Corona-Krise

Sportverbände kapitulieren vor Corona-Krise

Um die Matthias-Grothe-Halle können Fans der Kangaroos am Samstagabend einen großen Bogen machen – gespielt wird nicht.

Um die Matthias-Grothe-Halle können Fans der Kangaroos am Samstagabend einen großen Bogen machen – gespielt wird nicht.

Foto: Michael May

Iserlohn.  Der Spielbetrieb in verschiedenen Sportarten wird reihenweise unterbrochen oder komplett für beendet erklärt.

Die Ereignisse haben sich am Donnerstag überschlagen. Am Morgen war bekannt, dass das Playdown-Spiel der Iserlohn Kangaroos gegen LOK Bernau ausfällt. In kurzer Reihenfolge sagten am Nachmittag auch der Westdeutsche Handball-, sowie der Westdeutsche Basketball-Verband alle Spiele ab.

Die Entscheidung, dass am Samstagabend kein Playdown-Krimi in der Matthias-Grothe-Halle steigen wird, hat die 2. Basketball-Bundesliga getroffen, „um die Gesundheit aller Beteiligten nicht zu gefährden“, wie sie auf ihrer Internetseite mitteilt. Alle Play-off- und Playdown-Spiele der ProB sowie der 30. Spieltag der ProA werden am bevorstehenden Wochenende ausgesetzt.

Kangaroos äußern sich noch zu bereits verkauften Karten

Kangaroos-Manager Michael Dahmen sagte auf Nachfrage, dass die bereits erworbenen Eintrittskarten vorerst ihre Gültigkeit behalten werden. „Wir warten ab, was jetzt passiert.“ Die Ligaspitze teilt ebenfalls mit, dass sie sich gemeinsam mit den Vereinen in der kommenden Woche zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung trifft, um über den weiteren Saisonverlauf zu beraten und abzustimmen. Dahmen ist der Ansicht, dass von einer Verschiebung der Spiele bis zu einer Komplettabsage der Saison alles möglich sei. „Niemand hat Erfahrung mit so einer Situation.“ Er akzeptiere zwar die Entscheidung und könne sie auch nachvollziehen, er hätte aber die Mannschaft trotzdem gerne spielen sehen. Ebenso lieb wäre ihm ein anderes Kommunikationsverhalten seitens der Liga gewesen, denn die Klubs erfuhren von der Entscheidung durch eine am Mittwochabend veröffentlichte Pressemitteilung. Eine Vorab-Information gab es nicht. „Darüber war ich doch sehr verwundert.“

Unterhalb der ProB hat der Westdeutsche Basketball-Verband das Sagen. Er teilte am Mittwoch noch mit, dass der Spielbetrieb unter Beachtung der Vorgaben durch die lokalen Behörden ganz normal laufen wird. Gestern Nachmittag kam dann die generelle Absage aller Wochenend-Partien. „Der Spielbetrieb im Jugend- und Seniorenbereich ruht bis auf Weiteres“, sagte Roland Gröschel, der als zweiter Vorsitzende der TuS Iserlohn Kangaroos und erster Mann des Märkischen Basketballkreises wichtige Ämter bekleidet. „Das weitere Vorgehen wird noch geklärt“, fügte er hinzu. Der Trainingsbetrieb laufe jedoch vorerst weiter.

Noch rigoroser hat der Deutsche Eishockey-Bund entschieden. Er verkündete am Mittwoch das vorzeitige Ende aller Ligen des DEB-Spielbetriebs, wovon nahezu sämtliche Teams der Young Roosters betroffen sind. Die U20 hatte ihr letztes Saisonspiel bereits am vergangenen Wochenende bestritten. Die U17 hätte in der Qualifikationsrunde zur DNL Division I am Wochenende zwei Heimspiele gehabt Auf- und Abstiege werden laut Verband ausgesetzt und Platzierungen aus den Hauptrunden mit den jeweiligen Siegern übernommen.

Martin Plewnia, Pressesprecher der Young Roosters, hatte diesen Schritt auch in dieser harten Form erwartet – allerdings nicht aus gesundheitlichen Gründen. „Es kann einfach nicht mehr gespielt werden, weil an vielen kleineren Standorten aus Kostengründen das Eis abgetaut wird. Den Vereinen fehlen die Einnahmen aus den entfallenen Play-off-Spielen.“ Ein Puck auf Iserlohner Eis wird höchstens noch in den wenigen verbleibenden Trainingseinheiten zu sehen sein. Denn auch das für Samstag, 21. März, angesetzte Freundschaftsspiel des Parahockey-Teams der Young Roosters wurde am frühen Donnerstagnachmittag abgesagt.

In der dem Eishockey eng verbundenen Sportart Skaterhockey überlässt der Deutsche Rollsport- und Inline-Verband (DRIV) den Vereinen die schwierige Entscheidung, ob gespielt wird oder nicht. Und zumindest Samurai Iserlohn tut sich richtig schwer, wie nun verfahren wird. „Wir haben gestern diskutiert und diskutieren immer noch“, sagte die Vorsitzende Elisabeth Havighorst-Lötters am Donnerstag. Entschlossener waren die Duisburg Ducks, die am Nachmittag mitgeteilt haben, dass ihre zweite Herrenmannschaft nicht zum Spiel bei Samurai II antreten wird. Die Vorsitzende rechnet damit, dass am Montag endgültig Klarheit über den eigenen Umgang mit der Situation herrschen wird. Dann trifft der Samurai-Vorstand nämlich zu einer Sitzung zusammen.

Bislang keine Absagen in den Rollhockey-Bundesligen

Die dem DRIV angehörige Sportkommission Rollhockey, der unter anderem Ralf Henke, Vorsitzender der ERG Iserlohn, als Zuständiger für den Bereich Leistungssport Herren angehört, gab bereits Ende Februar eine Stellungnahme zum Coronavirus ab, die nach wie vor gültig ist. Kernaussage: „Sofern es von Behörden oder übergeordneter Stelle keine entgegenstehende Anordnung gibt, finden grundsätzlich alle Rollhockey-Spiele statt.“ Henke spricht die 1000-Zuschauer-Marke an, die bei nahezu keinem Bundesligaspiel, auch nicht bei Topduellen, ansatzweise erreicht wird. „Mehr werden es erst bei den Play-off-Spielen, aber die steigen erst im April.“ Betroffen sein könnte die U15-Nationalmannschaft, die Ende des Monats zu einem Turnier in die Schweiz reisen wollte. Dem Team gehören mit Torwart Yannik Hinz und Alfredo Meier als Trainer auch zwei ERGI-Akteure an. Ralf Henke rechnet damit, dass die Veranstaltung am Wochenende vorzeitig abgesagt wird.

Auch der Handballverband Westfalen wurde am Donnerstag tätig. Er beendete den Jugendspielbetrieb der laufenden Saison komplett und setzte den Spielbetrieb der Erwachsenen bis auf Weiteres aus. Betroffen sind die Partien von der Kreisklasse bis zur Oberliga und der Westfalenmeisterschaften, was besonders bitter für die weibliche B-Jugend des HTV Hemer ist. Das Team hätte morgen vor heimischer Kulisse gegen den Nachwuchs des BVB Dortmund um den Titel gespielt. Über eine mögliche Wiederaufnahme des Spielbetriebs soll spätestens am 19. April entschieden werden.

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