Fußball

Walking Football Wanne: Wenn die Füße nie aufhören zu jucken

Die Old Stars Wanne-Eickel am Rande des Freundschaftsspiels gegen eine Walking-Football-Mannschaft aus Köln.

Die Old Stars Wanne-Eickel am Rande des Freundschaftsspiels gegen eine Walking-Football-Mannschaft aus Köln.

Foto: Old Stars Wanne-Eickel

Herne / Wanne-Eickel.  Walking Football ist eine gemütlichere, geselligere Art des Fußballs, vor allem auch für ältere Kicker. Die Old-Stars Wanne-Eickel machen es vor.

Das Haupthaar ist licht geworden, die Körperrundungen deutlich ausgeprägter und schnelle Bewegungen gehören längst der Vergangenheit an - aber in den Füßen juckt es einfach noch genauso wie vor zwanzig, dreißig Jahren. Welcher leidenschaftliche Fußballer das an sich beobachtet und noch nicht den Drang verspürt, endgültig vom Altherren-Spielfeld an den Stammtisch wechseln zu wollen, für den ist Walking Football eine tolle Alternative. Eine gemütlichere Spielart des Fußballs.

Aus England stammend hat sich der Walking Football („Geh-Fußball“) über die Niederlande nach Deutschland durchgearbeitet.

Der älteste Teilnehmer ist 74 Jahre alt

Seit gut eineinhalb Jahren wird der Seniorensport auch in Herne praktiziert. Benno Enseling und Markus Krämer, zwei Fußball-Urgesteine der Stadt, haben ausgehend von einem eigenen Projekt ein dauerhaftes Engagement ins Leben gerufen. „Inzwischen sind wir über vierzig Leute“, erklärt Benno Enseling, „davon sind ungefähr zwanzig regelmäßig aktiv.“

Der älteste Teilnehmer ist 74 Jahre alt. Auf dem Platz von Rasensport Wanne in Bickern ist das Team zu Hause, das nicht als offizieller Verein organisiert ist, sondern als freie Sportgruppe. Man trifft sich wöchentlich, zum kicken, aber auch zum gucken und quatschen. In der letzten Woche hatte man eine Mannschaft aus Köln zu Gast und veranstaltete ein Freundschaftsspiel.

Faires Spiel ohne rustikale Aktionen

Organisierten Spielbetrieb wie etwa in England gibt es bei den hiesigen Geh-Fußballern hingegen noch nicht. Die Spielart steckt gewissermaßen noch in den Kinderschuhen. Aber auch Profivereine wie Schalke, Leverkusen, Bremen und Wolfsburg haben den Trend für sich bereits entdeckt.

Gespielt wird, wie der Name schon sagt, vornehmlich im Gehen. Der Ball darf nicht über Hüfthöhe hinaus gespielt werden. Außerdem wird fair gespielt, ohne rustikale Aktionen und die sonst üblichen Rempeleien. Ein Schiedsrichter wäre deshalb prinzipiell nicht nötig. „Aber irgendeiner findet sich immer, der von außen ein bisschen aufpasst“, so Initiator und Mitspieler Benno Enseling. Sicherheitshalber, sozusagen.

Ehrgeiz ist immer noch da – auch im Schritttempo

Im Vordergrund steht der Spaß und das bewegte Älterwerden. Der Ehrgeiz aus früheren Jahren jedoch lässt sich, selbst wenn man nur noch im Schritttempo unterwegs ist, doch nicht immer ganz zurückhalten. So auch im Freundschaftsspiel. Die Partie (2 x 25 Minuten) gegen die Kölner Auswahl ist deshalb keine auf Augenhöhe.

Von Gehen ist da nämlich keine Spur zu sehen, das Jucken vor allem in den Füßen der Gäste muss wohl noch zu stark sein. Es ist vielmehr mächtig Dampf im Kölner Kessel und schon zur Pause liegen die Wanner Oldies deutlich hinten, Endstand 4:6. „Macht mal ein bisschen lockerer“, schnauft einer. „Geh mal noch Bier holen“, delegiert anderer.

Die junggebliebenen Kicker haben in jedem Fall sichtlich Spaß an der Bewegung und parieren jede Schwächel-Erscheinung mit Humor. Ausgewechselt werden darf beim Walking Football immer wieder, insofern gerät beim Sechs-gegen-Sechs auf dem Kleinspielfeld auch niemand allzu stark aus der Puste.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben