Fußball Kreisliga B

Warum das komplette Team des FC Herne 57 zu Fortuna wechselt

Der FC Herne 57 im Kreispokal gegen Firtinaspor – die Asche ist genau so Geschichte wie die erste Mannschaft der 57er, die bald für Fortuna Herne spielt.

Der FC Herne 57 im Kreispokal gegen Firtinaspor – die Asche ist genau so Geschichte wie die erste Mannschaft der 57er, die bald für Fortuna Herne spielt.

Foto: Vladimir Wegener / FUNKE Foto Services

Herne.  „Das ist keine schlechte Truppe“, sagt der Vorstand des FC Herne 57. Trotzdem gehen mehr als 20 Spieler – es geht dabei um mehr als den Trainer.

Wer hat in der Kreisliga das letzte Wort? Die Mannschaft? Oder der Vereinsvorstand? Wer entscheidet über den Trainer? Der Streit über diese Frage führt dazu, dass eine komplette Herner Mannschaft den Verein wechselt: Mehr als 20 Spieler des FC Herne 57 haben sich vom Verein abgemeldet und wechseln als Kollektiv zum SV Fortuna Herne.

„Es ging am Ende um den Einfluss, wer das Sagen hat“, sagt Benjamin Villis, Vizekapitän der Mannschaft. Michael Meisner, Vorsitzender des FC 57 sagt: „Wir wollten uns nicht wieder von der Mannschaft die Pistole auf die Brust setzen lassen.“ Eine Machtprobe zwischen Vorstand also – eine besondere.

FC Herne 57: Die erste Mannschaft hatte Autonomie im Verein

Die erste Mannschaft genoss vorher innerhalb des Vereins Autonomie. „Wir haben uns selber um alles gekümmert“, sagt Villis. „Wir haben uns Sponsoren und eine Ausrüstung besorgt und auch um den Trainer gekümmert.“ Man hätte sich mehr Unterstützung gewünscht, heißt es. Auf der anderen Seite bedeutete das auch viele Freiheiten.

Wenn die Mannschaft einen Trainer ausgesucht hatte, wurde der dem Vorstand vorgeschlagen, der dann den Rest erledigte. Nach Meinung des Vorstand wechselten die Trainer zuletzt aber zu oft.

In die Saison ging der FC 57 mit Thomas Poersch an der Linie, nach einem schwachen Start folgte Anfang September die Trennung. Ab dem Winter übernahm Frank Huschler. Nach der Corona-Pause wollte die Mannschaft mit Maik Stocker zusammenarbeiten – diesmal wollte der Vorstand bei der Trainersuche aber mitreden.

Maik Stocker sollte Trainer werden, der Vorstand wolllte mitreden

„In den letzten fünf Jahren hatten wir drei Trainer, alle wurden von der Mannschaft abgesägt“, sagt Meisner. „Der letzte hatte vor der Corona-Pause ja nur zwei Monate Zeit. Trotzdem wollte die Mannschaft wieder einen neuen.“

Stocker eben, zuvor Trainer bei Wanne 11 und beim SV Fortuna. Der Vorstand sprach aber auch noch mit anderen Kandidaten. „Wir haben nun mal wie ein Vereinsvorstand agiert“, erklärt Meisner. „Die Entscheidung wurde immer weiter hinausgezögert“, sagt Villis. Letztendlich stimmte der geschäftsführende Vorstand gegen Stocker – und damit auch gegen die Mannschaft.

„Wir hatten damit gerechnet, dass es einige Abmeldungen geben könnte“, sagt Meisner. „Aber unter dem Zeitdruck sind wir nicht zusammengekommen. Das ist unglücklich gelaufen. Hätten wir direkt am Anfang der Corona-Pause darüber gesprochen, wäre mehr Zeit gewesen.“

Vom Verein aus gibt es kein böses Blut: „War eine gute Truppe“

Villis sagt: „Wir wären gerne geblieben. Viele Jungs haben fast zehn Jahre alles für den Verein gegeben, ihn gut nach außen repräsentiert.“ Das „Team 57“ war im Stadtleben, vor allem auch in der Fußballszene bei Turnieren und Auswärtsspielen ein gutes Aushängeschild für den Verein.

Seit wenigen Monaten hat der Club am Stadtgarten einen nigelnagelneuen Kunstrasen – auch das war am Ende alles kein Argument mehr für den Verbleib.

Beim FC 57 soll die zweite Mannschaft, die sich vor einigen Jahren neu gegründet hat, den Platz in der Kreisliga B einnehmen. Meisner sagt: „Es sieht gut aus, wir haben viele Leute – vielleicht können wir sogar auch eine C-Liga-Mannschaft stellen.“ Böses Blut gibt es nicht: „Das war und ist keine schlechte Truppe. Wir haben die Ablösehandlungen mit Fortuna fair geführt, so dass alle Spieler dort direkt spielen können und nicht gesperrt sind.“

Die neue Mannschaft startet als Fortuna II in der Wanner B-Liga-Staffel

Über Trainer Stocker war der Draht zum SV Fortuna kurz. Für den Club aus Horsthausen sind die Zugänge ein Glücksfall. 2017/18 hatte der SVF seine erste Mannschaft aus der Bezirksliga zurückgezogen. Nach einem Jahr in der A-Liga konnte der Club dort vergangene Saison kein Team stellen.

„Wir sind zwar sportlich erfolgreich, aber es kann ja jeder sehen, dass die Zahl der Mannschaften bei uns auf dem absteigenden Ast war“, sagt Vorstand Manfred Judel. „Die kennen ja auch unsere bisherige Zweite, die haben ja in einer Staffel gespielt.“

Fortunas zweite Mannschaft verdiente sich da den Aufstieg in die Kreisliga A. Da die Männer um Murat Köker, Pascal Sickel und Fatih Cimsit aber nicht mehr die Jüngsten sind, bleiben sie in der B-Liga, gehen dort jetzt aber als erste Mannschaft in den Start, werden auch im Kreispokal antreten. „Das habe ich dem Team versprochen“, sagt Judel.

Das ehemalige „Team 57“ betritt in der Parallelstaffel gegen die Mannschaften aus Wanne-Eickel Neuland – dann als Fortuna II.

Mehr Bilder und Artikel aus dem Herner und Wanne-Eickeler Sport gibt es hier.

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