Fußball-Oberliga

Oberligist SC Westfalia forciert den Herner Jugendstil

Mit Nikolai Pakowski (r.) kommt ein junger und schneller Linksfuß für die Offensive vom TV Jahn Hiesfeld zum SC Westfalia.

Mit Nikolai Pakowski (r.) kommt ein junger und schneller Linksfuß für die Offensive vom TV Jahn Hiesfeld zum SC Westfalia.

Foto: Heiko Kempken / Heiko Kempken / FUNKE Foto Services

Der SC Westfalia Herne geht mit einem sehr jungen Kader in die neue Oberligasaison. Ilias Anan verlässt die Strünkeder, dafür kommt Kaniwar Uzun.

Der SC Westfalia Herne pflegt weiterhin den Jugendstil, ja forciert ihn noch. Fünf von acht externen Neuzugängen kommen direkt aus einer benachbarten U19-Mannschaft, zwei weitere haben gerade ihr erstes Jahr bei den Senioren hinter sich. Zudem schafften vier Jungs aus dem eigenen Nachwuchs den Sprung in den Oberligakader. Und dennoch – oder gerade deshalb – freut sich Trainer Christian Knappmann riesig auf die neue Spielzeit und backt auch bei der Formulierung der Saisonziele lieber große Brötchen. „Wir wollen gern oben mit dabei sein und nach Möglichkeit einen der beiden ersten Plätze ergattern“, sagt er.

Sich hohe Ziele zu stecken, ist für den A-Lizenz-Inhaber kein Zeichen von Hochmut. „Für mich ist das eher sympathisch. Ich glaube nicht, dass man bereits erfolgreich ist, wenn man alle Ziele erreicht. Vielleicht hat man die Ziele nur zu niedrig gesetzt“, heißt das in seiner Logik.

Fünf Trainingseinheiten pro Woche

Hernes Trainer ist für seine oft spezielle Sichtweise bekannt, und auch die von ihm gestellten Anforderungen sind für einen Fünftligisten eher außergewöhnlich. Wird andernorts vier-, mitunter auch nur dreimal pro Woche trainiert, setzt er fast durchgehend fünf Einheiten an. Auch das sei ein Grund für Tim Eibold, den Sportlichen Leiter, und das Trainerteam, auf junge, hungrige Spieler zu setzen, die sich noch verbessern wollen und vom Sprung in die vierte oder gar dritte Liga träumen. „Ich glaube, dass unsere Arbeitsweise einfach besser zu diesen Spielertypen passt“, sagt Knappmann. „Ein 28- oder 30-Jähriger, der Familie hat und eine geregelte Arbeit, hat vielleicht keinen Bock, fünfmal pro Woche zu trainieren. Verständlicherweise.“

Also ist Knappmann glücklich mit dem, was er hat – auch wenn ihm ein Schlüsselspieler noch von der Fahne ging. Ilias Anan sucht sich einen neuen Club. Was genau der Grund ist, solle intern bleiben. „Ili hat von seiner Ausstiegsklausel Gebrauch gemacht, und das ist für uns in Ordnung.“ Damit sei für ihn das Thema durch, zumal er die entstandene Lücke sofort schließen konnte. Mit Kaniwar Uzun (20) holten die Herner einen 1,96 m großen, technisch versierten Offensiv-Allrounder aus Holzwickede. „Das ist ein anderer Spielertyp als Ili, aber auch ein richtig guter Junge“, sieht Knappmann in Uzun viel Potenzial.

Knappmann traut jungen Spielern viel zu

Auch anderen Jungspunden traut der Trainer zu, sich auf Anhieb in der Oberliga durchzusetzen. Nikolai Pakowski etwa, der bereits ein Jahr für Jahn Hiesfeld in der Oberliga gespielt hat, ein schneller Linksfuß für die offensive Dreierreihe. „Das ist ein frecher Typ, der einen Trainer schon mal verzweifeln lässt, der aber auch den Unterschied ausmachen kann“, charakterisiert ihn sein neuer Coach.

Ein „ganz spannender, aufgeweckter Junge“ sei auch der 1,95 m große Innenverteidiger Henry Haferkorn, der als Vizekapitän vom A-Jugend-Bundesligisten RW Oberhausen kommt. Mit ihm kommt Kerem Sengün (18) von RWO. „Der bringt unfassbare Geschwindigkeit mit und ist ein kleiner Kampfzwerg für den linken Flügel“, fasst Knappmann seine Eindrücke zusammen.

Ein Typ wie Podolski

In eine ähnliche Kategorie könnte Qlirim Gashi gehören, ebenfalls erst 18 und Linksfuß. „Er ist schnell und trickreich, ein Typ wie Podolski“, beschreibt ihn sein künftiger Trainer. Wie Gashi kommt Innenverteidiger Caspar Biebersdorf aus der U19 von RW Essen. Er ist allerdings ein Herner Junge, der in der Westfalia-Jugend groß geworden ist,und ebenso wie Nick Jünemann (VfB Waltrop U19) und die Herner Eigengewächse Niclas Grzelka, Xavery Lampka, Simon Freitag und Tim Berthold den Konkurrenzdruck im Kader hoch halten wird.

Als einziger „gestandener Spieler“ kommt Manuel Dieckmann (29) von der Hammer SpVg, ein „Sechser“, der das Spiel gut ordnen kann. Mit den wenigen verbliebenen Routiniers wie Maurice Kühn (30) oder Michael Smykacz (26) sowie Co-Trainer Tobias Hötte (26) soll er für die nötige Balance auf dem Platz und in der Kabine sorgen.

Hatano bei zwei Regionalligisten im Gespräch

Insgesamt sieht Knappmann den Herner Kader damit gut aufgestellt, auch wenn neben Anan mit Felix Fuchs und Kai Hatano zwei Stammspieler den Verein verlassen haben. Abwehrspieler Fuchs passte nicht in den finanziellen Rahmen, der japanische Dribbler könnte demnächst für die U23 des BVB oder von Fortuna Düsseldorf auflaufen. „Da sieht man, wo der Weg hingehen kann“, freut sich Knappmann für Hatano. Er hätte nichts dagegen, wenn die Scouts der Bundesligisten bald weitere Talente am Schloss Strünkede entdecken.

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