Behindertensport

Showdown-Turnier in Herne: Wettbewerb über den Sport hinaus

Showdown stammt ursprünglich aus Kanada und hat sich seit 2004 auch in Deutschland verbreitet. Hier ist Tanja Janatzek in Aktion.

Showdown stammt ursprünglich aus Kanada und hat sich seit 2004 auch in Deutschland verbreitet. Hier ist Tanja Janatzek in Aktion.

Foto: Klaus Pollkläsener

Beim ersten Showdown-Turnier in Röhlinghausen trafen sehende und blinde Spieler aufeinander. Das hatte einen besonderen Grund.

Es wirkt zunächst etwas merkwürdig, warum sich der Mann, der sich gerade neben das Spielbrett gestellt hat, Ohrenstöpsel in die Ohren steckt. Schnell wird aber klar, dass das keine allzu schlechte Idee war. Showdown ist, obwohl kaum ein Wort gesprochen wird und auch kaum Zuschauer zugegen sind, ein ziemlich lauter Sport.

Seit Februar diesen Jahres hat auch Herne seinen eigenen Showdown-Standort. Sieben Monate später richtete das Leistungszentrum nun zum ersten Mal ein eigenes Turnier aus. Beim „Blind-Sehend-Showdown-Turnier“ ging es nicht nur um das Turnier an sich, die Veranstalter wollten auch etwas über das Spiel hinaus bewirken.

Showdown ist mit weit über 100 Aktiven eine der beliebtesten Ballsportarten für Menschen mit Handicap in Deutschland. Die Sportart, mit Tortaschen an jedem Ende und einer Mittelwand, kommt ursprünglich aus Kanada und wurde dort Ende der 1970-er-Jahre für Blinde und Sehbehinderte entwickelt. Seit 2004 hat sich der Sport auch in Deutschland immer weiter verbreitet.

Der Herner Standort entwickelt sich langsam zu einer festen Stütze im Showdown. Die Gründe sind einfach. „Wir haben hier viel Patz und zwei, bald sogar drei feststehende tschechische Platten. Die Mercedesse unter den Showdown-Platten“, erzählt Standortleiter Simon Janatzek, der mit seiner sehenden Partnerin Tanja Janatzek ebenfalls an dem Turnier teilnahm.

Diese Kombination zeichnete das Turnier am Samstag aus. Jedes der zehn teilnehmenden Teams bestand aus einem sehenden und einem blinden oder sehbehinderten Spieler.

Internationale Regel stößt auf Kritik

Auf nationaler Ebene ist das so weit keine große Neuerung. Das Ehepaar Janatzek wollte mit dem Turnier auf einen Missstand auf internationaler Ebene aufmerksam machen: Denn dort sind, laut Regeln der International Blind Sports Federation (IBSA), sehende Spieler nicht spielberechtigt. Das führt unter anderem zu der kuriosen Situation, dass der sehende Deutsche Meister im Showdown nicht an internationalen Turnieren teilnehmen darf, obwohl er sportlich dafür qualifiziert wäre.

Die Erklärung für diese Regel, lieferte Kevin Barth vom Showdown-Bundesligisten BSSV Dortmund: „Man will, dass Showdown eine Paralympische Disziplin wird. Deshalb werden die Sehenden international ausgeschlossen.“

Eine Regel, die auf wenig Verständnis bei den Sportlern in Herne stößt. Hier sind schließlich alle Spieler mit Hilfe verdunkelter Brillen auf den gleichen Sehleistungsstand gebracht.

Den Weg auf die politische Bühne, um gegen diese internationale IBSA-Regeln anzugehen, möchte Simon Janatzek allerdings nicht bestreiten: „Dafür ist Herne auch nicht der richtige Ort. Wir möchten das Thema mit diesem Turnier lieber sportlich angehen und so darauf aufmerksam machen.“

Die kommenden Turniere, die der Showdown-Standort Herne ausrichten wird, böten weitere sportliche Gelegenheiten, um auf diese Tatsache hinzuweisen. Die Landesmeisterschaften der Damen und Herren werden im Oktober und November in Herne stattfinden. Eine gute Bühne wäre es allemal.

>> Mit Schläger und einem geräuscherzeugendem Ball

Showdown, oder Tischball, ist eine Sportart für blinde, sehbehinderte oder sehende Spieler. Als Sehend gelten Spieler, wenn sie über 10 Prozent Restvisus besitzen.

Die Ausrüstung der Spieler besteht aus einer lichtundurchlässigen Brille, einem Handschuh und einem speziellen Schläger. Gespielt wird mit einem geräuscherzeugenden Ball.

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