge mit den anderen Mannschaften nicht mithalten konnten, war zu erwarten, weil ihnen Robustheit und Ausdauer fehlen. Aber sie haben sich wirklich als Mannschaft präsentiert“, lobte Freier. „Außerdem stand der Spaß im Vordergrund.“

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