Eishockey

Roosters: Positives Denken trotz vieler Unwägbarkeiten

Wolfgang Brück kam mit Jason O'Leary und Marko Friedrich (v. li.) zum Gespräch ins Wchelhovenhaus.

Wolfgang Brück kam mit Jason O'Leary und Marko Friedrich (v. li.) zum Gespräch ins Wchelhovenhaus.

Foto: Oliver Bergmann

Iserlohn.  Vor dem ersten Spiel: Die Repräsentanten der Iserlohn Roosters äußern sich beim Redaktionsbesuch zu Zielen und Erwartungen.

Die Iserlohn Roosters starten am Freitag in ihre 20. DEL-Saison. Selten zuvor sind in einem Sommer so viele Steine umgedreht worden, sind so viele zentrale Positionen neu besetzt und Konzepte verändert worden. Zu einem intensiven Ausblick auf die neue Spielzeit hatte die Heimatzeitung Repräsentanten des Klubs ins Wichelhovenhaus eingeladen: Den Geschäftsführenden Gesellschafter Wolfgang Brück, Trainer Jason O’Leary, Stürmer Marko Friedrich und Felix Dötsch, am Seilersee der neue Mann für die Öffentlichkeitsarbeit.

Die Ausgangslage nachdem großen Umbruch

Der Chef ist von Anfang an dabei, hat 25 IEC-Jahre und alle DEL-Spielzeiten der Roosters erlebt. „Der Umbruch, den wir in diesem Jahr erleben, ist wohl nur vergleichbar mit dem, als wir damals in die erste Liga aufgestiegen sind“, sagt Wolfgang Brück. Aber auf die Frage, ob deshalb vor dem Start nicht die Skepsis vorherrsche, versichert er, dass eindeutig die Vorfreude überwiege.

„Nach einer schlechten Saison ist man ja froh, eine Weile nichts mit Eishockey zu tun zu haben. Dann kann schon mal nichts Negatives passieren.“ Aber Brück weiß auch, dass jetzt Geduld gefragt ist.

„Als Spieler hast du ja immer ein gutes Gefühl“, sagt Marko Friedrich, wenn man ihn auf den Saisonstart anspricht. Auch für ihn, seit 2013 bei den Roosters, ist es ungewohnt, so viele neue Kollegen zu begrüßen. „Aber wir verstehen uns gut,“ sagt der Stürmer, der den Auftakt wegen einer Verletzung verpassen wird.

Eine klare Vorgabe der sportlichen Leitung ist es, dass die neue Mannschaft die „Roosters-DNA“ verkörpern müsse. Chefcoach Jason O‘Leary sind solche Gedankengänge sympathisch. „Iserlohn ist eine kleine Stadt mit einer kleinen Halle und tollen Fans. Und für mich ist es besonders reizvoll, hier zu arbeiten.“ Und weiter: „Ich finde es ganz wichtig, hier in der Organisation alle Leute zu kennen. Ich denke, dass es eine Herausforderung ist, mit einem kleinen Verein den Großen Paroli zu bieten. Wenn man es schafft, kann man sehr stolz sein.“

Aber kann diese neue Mannschaft die erwähnte DNA wirklich mit Leben erfüllen? Wolfgang Brück will sich dazu noch kein Urteil erlauben. „Die jetzt Verantwortlichen arbeiten anders, aber am Ende zählen die Ergebnisse. Der wahre Charakter zeigt sich in schwierigen Phasen.“ Der Geschäftsführer weiter: „Bei schönem Wetter können alle gut segeln, aber was passiert, wenn der erste Sturm aufzieht?“

Als die Kaderplanung in die Endphase ging, hatte der Manager den Wunsch formuliert, in einem Jahr, wenn die erste Saison mit Auf- und Abstieg bevorsteht, möglichst wenig ändern zu müssen. In der Runde wurde auf eine gute Grundlage verwiesen, die in den letzten Monaten entstand. „Wir haben das getan, was öffentlich gefordert wurde“, sagt Wolfgang Brück. Also mehr junge und mehr deutsche Spieler verpflichtet. Und er kann durchaus mit dem Begriff „Aufbaujahr“ leben. „Wenn sich jetzt etwas entwickelt und wir im nächsten Jahr die Früchte ernten können, dann ist alles gut.“

Wichtige Weichen seien gestellt worden, etwa mit der Einstellung von Felix Dötsch als Beauftragten für Öffentlichkeitsarbeit und mit der Vergrößerung des Trainerteams. Brück: „Wir wissen, dass wir mehr kommunizieren müssen. Aber wenn du zehnmal hintereinander verlierst, interessiert das keine Sau. Dann haben wir sowieso wieder alles falsch gemacht haben.“ O‘Leary streicht in diesem Zusammenhang heraus, dass es nicht immer eine Frage des Geldes sei, ob man einen Spieler holen oder halten könne. „Es geht um das Umfeld, die Stimmung im Team und um den Glauben, gemeinsam etwas erreichen zu können.“

Roosters-Hockey und die Ziele 2019/2020

„Es geht sicher um strukturiertes und leidenschaftliches Eishockey. Aber die Ergebnisse müssen natürlich da sein“, betont Wolfgang Brück. Aber die Standard-Vorgabe Platz zehn rückt er nicht so explizit wie früher in den Vordergrund. „Natürlich wollen wir in die Play-offs, aber das wollen dreizehn andere auch.“ Er mahnt Zurückhaltung an. „Wenn man jetzt das Ziel ausgibt, unter die ersten Sechs zu wollen, dann passt das nicht zu unseren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Außerdem gibt es so viele Unabwägbarkeiten, dass es fast unseriös ist, ein Ziel auszugeben.“ Und nach den Erfahrungen der letzten Saison empfehle sich ohnehin etwas Demut.

Viel zugetraut wird den Roosters von den Experten nicht, was Brück wenig tangiert. „Erstmal ist völlig egal, was geschrieben wird und was die Leute denken, aber ich kann es verstehen. Und wenn man bedenkt, wie wir in den vergangenen Jahren gespielt haben, wäre es ja komisch, wenn wir jetzt als Titelfavorit gehandelt würden.“ Der Klubchef weiter: „Wenn man es schafft, mittelfristig etwas aufzubauen, dann ist es ohne weiteres möglich, für unsere Verhältnisse große Erfolge zu feiern.“

Jason O‘Leary hält bei dieser Frage wenig von Tabellenplätzen. „Ich will jedes Spiel gewinnen, egal gegen wen. Und ich will, dass wir jeden Tag besser werden, auf und neben dem Eis. Reicht es nicht, ist das meine Schuld.“ Für ihn ist es wichtig, dass bei allen die Bereitschaft vorhanden ist, stets ihr Bestes zu geben. Und das gelte für Spieler, Trainerstab und die gesamte Organisation.

Auch Marko Friedrich sieht Unwägbarkeiten, aber der Grundsatz ist für ihn immer gleich. „Alle wollen in die Play-offs. Und danach werden die Karten neu gemischt.“ Der 28-Jährige hat ein gutes Gefühl. „Wir haben ein charakterstarkes Team und sind wirklich eine Einheit.“

Der Ausblick auf 2020, wenn Auf- und Abstieg kommen

Für Wolfgang Brück geht es dabei um die Frage, wie Menschen mit Angst umgehen. „Aus Angst kann es zu Entscheidungen kommen, die man aus wirtschaftlicher Sicht besser nicht getroffen hätte.“ Fakt ist für ihn aber auch, dass alle wegen der Abstiegsthematik mehr investieren werden. Und das passiert in einem Umfeld, in dem die Klubs bereits jetzt praktisch durchweg Verluste machen. Für Brück ist daher die Leidensfähigkeit der Gesellschafter ein zentraler Aspekt. Unter den Roosters-Gesellschaftern habe man sich mit der Frage, was in einem Abstiegsfall passieren könnte, schon beschäftigt. Öffentlich möchte Brück aber nicht ins Detail gehen.

„Jeder Standort hat seine eigene Philosophie. Und bei uns finde ich es gut, dass sportliche Leitung und Trainer mit dem arbeiten, was ihnen zur Verfügung gestellt wird und dass nicht lange diskutiert wird.“ Der Chef sagt aber auch: „Allmählich geht es um die Wurst, und wir haben gesagt, dass wir einige Dinge besser machen wollen. Aber die, die auch dazu beitragen können, sind jetzt gefordert.“ Er meint Sponsoren und Fans, die ein Signal setzen können, dass man alles tun will, um auch in zehn Jahren in der DEL zu spielen.

Die Finanzen und die Kluftzwischen Arm und Reich

Die Ausgabenseite steigt, und davon sind alle Vereine betroffen. Stichwort: Höhere Beiträge für die Berufsgenossenschaft. Die Frage lautet: Wie lassen sich höhere Erlöse erzielen? „Sicher werden wir eines Tages über die Ticketpreise reden müssen.“ Ähnliche Anpassungen könnten einmal bei Fan-Artikeln oder am Bierstand anstehen. Grundsätzlich halten Brück und O’Leary aber nichts davon, neidvoll auf die finanzstarke Konkurrenz zu schauen. Die Kernaussage: Wir haben trotzdem Freude am Leben, und wenn man aus wenigen Möglichkeiten viel macht, ist das auch eine Erfüllung.

Jason O’Leary - derTrainer-Neuling in der DEL

Jason O‘Leary wird am Freitag in Köln erstmals in seiner Trainerkarriere bei einem DEL-Spiel an der Bande stehen. „Das ist für mich keine große Umstellung. Ich beschäftige mich intensiv mit den Gegnern, und das habe ich in anderen Ligen auch getan. Aber die Schiedsrichter entscheiden anders, daran muss ich mich gewöhnen.“ Viel Zeit, seine neue Heimat kennenzulernen, hat er noch nicht gehabt. „Ich bin häufiger in der Halle als in der Stadt.“ Kaum hatte er es ausgesprochen, musste er schmunzeln. Denn wenn er einmal unterwegs ist, wird er von Fans angesprochen. „Da steht man schon einmal fünf Minuten zusammen und spricht über alles Mögliche.“

Über die Meisterkandidatenund die eigene Mannschaft

Marko Friedrichs Prognose: „Die üblichen Verdächtigen, Mannheim, München, Köln werden dabei sein, aber die Ligadichte wird von Jahr zu Jahr größer und der Wettbewerb immer spannender.“ Und weiter: „Vielleicht landen ja auch wir ganz oben. Aber es wird immer mehr Geld in die Hand genommen, die großen Teams kaufen teure Spieler und versuchen sich bestmöglich aufzustellen.“ Und was wird typisch sein für die Roosters-Mannschaft? O’Leary: „Sie steht für Intensität, Arbeit, Leidenschaft, Ehrgeiz. Eine Mannschaft repräsentiert den Trainer.“

Ein Blick nach vorn - die Perspektive der Roosters

Mit Interesse verfolgt die Klubführung natürlich auch die Entwicklung anderer Klubs, zum Beispiel der Augsburger Panther – einem Team, mit dem man sich lange auf Augenhöhe begegnete. „Im Schnitt haben wir sogar bessere Platzierungen erreicht“, merkt Brück an. Jetzt spielt Augsburg in der Champions-Hockey-League. „Die haben es zum richtigen Zeitpunkt geschafft, voranzukommen“, stellt der Klubchef fest und ergänzt: „Auch wir sind in der Lage, enorm zuzulegen, wenn sich der sportliche Erfolg einstellt.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben