Ehrenamt

Sein „okay“ von 1969 gilt bis heute

Bernd Quasnewski ist der "ewige Kassierer" des PSV Iserlohn – und wie man sieht, auch inoffizieller Archivar.

Bernd Quasnewski ist der "ewige Kassierer" des PSV Iserlohn – und wie man sieht, auch inoffizieller Archivar.

Foto: Oliver Bergmann

Ihmert.  Bernd Quasnewski ist für den PSV Iserlohn seit dessen Gründung als Kassierer tätig.

Als in der Gaststätte Ulfers an der Iserlohner Hardtstraße am 29. September 1969 der PSV Iserlohn aus der Taufe gehoben wurde, bildeten drei junge Männer den Vorstand: Werner Schulte als Vorsitzender und Geschäftsführer in Personalunion, Siegfried Wiesebel als zweiter Vorsitzender - und Bernd Quasnewski. Der erinnert sich noch gut daran, als er sagte: „Okay, ich mache den Kassierer.“ Seitdem ist ein halbes Jahrhundert ins Land gegangen, und Quasnewski kümmert sich immer noch darum, dass die Mitglieder ihre Beiträge zahlen.

Die Umstände, unter denen der Polizeisportverein gegründet wurde, dem damals tatsächlich nur Polizisten angehörten, sind Quasnewski auch 50 Jahre später noch so präsent, als sei es gestern gewesen. „Wir wussten ja nicht, dass das Lokal, in dem wir den Verein gegründet hatten, seinen letzten Tag hatte. Da stand ein Inhaberwechsel bevor. Jedenfalls ging im Laufe des Abends das Bier aus, aber alles, was wir getrunken hatten, ging aufs Haus.“

Fußballspielende Polizisten? Das war lange Zeit undenkbar

Der Verein gründete sich, weil die Iserlohner Polizisten organisiert Fußball spielen wollten, so trat der PSV dem Betriebssportverband bei. Auch eine Tischtennisabteilung wurde ins Leben gerufen. Erst wenige Jahre zuvor wurde das Verbot, dass Polizisten betrieblich Fußball spielen dürfen, aufgehoben. Quasnewskis Vereinskameraden waren gleichzeitig seine Kollegen. Wurden also die Mitgliedsbeiträge fällig, sammelte er sie einfach auf der Dienststelle ein. Das funktionierte so gut, dass er bei der ersten ordentlichen Jahreshauptversammlung 1970 wiedergewählt wurde.

Im Laufe der Jahre wuchs der PSV. 1972 kam die Handballabteilung dazu, 1977 schlossen sich die Radsportler dem Verein an, es folgten die Sportschützen, Kegler und Billardspieler. Die Arbeit des Kassierers wurde umfangreicher. Es ging inzwischen auch darum, dass das Geld gerecht und gleichmäßig auf die Abteilungen verteilt wird. „Das erfordert damals wie heute Fingerspitzengefühl. Ich muss es gehabt haben, denn bei den Jahreshauptversammlungen dauerte es nicht lange, bis irgendjemand ,Wiederwahl’ rief.“ Das war schon zu den Zeiten so, als die Mitglieder noch nicht die Vorstandsarbeit scheuten, wobei der Kassierer eine besondere Verantwortung trägt. „Letztendlich halte ich den Kopf für alles hin, aber ich habe weniger Arbeit als vor 30 Jahren.“ Damals musste er jeden Bankeinzug mit der Schreibmaschine bearbeiten. „Heute gibt es Home-Banking – da drücke ich am Computer auf einen Knopf und das Geld kommt praktisch automatisch. Außerdem sind alle Anschreiben gespeichert.“

Bernd Quasnewski feierte im Sommer seinen 76. Geburtstag, und nicht erst seitdem horcht er herum, wer für eine Nachfolge in Frage kommen könnte. Es sieht gut aus. Tanja Müller, Ehefrau des inzwischen amtierenden Vorsitzenden Markus Müller, wird als zweite Kassierin bereits mit den Aufgaben vertraut gemacht, die sie eines Tages übernehmen soll. Zeitdruck gibt es nicht.

„Wenn man einen Verein mitgegründet hat, dann hängt man doch daran“, argumentiert der Mann, der einst auf den Weihnachtsfeiern des Vereins ins Nikolauskostüm schlüpfte. Seine rekordverdächtige Tätigkeit hat noch einen Grund – oder vielmehr einen Schuldigen: Freddy Klahold. Zwischen ihm und Quasnewski gab es vor den Jahreshauptversammlungen in der Vergangenheit eine Verständigung: „Machst du noch zwei Jahre, hänge ich auch noch zwei dran.“

Der PSV steht gut da, zumal Quasnewski weiß, wie groß die Sorgen in anderen Vereinen sind. „Sportler wollen heute nur noch Sport treiben. Ich habe den Eindruck, dass es besonders die Sportarten schwer haben, die an feste Termine gebunden sind. Die Muckibude ist doch das beste Beispiel. Daran sieht man, dass der Wille, Sport zu treiben, vorhanden ist. Aber dorthin können die gehen, wenn sie Lust haben.“

Auch sein Verein bekam dadurch zeitweise Probleme, wenn auch keine existenziellen. Quasnewski denkt an die letzte Phase der Fußballabteilung zurück, die zur Mitte dieses Jahrzehnts endete. „Eines Tages kamen einige Migranten-Jungs zu uns, um beim PSV Fußball zu spielen. Das waren super Jungs, die eine richtig gute Kameradschaft hatten. Aber sie hatten außer Acht gelassen, dass man als Verein auch Schiedsrichter stellen muss oder eben eine Strafe erhält. Und mehr als spielen wollten sie nicht“, erzählt er ohne Groll, auch wenn er es natürlich nicht so prickelnd fand, die fälligen Verbandsstrafen zu zahlen.

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