Fußball Oberliga

Westfalia Herne unter Druck: Keine Zeit für schön schnicken

Trainer Christian Knappmann und Westfalia Herne müssen in der Fußball-Oberliga dringend punkten.

Trainer Christian Knappmann und Westfalia Herne müssen in der Fußball-Oberliga dringend punkten.

Foto: Alexa Kuszlik / FUNKE Foto Services

Herne.  Siege, Tore, Punkte – das fehlt bei Fußball-Oberligist Westfalia Herne. Knappmann rechnet mit dem schlimmsten Fall und wird im Training deutlich.

Als der SC Westfalia Herne vor der Saison den Klassenerhalt in der Fußball-Oberliga als Ziel ausgab, konnte man das für gepflegtes Understatement halten – in der Außenseiterrolle fühlen sich die Herner mit ihrem giftigen Außenseiterfußball ja ganz wohl.

Wer Westfalia mehr zugetraut hatte, wurde bislang allerdings bitter enttäuscht. Sieben Spiele, vier Tore, ein Punkt, Vorletzter – entsprechend angespannt ist die Lage beim Knappmann-Team vor dem Auswärtsspiel beim ASC 09 im Aplerbecker Waldstadion (So., 15 Uhr, Schwerter Straße, Dortmund).

Westfalia Herne: Gute Erinnerungen an Aplerbeck

So angespannt, dass es im Training unter der Woche einmal knallte.

„Zu viele Schlaumeier“ hatte Trainer Christian Knappmann da um sich, wie er beschreibt: „Es ging darum, dass sich einige Sachen erst noch entwickeln müssen und Zeit brauchen. Wir haben aber keine Zeit mehr!“

Die aktuelle Corona-Situation beschäftigt den Trainer zwar vor allem menschlich, aber auch als Sportler: „Nach der Hälfte der Spiele kann die Saison abgebrochen werden, dann müssen wir über dem Strich stehen. Sieben sind rum, 13 haben wir noch.“ Das Spiel in Aplerbeck wäre also der perfekte Zeitpunkt für die Wende, für das erste Spiel mit mehr als einem Tor, aber eigentlich egal: Vor allem für einen Sieg. Zumal es die Schablone für den Erfolg in Dortmund gibt.

Schick und Hatano trafen vor einem Jahr in Dortmund zum Sieg

Auch im vergangenen Oktober war es der insgesamt zehnte Spieltag, als der SCW beim ASC zu Gast war und 2:1 gewann, angeführt von einem sensationellen Enes Schick, der das erste Tor selber machte und das zweite durch Hatano einleitete.

Mit aufopferungsvoller Lauf- und vor allem Zweikampfbereitschaft und Manndeckung übers ganze Feld nahm Westfalia dem Gegner die spielerische Klasse. „Klaus-Augenthaler-Fußball“ nannte Knappmann das nachher – ist dieser Erfolg so einfach zu wiederholen? Nein.

Westfalia Hernes Mannschaft hat andere Stärken als die vor einem Jahr

Während der ASC für Knappmann bis auf Zugang Tim Kallenbach seitdem fast „die gleiche Mannschaft“ ist, hat sich bei Herne einiges verändert. Schick ist weg das gleiche gilt für Maurice Temme, der mit ihm das Mittelfeld aufräumte. Schick spielt inzwischen in Haltern, Temme für Türkspor Dortmund.

„Die beiden hatten eine Mentalität, die ihresgleichen sucht“, schwärmt Knappmann, will dem aktuellen Team dadurch aber nichts wegnehmen.

„Die Mannschaft letztes Jahr hatte in jedem Spiel einen Mentalitätsvorsprung. Unser jetziges Team könnte besseren Fußball spielen – das zeigt sich aber noch nicht auf dem Feld.“ Womit Knappmann wieder beim Thema Zeit ankommt: „Wir müssen jetzt pragmatisch Siege einfahren. Aber wir müssen auch bedenken, dass wir nicht die gleichen Spieler wie letztes Jahr haben – wir brauchen mehr Balance“, so Knappmann, der weiter auf Robert Mainka verzichten muss, aber wieder auf Suat Bas zählen kann.

Schlechte Erinnerungen an Aplerbeck: Hier stieg Westfalia 2015 ab

Keine Frage, „schön schnicken“ ist für Westfalia am Sonntag nicht Priorität. Dass im Gegensatz zum Vorjahr auf Naturrasen statt Kunstrasen gespielt wird, kommt dem noch entgegen.

Nick Jünemann ist einer der Spieler, die das verkörpern, was Knappmann sehen will, aber die anderen müssen sich auch „anzünden lassen“, meint er: „Wir müssen es jetzt verstehen. Sonst lasse ich U19-Spieler spielen.“

In Aplerbeck fand übrigens auch einer der dunkleren Tage der jüngeren SCW-Vergangenheit statt: 2015 verlor das damals von Holger Wortmann trainierte Team 2:4 im Waldstadion, wurde in der Tabelle vom SV Zweckel überholt und stand damit als Absteiger aus der Oberliga Westfalen fest.

13 Spiele, um wieder über dem Strich zu stehen.

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