Stadion

VfL Bochum hilft Westfalia Herne mit Darlehen aus der Klemme

Sascha Loch (sitzend rechts), Vorsitzender von Westfalia Herne, bei der Vertragsunterschrift mit VfL-Sportvorstand Christian Hochstätter. Im Hintergrund die Westfalia-Vertreter Thomas Gerres (Marketingleiter), Christian Knappmann (Trainer) und Jürgen Stieneke (Ehrenvorsitzender).

Foto: Barbara Zabka

Sascha Loch (sitzend rechts), Vorsitzender von Westfalia Herne, bei der Vertragsunterschrift mit VfL-Sportvorstand Christian Hochstätter. Im Hintergrund die Westfalia-Vertreter Thomas Gerres (Marketingleiter), Christian Knappmann (Trainer) und Jürgen Stieneke (Ehrenvorsitzender). Foto: Barbara Zabka

Herne.  Weil der Umbau des Stadions sich verzögert entgehen Westfalia Herne Einnahmen in sechsstelliger Höhe. Nun hat der Zweitligist Hilfe zugesichert.

„Immer wenn ich hier im Stadion war, habe ich es gespürt: Das ist der Fußball, mit dem ich groß geworden bin und wie ich ihn liebe“ - so etwa sagt es Christian Hochstätter, Sportvorstand des VfL Bochum. Dabei steht er im Schlamm einer riesigen Baustelle, sieht Pfützen, wo dermaleinst ein Kunstrasen liegen soll, und atmet den morbiden Charme des alten Strünkeder Stadions, das jetzt German Flavours Park heißt.

Dass hier mehr fehlt als eine bespielbare Fläche, dass die Duschen kalt sind, dass es durchs Dach regnet, dass nun auch die Heizung ausgefallen ist, das alles erfährt Hochstätter von Sascha Loch, dem Vorsitzenden des SC Westfalia, und von dessen Vorgänger Jürgen Stieneke, der den Traditionsclub seit 20 Jahren mit Geldspritzen am Leben hält. „Aber es wird immer mehr“, stöhnt Stieneke – und lässt ahnen, dass auch seine Mittel begrenzt sind.

Sechsstellige Summe geht Westfalia verloren

Die Sorgen und Nöte des Amateurfußballs sind hinlänglich bekannt. Immer wieder geben Vereine auf, so wie jüngst der TSV Marl-Hüls und der SC Hassel. Auch Westfalia Herne steht alle paar Jahre am Rande der Pleite - diesmal aber nicht aus eigenem Verschulden. Der Umbau des Stadions hat sich verzögert, der Oberligist muss wohl eine ganze Saison lang auf sein Zuhause verzichten. Jetzt im Winter weicht er mit Training und Spiel meist nach Dortmund aus. Zwar genießen die Herner dort laut Trainer Christian Knappmann „eine riesige Gastfreundschaft“ des TuS Bövinghausen, aber die Einnahmeausfälle können sie damit nicht kompensieren. Eine sechsstellige Summe geht dem SCW nach eigener Schätzung flöten. Da wird es schwer, durch den Winter zu kommen und die Saison zu überstehen.

Also hat der SCW zusammen mit der Stadt einen Hilferuf abgesetzt. Auf Initiative von OB Frank Dudda gingen Briefe an die großen Nachbarn Dortmund und Schalke mit der Bitte, solidarisch zu helfen.

VfL Bochum erinnert bei Unterstützung an die 70er-Jahre

Einen ähnlichen Brief an den VfL Bochum konnten sich die Herner sparen. Denn Christian Hochstätter hatte schon Wind von der aktuellen Lage beim SCW bekommen, war selbst initiativ geworden und hatte Hilfe angeboten. „Den VfL und die Westfalia verbindet mehr als bloße Nachbarschaft“, erklärten die VfL-Vorstände Wilken Engelbracht und Christian Hochstätter unisono. „Nicht wenige VfL-Fans erinnern sich heute noch gerne daran, wie die Westfalia in den 70er-Jahren spontan und unkompliziert ihre Unterstützung angeboten hat und der VfL aufgrund des Umbaus vom Ruhrstadion für mehrere Spiele ans Schloss Strünkede ausweichen durfte.“

Über die naheliegende Idee, ein Freundschaftsspiel zu vereinbaren, war man sich schnell einig. Das soll in familienfreundlichem Rahmen im German Flavours Park steigen, möglicherweise als Eröffnungsspiel des neuen Stadions in der Sommervorbereitung. Um die Durststrecke bis dahin zu überbrücken, helfen die Bochumer mit einem großzügiges Darlehen, das mit dem Spiel im Sommer anteilig zurückzuzahlen ist. „Damit sind wir noch nicht über den Berg, aber die halbe Strecke dürften wir geschafft haben“, freute sich SCW-Boss Sascha Loch über die Solidarität des VfL.

Für die andere Hälfte der Strecke nimmt Christian Knappmann auch die Fans in die Pflicht. „Posts in den sozialen Medien bringen uns nichts. Wer uns helfen will, kommt nach Bövinghausen, kauft eine Karte, isst ‘ne Wurst und trinkt ein Bier.“

Topspiel für die Westfalia beim ASC 09 Dortmund

Das Drumherum mit Stadion und Finanzen ausgeblendet: Das sportliche Ziel für diese Saison hat der SC Westfalia Herne mittlerweile umdefiniert. War anfänglich noch von „zunächst der Klassenerhalt und dann weitersehen“ die Rede, sagt Christian Knappmann, Hernes Trainer, vor dem Auswärtsspiel am Sonntag (14.30 Uhr, Schweizer Allee 29a) beim ASC Dortmund: „Der Dritte ist der erste Verlierer“.

Denn mit den vorzeitig aus der Liga verabschiedeten SC Hassel und TSV Marl-Hüls stehen schon zwei Absteiger fest, und die Herner selbst haben als Aufsteiger bisher eine starke Saison gespielt, haben als Tabellenachter mit 19 Punkten nur drei Zähler Rückstand auf Aufstiegsplatz zwei.

Nach drei Wochen Ligapause geht es wieder um Punkte

Den belegt zurzeit Gastgeber ASC 09 Dortmund: Für die Herner steht also am Sonntag auf Kunstrasen in Dortmund ein Spitzenspiel an. Die Herner hatten drei Wochen Ligapause, unterbrochen vom 1:0-Pokalsieg vergangene Woche beim SV Sodingen: „Wir freuen uns, dass es wieder um Punkte geht“, sagt Christian Knappmann. Der ASC 09 sieht es nach der Spielpause am Totensonntag-Wochenende ähnlich. Knappmann und Dortmunds Trainer Adrian Alipour, die sich aus gemeinsamen Zeiten unter anderem beim Wuppertaler SV kennen, haben gemeinsam das Spiel RW Ahlen gegen Ennepetal beobachtet und waren sich einig, dass ihre Teams auf jeden Fall, also auf Kunstrasen, an diesem Sonntag gegeneinander spielen sollen.

Der Tabellenzweite stelle ein junges und starkes Team, aber die Herner, so Knappmann, nehmen sich einen Punkt als Minimalziel vor – unter anderem mit aggressivem Anlaufen bei gegnerischem Ballbesitz.

Im Rhythmus, so Knappmann, sei sein Team geblieben. Einem Testspiel gegen den VfL Kemminghausen folgte vergangenen Freitag das Pokalspiel in Sodingen, an diesem Dienstag testeten die Herner außerdem beim Landesligisten SSV Muehlhausen/Uelzen und gewannen mit 6:0.

Nach dieser Begegnung hat Knappmann für die Aufstellung am Sonntag ein paar Optionen mehr: „Einige, die zuletzt nicht so im Fokus waren, haben stark gespielt“, sagt Hernes Trainer, der vor allem die zweite Halbzeit seines Teams lobte.

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