Fussball

Spektakel am Schloss Strünkede bleibt ohne Sieger

„Fatmir Ferati Fußballgott“ schallte ihm von der Tribüne entgegen, als sich Hernes dreifacher Torschütze für seinen Freistoßtreffer zum 2:1 feiern ließ . Auch von Marko Onucka, der Ferati hier die Schulter tätschelt.

Foto: Thorsten Tillmann

„Fatmir Ferati Fußballgott“ schallte ihm von der Tribüne entgegen, als sich Hernes dreifacher Torschütze für seinen Freistoßtreffer zum 2:1 feiern ließ . Auch von Marko Onucka, der Ferati hier die Schulter tätschelt. Foto: Thorsten Tillmann

Westfalia Herne und der FC Iserlohn trennen sich nach 90 packenden Minuten 3:3. Dreifacher Torschütze Fatmir Ferati ist der König der Standards.

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SC Westfalia Herne -
FC Iserlohn 3:3

Tore: 0:1 (1.) Gräßer, 1:1 (41.) Ferati (Foulelfmeter), 1:2 (60.) Ferati, 2:2 (64.) Nweke, 2:3 (79.) Akgül, 3:3 (87.) Ferati (Foulelfmeter).

SCW: Königs - Rößler, Zaskoku, Kühn, Steuke (72. Haar) - Klaas - Onucka, Ferati - Trisic, Ramsey (87. Mumcu), Maldea (53. Mützel).

FCI: Dreesen - Deppe, Herder, Cala, Dimitrov - Gräßer (90. Kozlowski), Meckel, Sarisoy (66. Borchmann), Yildirim - Lenz, Nweke (78. Akgül).

SR: Durica Dzijan (Lippstadt).

Rote Karte: Mützel (SCW/67.).

Langeweile war früher. Wer dieser Tage einen ruhigen Sonntagnachmittag verleben möchte, sollte ums Stadion Schloss Strünkede einen ganz weiten Bogen machen. Was beim 3:3 zwischen dem SC Westfalia Herne und dem FC Iserlohn abging, liefert den Augenzeugen locker Gesprächsstoff für die ganze Woche. Nach zwölf Sekunden zappelte die Kugel bereits im Netz, danach folgten 93 intensive Minuten von höchstem Unterhaltungswert. „Ihr habt auf dem Platz genug Emotionen erlebt und ein richtiges Spektakel gesehen“, fasste Gäste-Trainer Christian Hampel das Geschehen zusammen. „Und unter dem Strich ist das Ergebnis auch verdient.“

Dem konnte Christian Knappmann nur beipflichten. „Christian hat das genau auf den Punkt gebracht“, stimmte Hernes Coach der kompletten Spielanalyse seines Kollegen uneingeschränkt zu – zum Erstaunen jener, die ihn vorher beobachtet hatten. Denn da war er auf Hampel gar nicht gut zu sprechen. Weil er eine große Nähe zwischen Iserlohner Bank und Schiedsrichter wahrgenommen und das nach dem schnellen Rückstand auch artikuliert hatte, musste Knappmann bereits in der 3. Minute den Innenraum räumen. Fortan tigerte er rastlos auf den unteren Tribünenstufen herum, brüllte seine Anweisungen, durchlebte und durchlitt die 90 Minuten wie sonst auch – nur eben jenseits des Zauns.

Herner Angriffswellen verpuffen erfolglos

Was er von dort sah, musste ihm einfach zusetzen. Auch weniger beteiligte Beobachter mit moderatem Erregungspotential konnten kaum fassen, was sich vor ihren Augen abspielte. Angriff auf Angriff rollte auf das Iserlohner Tor, fast im Minutentakt kamen Marko Onucka, Milko Trisic und Co. zum Abschluss, aber immer wieder riss Teufelskerl Dreesen im FCI-Kasten rechtzeitig die Fäuste hoch oder einer seiner Vorderleute bekam noch ein Körperteil dazwischen. Der SCW versuchte alles, aber irgendwie wollte der Ball nicht ins Tor. Und als nach 20 Minuten die Herner Angriffswellen erstmal verebbten, hätte es gut und gern 4:1 stehen können, ja müssen.

Doch es stand 0:1, weil Westfalia den Start verpennt hatte. Der erste Herner, der den Ball berührte, war Pascal Königs – um ihn nach zwölf Sekunden aus dem Netz zu klauben. Direkt nach dem Anstoß wurde der Ball auf die rechte Iserlohner Angriffsseite gespielt, Raphael Gräßer ließ Kevin Steuke einfach stehen und rannte, von weiteren Hernern unbehelligt, bis in den Sechzehner, um dann mit dem Vollspann unhaltbar abzuschließen. Der Wecker hatte geklingelt, jetzt nahm auch der SCW am Spiel teil. Auch der SCW? Nein, nur der SCW. Erst als sich die Herner ihre Wut rausgelaufen hatten und die Angriffswucht nachließ, fand auch Iserlohn wieder statt.

Gäste spielen Kontersituationen schlecht aus

Die Gäste hätten sogar nachlegen können, wenn sie ihre Kontersituationen cleverer ausgespielt hätten. Denn Herne war extrem offensiv eingestellt, und nicht nur einmal fehlte nach Ballverlusten weit in der Iserlohner Hälfte eine Absicherung. Zum Glück für den SCW blieb diese Schwäche im defensiven Umschalten folgenlos.

Irgendwann konnte auch der nur im Auftreten sichere Schiedsrichter nicht mehr anders, als für den SCW zu pfeifen. Als der ansonsten blasse Marcel Ramsey nach einer Ecke den zweiten Ball erwischte, wurde er – mit dem Rücken zum Tor – von Gräßer zu Fall gebracht. Ein unnötiges Foul, aber ein Foul, das Fatmir Ferati vom Punkt eiskalt bestrafte.

Wachrüttler auch in Halbzeit zwei

Auch Halbzeit zwei begann mit einem Wachrüttler. Diesmal hatte Herne Glück, dass Nwekes Schuss vom Pfosten ins Feld zurückprallte. Danach bekam der SCW das Spiel wieder in den Griff und bog sogar auf die Siegerstraße ein, als Ferati eine einstudierte Freistoßvariante mit einem Kunstschuss in den Giebel abschloss. Doch die kalte Dusche folgte prompt. Die Abwehr bekam den Ball nicht weg, Kühn produzierte eine „Kerze“, und Nweke drückte Gräßers Hereingabe zum 2:2 über die Linie (64.). Kurz darauf sah Mützel nach einem Revanchefoul „Rot“. Herne war in Unterzahl – und wenig später in Rückstand, als Akgül bei seiner ersten Ballberührung einen Haar-Patzer ausnutzte.

Knappmann warf alles nach vorn, beorderte Kühn ins Sturmzentrum, ging volles Risiko. Und wurde belohnt. Nach einer Kopfballstafette kam Haar im Strafraum zu Fall, erneut zeigte Dzijan auf den Punkt –. zu Unrecht, wie Knappmann einräumte. Fatmir Ferati war’s egal. Er nagelte die Kugel zum dritten Mal in die Maschen und rettete dem Spitzenreiter einen Punkt. Als dann auch noch die Niederlagen der Verfolger aus Lünen und Hordel bekannt worden, war Westfalias Fußballwelt wieder in bester Ordnung.

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