Eishockey

Iserlohn Roosters in einem Wechselbad der Gefühle

Die Roosters haben in der Verlängerung gegen Nürnberg gewonnen.  

Die Roosters haben in der Verlängerung gegen Nürnberg gewonnen.  

Foto: Max Winkler

Iserlohn.  Nach einem 1:3-Rückstand drehten die Roosters das Spiel gegen Nürnberg, mussten aber unnötig die Overtime in Anspruch nehmen.

Mit einer ziemlichen Berg- und Talfahrt inklusive Happy-End verabschiedeten sich die Roosters in die Länderspielpause. Sie schienen nach matter Darbietung ein Spiel von überschaubarer Qualität fast schon verloren zu haben, drehten es aber im letzten Drittel mit drei Toren in knapp sieben Minuten. Um dafür drei Punkte zu kassieren, hätten die Sauerländer davon absehen müssen, sich im Finish einen Shorthander einzuhandeln. Aber immerhin sicherten sie sich in der Overtime ihr Erfolgserlebnis.


Iserlohn Roosters - Nürnberg Ice Tigers 5:4 (0:1, 1:2, 3:1, 1:0) n. V. Wer von einem Eishockey-Spiel gut unterhalten werden will, brauchte am Seilersee Geduld. Das erste Drittel verlief höchst unspektakulär mit wenig Tempo und Esprit. Beide Mannschaften machten nicht den Eindruck, als verfolgten sie noch echte Ziele. Auf die ohne den verletzten O’Connor angetretenen Hausherren trifft das wohl zu, aber Nürnberg darf ja noch auf die direkte Play-off-Qualifikation hoffen.

Und unter dem Strich waren die Ice Tigers auch das bessere Team, das Andi Jenike regelmäßig beschäftigte, weil die zuweilen unsortierte und wenig konsequente Roosters-Defensive viele Abschlüsse zuließ. Die Führung, die Ramoser kurz vor Drittelende im Nachsetzen erzielte, ging somit auch in Ordnung. Die Sauerländer fanden keinen rechten Zugriff, ihren Angriffen fehlte die Zielstrebigkeit, so dass es in aller Regel bei Ansätzen guter Möglichkeiten blieb.

Chris Rumbles Foul gegen Skille ist folgenschwer

Die Ice Tigers begannen das zweite Drittel so wie sie das erste ausklingen ließen. Sie sorgten für viel Betrieb vor Jenike, brachten die Scheibe aber nicht am Ex-Kollegen vorbei. Ohne Ansage schlugen dann die Roosters zu, als es endlich einmal schnell und präzise nach vorn ging. Mike Halmo legte für Julian Lautenschlager auf, und der traf in den Winkel (25.). Wirklich beflügelnd wirkte der Ausgleich auf die Hausherren nicht, und sieben Minuten nach dem 1:1 brachten sie sich mit einer einzigen Aktion massiv ins Hintertreffen. Skille war durch und kam noch zum Torabschluss, ehe ihn Verteidiger Rumble ins Roosters-Gehäuse checkte. Dort lag bereits der Puck, und der Nürnberger knallte mit dem Kopf gegen das Gestänge. Für ihn war die Partie beendet, er wurde später ins Krankenhaus eingeliefert.

Auch Rumble hatte nach dieser rüden Attacke Feierabend, die seinem Team fünf Minuten Unterzahl bescherte. 54 Sekunden waren abgelaufen, als Nürnbergs Topscorer Fischbuch ganz genau Maß nahm und Jenike überwand. Danach wussten die Gäste mit ihrer nummerischen Überlegenheit aber nicht mehr viel anzufangen, so dass die Sauerländer noch nicht völlig aus dem Rennen waren. Doch viel Konstruktives fabrizierten sie im Mittelabschnitt nicht mehr, und die Franken schienen mit dem Gedanken in die zweite Pause zu gehen, relativ entspannt die drei Punkte einfahren zu können.

Weil die Hausherren nicht gerade fulminant in den Schlussabschnitt starteten, wirkte das gar nicht einmal abwegig. Doch dann entdeckte Verteidiger Dieter Orendorz Torjägerqualität und knallte Treutle die Scheibe im Nachschuss zum 2:3 ins Netz (43.). Das anschließend folgende Roosters-Powerplay verlief jedoch ernüchternd harmlos. Wollte da niemand nachlegen? Also halfen die Ice Tigers den Hausherren auf die Sprünge. Alex Grenier lupfte den Puck von der Mittellinie in Richtung Tor, und Treutle gestattete sich einen Blackout und ließ ihn durch die Beine rutschen.

Solche Geschenke nimmt man natürlich gern an, und dieses 3:3 weckte endgültig den Ehrgeiz der Roosters, das Spiel doch noch zu drehen. Nach 50 Minuten hatten sie es geschafft. Eine schöne Kombination über Grenier und Lautenschlager vollendete Mike Halmo, womit sich die komplette dritte Reihe in die Torschützenliste eintrug. Die Nürnberger waren angezählt und schienen leer auszugehen, als sie drei Minuten vor Schluss in Unterzahl gerieten. Aber was machen die Iserlohner? Sie vertändeln den Puck und fangen sich einen Shorthander ein. So leichtfertig sollte man keinen Punkt aus der Hand geben. In der Overtime dann die nächste Nürnberger Strafe, und diesmal wusste Iserlohn, was in Überzahl zu tun ist. Jamie Mac Queen setzte den Schlusspunkt.

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