Fußball

Westfalia Herne insolvent: Das kommt auf den Vorstand zu

Im Stadion am Schloss Strünkede will der SC Westfalia Herne am Sonntag einen sportlichen Erfolg gegen den SV Schermbeck feiern. Derweil wird in der benachbarten Geschäftsstelle an der wirtschaftlichen Zukunft des Vereins gebastelt.

Im Stadion am Schloss Strünkede will der SC Westfalia Herne am Sonntag einen sportlichen Erfolg gegen den SV Schermbeck feiern. Derweil wird in der benachbarten Geschäftsstelle an der wirtschaftlichen Zukunft des Vereins gebastelt.

Foto: Sabrina Didschuneit / WAZ

Herne.  Ein Besuch des Gutachters stimmt Uwe Heinecke sehr optimistisch. Der erklärt nach seinem Besuch am Schloss, wie es jetzt in Herne weitergeht.

Es war ein ganz wichtiger Besuch, den der Vorstand von Fußball-Oberligist Westfalia Herne um Uwe Heinecke am Mittwochvormittag in der Geschäftsstelle im Stadion empfing. Am vergangenen Donnerstag hatte Westfalia einen Insolvenzantrag gestellt. Der vom Gericht bestellte Gutachter war nun eineinhalb Stunden im Stadion, um sich vor Ort einen Überblick zu verschaffen. Und der Vorsitzende Heinecke sprach nachher nur von guten Nachrichten.

Diplom-Betriebswirt Ulrich Zerrath aus Recklinghausen ist vom Amtsgericht Bochum als Gutachter bestellt worden, um zu prüfen, ob Insolvenzgründe vorliegen und ob die Insolvenzmasse reicht, um das Insolvenzverfahren zu eröffnen – das ist Voraussetzung dafür, dass der Oberliga-Spielbetrieb aufrechterhalten werden kann.

Und dafür sieht es offensichtlich gut aus – sogar besser als zu erwarten war.

Vorläufiges Insolvenzverfahren wird nicht benötigt

Zerrath verzichtet darauf, ein vorläufiges Insolvenzverfahren zu eröffnen. „Das ist zum Beispiel in der Industrie nötig, um das Tagesgeschäft zu sichern, wenn noch Waren eingekauft werden müssen“, erklärt er. „Aber da nur noch ein Spieltag bis zur Winterpause ansteht, brauchen wir das nicht.“

Stattdessen will er bis zum Jahresende sein Gutachten beim Amtsgericht abgeben. Das entscheidet dann, ob ein Insolvenzverfahren eröffnet wird – wenn das erfolgt, tritt laut Regularien des Westdeutschen Fußballverbands auch der Abzug von neun Punkten für die Oberligamannschaft in Kraft.

Gutachter Zerrath stellt klar: Jugend und Breitensport sind sicher

Zerrath wollte zum laufenden Verfahren keine Einschätzung abgeben, aber Heinecke verrät, dass die Signale des Gutachters positiv waren.

„Das Gespräch war sehr positiv für den SC Westfalia“, so Heinecke. „Der Gutachter möchte Ruhe im Verein haben – dazu ist wichtig, dass es schnell Klarheit gibt.“ Einige offene Punkte klärte Zerrath deshalb schon im Vorfeld, andere sollen im Verlauf des Verfahrens möglichst zeitnah erledigt werden.

Zerrath stellt direkt klar: Da die Insolvenz auf die Aktivitäten der ersten Fußballmannschaft zurückzuführen sei, blieben die anderen Abteilungen vom Insolvenzverfahren möglichst unbehelligt.

Der Gutachter sagt: „In der Jugendfußball-Abteilung und den anderen Abteilungen, die sich aus den Mitgliedsbeiträgen tragen, steht die soziale Gemeinschaft im Vordergrund – das ist für mich das Wichtigste.“

Gearbeitet werden muss dagegen im Bereich der ersten Mannschaft.

Heinecke hofft auf positive Rückmeldung der Sponsoren

Die kommenden Tage würden nochmal „Fleißarbeit“ für die Westfalia-Verantwortlichen, erklärt Heinecke, bis das Gutachten fertig gestellt ist. Darin soll auch ein Plan festgelegt werden, wie der Spielbetrieb in der Rückrunde finanziert werden soll. Laut Heinecke hat der Verein schon Sponsoren an der Hand, die jetzt bereit sind, zu zahlen.

„Vorher haben die Sponsoren sich zurückgehalten, um nicht in die Verbindlichkeiten zu investieren“, so Heinecke, nach dessen Aussage jetzt auch die Spielergehälter für den Zeitraum von Oktober bis Dezember gesichert sind.

Mögliches Verfahren könnte bis zur kommenden Saison abgeschlosse sein

Die Hoffnung ist, jetzt einen Plan für die Rückrunde aufzustellen – und dann das Kapitel Insolvenz schnell abzuschließen. „Der Plan ist, dass das Insolvenzverfahren zum Jahreswechsel eröffnet ist und nach einem halben Jahr abgeschlossen ist“, so Heinecke.

Um ein Insolvenzverfahren zu verkürzen, muss laut Zerrath ein Insolvenzplan erarbeitet werden, dem die Gläubiger zustimmen – und zwar sowohl mit „Kopfmehrheit“ (also mehr als die Hälfte der Gläubiger) als auch mit „Kapitalmehrheit“ (diese Mehrheit muss auch mehr als die Hälfte der Forderungen vorweisen) – bis dahin sind es aber noch einige Schritte.

Sonntag geht es zu Hause gegen Schermbeck

Nicht nur, dass Gutachten und Urteil abgewartet werden müssen, es steht ja noch ein Heimspiel an. Und im Kontext der 0:3-Pleite gegen Siegen ist eines für Westfalia-Fans wichtig: „Die Entscheidung, ob ein Insolvenzverfahren eröffnet wird, richtet sich nur nach den finanziellen Aussichten, nicht nach den sportlichen“, so Zerrath.

Gewinnen sollte Westfalia am Sonntag trotzdem, um 14.30 Uhr geht es am Schloss gegen den SV Schermbeck.