Eishockey

Ein klarer Plan für die Karriereschritte

Tim Fleischer bei der Begrüßung durch Christian Hommel.

Tim Fleischer bei der Begrüßung durch Christian Hommel.

Foto: Foto: Willy Schweer

Iserlohn.  Tim Fleischer hat sich bei den Roosters etabliert, aber bald „droht“ die DEL-Pause dank des U20-Nationalteams.

Die Niederlagenserie nach der Länderspielpause und mehr noch die beispiellose Torflaute sorgten für Gesprächsstoff bei den Iserlohn Roosters. Gut 215 Minuten ohne Treffer standen auf der Uhr, als ein junger Mann diese Durststrecke am letzten Freitag gegen Bremerhaven beendete. Ausgesprochen cool und mit viel Übersicht schoss Tim Fleischer die 1:0-Führung, und man merkt ihm an, wie sehr diese Motivationsspritze gewirkt hat. „So habe ich in der Jugend immer gespielt, und es ist toll, dass es für mich in der DEL jetzt immer besser läuft.“

Danach sah es zu Saisonbeginn nicht aus, und der 19-Jährige bezeichnet seinen Start am Seilersee als holprig. Dass er nach acht Spielen zum Kooperationspartner Bietigheim in die DEL 2 geschickt wurde, half ihm jedoch auf die Sprünge. „Ich habe zwei Punkte in fünf Spielen gemacht und gemerkt, dass ich die Scheibe nicht immer gleich abspielen muss, sondern mir auch selbst etwas zutrauen darf.“ Als er dann in Schwenningen sein erstes DEL-Tor erzielte, war der Knoten geplatzt, und einen weiteren Schub verspürte Fleischer, als Trainer Jason O’Leary die Reihen neu sortierte und keine reine Youngster-Formation mehr aufbot.

„Wir jungen Spieler haben viel Power, sind manchmal aber etwas wild. Da hilft ein erfahrener Spieler, der ein besseres Stellungsspiel mitbringt.“ Der Jung-Profi, der bei seinen Eltern in Sümmern wohnt, hat aber schon das nächste Ziel vor Augen. „Ich möchte gern auch einmal im Powerplay zum Zuge kommen.“ Für einen wie ihn ist das eine ganz typische Aussage, denn mit Stillstand mag er sich nicht beschäftigen.

Als er vor Jahren seinem Bruder Marc nacheiferte („der ist Torwart geworden, weil er die Masken so cool fand“) und selbst die Schlittschuhe schnürte, ging es am Seilersee bis in die DNL, aber den nächsten Karriereschritt vollzog er bei den Jungadlern Mannheim. Doch vor zwei Jahren standen junge deutsche Spieler bei den DEL-Klubs noch nicht so sehr im Fokus wie aktuell, so dass Fleischer dem Rat einiger Kollegen folgte und sich gen Nordamerika orientierte - nach Hamilton in der kanadischen Provinz Ontario.

„Die Anfangszeit war hart, und ich habe vieles von zu Hause vermisst,“ berichtet der Roosters-Stürmer. Doch in der Rückblende bezeichnet er das Jahr bei den Bulldogs als absoluten Gewinn. „Ich habe gelernt, selbstständig zu sein, und eishockeytechnisch hat es mir viel gebracht.“ Die kleinere Eisfläche zwinge zur schnellen Reaktion. „Du kannst nicht den Puck annehmen und dann erst überlegen, was du machst.“

Das eine Jahr in Kanda hatte einen großen Lerneffekt

Bleibenden Eindruck hat bei ihm ein so genanntes „Teddybear Toss Game“ hinterlassen. „Wenn 12.000 Zuschauer im Stadion sind, du schießt ein Tor, und es fliegen die Teddybären von den Rängen aufs Eis, dann ist das schon ein ganz spezielles Erlebnis.“ Zum Eishockey gehört in Kanada eben auch ziemlich viel Show, und das gefiel dem Sauerländer durchaus.

Aber die Heimat hatte ihn wieder, als das Werben der Roosters sehr konkret wurde. Das neue Konzept überzeugte ihn, und er unterschrieb für zwei Jahre am Seilersee. Und danach soll es weiter voran gehen. Ob in Iserlohn, bei einem größeren Klub oder wieder in Nordamerika. Wichtig ist für den ehrgeizigen jungen Mann nur, dass es weiter vorangeht.

Ans Vorwärtskommen denkt er aber nicht nur beim Eishockey. Nach der elften Klasse verließ er das MGI für den Wechsel nach Mannheim, machte dort sein Fachabitur und hat nach dem Kanada-Intermezzo ein Online-Studium im Bereich BWL und Marketing begonnen. Hörsäle und Seminarräume muss er nicht aufsuchen, was dem Zeitplan eines Eishockeyprofis entgegenkommt. „Leider bin ich nicht immer motiviert. Deshalb ist es gut, dass meine Mutter mich antreibt“, sagt Tim Fleischer, der sich nach der Karriere einen Einstieg im väterlichen Betrieb vorstellen kann.

Aber mit 19 ist das Zukunftsmusik, und aktuell rückt für ihn ein großes Ziel in den Mittelpunkt: Die Teilnahme an der U20-Weltmeisterschaft in Tschechien mit der deutschen Nationalmannschaft. Die Nominierung dürfte ziemlich sicher sein, und er macht keinen Hehl aus seiner Vorfreude. „Wir haben ein starkes Team und können für eine Überraschung sorgen.“

Bei den Roosters hält sich die Begeisterung in Grenzen, denn die Vorbereitung auf die Weihnachten beginnende WM startet bereits am 10. Dezember. Fleischer könnte also bis zu zehn DEL-Spiele verpassen. Doch er sieht es positiv. „Ich komme voller Motivation von einer erfolgreichen WM zurück und kann dann noch dazu beitragen, dass wir die Play-offs erreichen.“ Und weiter: „Man sollte unsere Mannschaft nicht unterschätzen. Ich bin sicher, dass da noch einiges kommt.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben