Eishockey

Luxusproblem der Roosters als Dauerzustand

Beim Torhütertraining der Iserlohn Roosters gehört die schnelle Analyse dank eines Videomitschnitts dazu.

Beim Torhütertraining der Iserlohn Roosters gehört die schnelle Analyse dank eines Videomitschnitts dazu.

Foto: Michael May

Iserlohn.  Iserlohner DEL-Klub baut auf das Torhüter-Duo Peters/Jenike - und auf Torwarttrainer Anders Palm.

Für Gesprächsstoff sorgen sie ja regelmäßig, die Torhüter der Iserlohn Roosters. Im letzten Jahr geriet das Duo Mathias Lange/Sebastian Dahm in eine Schwächephase, die frühere Meriten vergessen ließ. Damals wurde mit Niko Hovinen Keeper Nummer drei verpflichtet, der der Mannschaft aber nicht weiterhalf. Heute würde man wohl anders reagieren und alles daran setzen, die Stärken der Goalies wieder freizulegen. Dafür hat man jetzt einen Spezialisten: Anders Palm.

Der 35-Jährige gehört seit dieser Saison zum Trainerstab am Seilersee und dass die Roosters aktuell gewiss kein Torwartproblem haben, dürfte auch mit der Arbeit des Schweden zusammenhängen. Chefcoach Jason O’Leary knüpfte früh den Kontakt und warb für das Projekt am Seilersee, doch dass Palm sein Mitwirken ernsthaft in Erwägung zog, lag an Lukas. Das ist sein zehn Monate alter Sohn.

„Meine Frau Ulrika arbeitet derzeit nicht, so dass wir gemeinsam nach Deutschland übersiedeln konnten. Ohne die Familie wäre ich nicht nach Iserlohn gekommen.“ So aber fand das Ehepaar Palm Gefallen daran, ein anderes Land kennenzulernen und das mittelschwedische Gävle zu verlassen.

Für den Torwarttrainer war es bei seiner Zusage wichtig, nicht auf diese Rolle reduziert zu werden, sondern verantwortliches Mitglied des Trainerstabes zu werden. Er kümmert sich um Scouting und Videoanalysen und stimmt mit O’Leary sowie Co-Trainer Jim Midgley die Trainingsinhalte ab.

Natürlich war er eingebunden in die Torhüterverpflichtungen. „Ich hatte bei beiden ein gutes Gefühl. Wir haben lange gesprochen, und danach wusste ich, dass es für mich leicht werden würde, mit den beiden zu arbeiten,“ erinnert er sich an den ersten Kontakt zu Anthony Peters und Andreas Jenike. Bisher wurde seine Einschätzung bestätigt. „Ich sehe, was sie gut machen, und diese Stärken muss man betonen“, sagt Palm. „Sie müssen spüren, dass die Mannschaft ihnen vertraut.“

Das ist der Fall, und beide Keeper haben bisher ja auch voll überzeugt. Natürlich sieht das geschulte Trainerauge noch Details, die zu verbessern sind. „Aber das sind Kleinigkeiten im Bewegungsablauf oder im Stellungsspiel. Sie machen das richtig gut“, lobt der Schwede. Er ist mit Jenike und Peters in der Regel eine halbe Stunde vor dem Team auf dem Eis und absolviert Spezialeinheiten, die offenkundig Früchte tragen.

Als im Sommer die Festlegung auf dieses Duo erfolgte, war den Verantwortlichen klar, dass es keine eindeutige Rangfolge geben würde. Ein Vorteil? „Ob es nun besser ist, eine klare Nummer eins zu haben oder zwei gleichwertige Torhüter, kann man schlecht sagen. Ich glaube aber, dass es unsere Stärke sein wird, zwei richtig gute Goalies aufbieten zu können“, sagt Palm. Schließlich hat man im Roosters-Tor mehr zu tun als bei anderen Klubs, gelegentliche Spielpausen sind also nicht verkehrt. Wer jeweils den Vorzug bekommt, legt Jason O’Leary auf Palms Empfehlung hin jeweils einen Tag vor dem Spiel fest, und gründlich daneben liegen kann man ja eigentlich nicht. „Wir haben da ein Luxusproblem“, meint Anders Palm schmunzelnd. Am Sonntag in München fiel die Wahl auf Peters, und dessen Leistung lobte der Trainer, obwohl er beim ersten Gegentor nicht gut aussah. „Er hat genügend gute Saves gemacht, um ein normales Spiel zu gewinnen.“

Gleichwertige Goalies sollendie Stärke der Roosters sein

Aber gegen München ist es eben nicht normal, die Mannschaft besitzt enorme Qualität. „Wir haben gut begonnen und waren zwei Drittel lang dran“, meint Palm. Das vierte Gegentor zu Beginn des Schlussabschnitts sei dann aber vorentscheidend gewesen. Sein Fazit: „Wir müssen über 60 Minuten diszipliniert spielen und dürfen uns nicht so viele Scheibenverluste leisten.“

Anders Palm wirkt sehr zufrieden mit seiner Arbeit und seinem Umfeld, und in Iserlohn hat er sich auf Anhieb wohl gefühlt. „Meine Frau und ich lieben die Natur, und hier können wir viel draußen unternehmen.“ Das Heimweh hält sich also in Grenzen, was aber auch am regelmäßigen Besuch aus Schweden liegt. Palms Eltern und Schwiegereltern waren schon vor Ort und wollten natürlich sehen, wie sich der Enkel im fernen Sauerland entwickelt.

Im November, während der Länderspielpause, könnte es im Gegenzug zur Familie nach Göteborg gehen, doch die Palms liebäugeln auch mit einem Trip in die Sonne. Bis dahin stehen jedoch noch sieben Spiele in 17 Tagen an, und in dieser intensiven Phase soll die Stärke der Roosters zur Geltung kommen. Sie können sich auf Anthony Peters und Andreas Jenike verlassen. Auch dank Anders Palm.

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