Basketball

Herner TC steht mit einem Bein im DM-Endspiel

Gegen Jennifer Schlott (l.) und Leonie Fiebich (3.v.l.) zieht Loyce Bettonvil (weiß) in die Wasserburger Zone.

Gegen Jennifer Schlott (l.) und Leonie Fiebich (3.v.l.) zieht Loyce Bettonvil (weiß) in die Wasserburger Zone.

Foto: Klaus Pollkläsener

In einem hochdramatischen Spiel bezwingt Herne den TSV Wasserburg mit 69:65 und kann mit einem weiteren Sieg am Dienstag ins DM-Finale einziehen.

„Aint no mountain high enough“: unter dieses Motto haben die Bundesliga-Basketballerinnen des Herner TC diese Saison gestellt. Und es sieht so aus, als sei für sie wirklich kein Berg hoch genug. Den ersten Gipfel haben sie mit dem Gewinn des DBBL-Pokals bereits bestiegen, jetzt haben sie sich aufgemacht, den nächsten, noch höheren Berg zu erklimmen. Mit einem 69:65 über den TSV 1880 Wasserburg, dem dritten Sieg im dritten Playoff-Spiel, haben sie auf dem Weg ins Endspiel um die Deutsche Meisterschaft ihr nächstes Etappenziel erreicht. Eine von maximal zwei Partien der Halbfinalserie müssen die Hernerinnen noch gewinnen, dann sind sie in ihrem Basislager angekommen und können sich zum Gipfelsturm rüsten.

Es war ziemlich unwegsames Gelände, das die HTC-Damen in der heimischen H2K-Arena zu bewältigen hatten. Der elfmalige Meister hatte die weite Reise vom Inn nicht angetreten, um sich dem Hauptrunden-Ersten zu ergeben. Vielmehr lieferten die Gäste den Piotrowski-Schützlingen ein heißes, immer enges und hochdramatisches Spiel.

Enges Spiel kitzelt die Nerven

Im gesamten Spielverlauf konnte sich kein Team jemals eine zweistellige Führung erspielen. Für die Zuschauer, noch mehr aber für die Beteiligten bedeutete das Nervenkitzel pur. Mehrfach hatte der HTC in der zweiten Halbzeit die Möglichkeit, sich etwas abzusetzen, aber gerade in diesen Phasen schlichen sich kleine Fehler und Ungenauigkeiten ein. So kämpfte sich Wasserburg immer wieder heran, verkürzte den Rückstand in der Schlussminute sogar wieder auf einen Punkt (66:65), doch am Ende bestanden die Hernerinnen diese Nervenprobe. Hatte der HTC zuvor an der Linie reichlich Punkte liegen gelassen, blieben Jordan Frericks und Loyce Bettonvil im entscheidenden Moment eiskalt und machten den Sieg mit drei Freiwurfpunkten perfekt.

Mit der Schlusssirene entlud sich die Anspannung auf den Rängen in einem wahren Jubelsturm, der die Halle kurz erbeben ließ. Auch Marek Piotrowski schrie seine Freude kurz heraus, dann atmete er ganz tief durch. „Wir sind sehr glücklich, dass wir vorlegen konnten. Jetzt stehen nicht wir, sondern unsere Gegner am Dienstag unter Druck“, blickte Hernes Headcoach bereits auf das Rückspiel in Wasserburg.

Piotrowski dankt den Zuschauern

Dass schon das erste Aufeinandertreffen ein heißer Kampf werden würde, hatte Piotrowski nicht anders erwartet. „Leider waren wir in einigen Phasen nicht abgebrüht genug, den Sack früher zuzumachen“, erkannte er. „Da hat es sich ausgezahlt, dass wir unsere Fans hinter uns hatten. Sie haben uns gerade in den schwierigen Phasen super unterstützt.“

Und solche Phasen gab es zur Genüge. Zum Beispiel im ersten Viertel: Zwar eröffnete HTC-Kapitänin Emina Karic die Korbjagd nach fünf Sekunden mit dem ersten Treffer, doch dann lief Herne hinterher, weil zu viele freie Würfe ihr Ziel verfehlten. Mehr als vier Punkte betrug der Rückstand aber nie, und mit 18:18 ging es in die erste kleine Pause.

Auch das zweite Viertel endet remis

Im zweiten Abschnitt änderte sich wenig. Der HTC verteidigte gut, brachte den Ball auch sicher nach vorne, doch im Abschluss fehlten oft ein paar Zentimeter. Wasserburg leistete sich zwar mehr Ballverluste, kompensierte das aber durch eine 100-Prozent-Quote von der Linie (11/11). So endete auch das zweite Viertel unentschieden (16:16).

Nach Wiederbeginn kam der HTC mit noch mehr Biss aus der Kabine und ließ in den ersten fünf Minuten nur zwei Freiwurfpunkte zu. In der Offense drehte jetzt Beatrice Attura richtig auf und beteiligte sich mit acht Punkten am 12:4-Run zum 46:38 (27.). Die Gäste aber ließen sich nicht entmutigen, kamen mit einer 7:0-Serie heran, ehe Herne die Führung in den letzten Sekunden des Viertels auf 53:47 ausbaute.

Jill Bettonvil trifft wichtige Dreier

Auch als Laura Westerik und Karin Kuijt auf 56:47 (32.) stellten, war nichts entschieden. Zum Glück bewies Jill Bettonvil in brenzligen Situationen Mut und zauberte zwei wichtige Dreier zum 61:53 (35.) und 65:59 (37.) in die Reuse. Von diesem Vorsprung zehrte der HTC – bis die Schlusssirene die Erlösung brachte.

Herner TC - TSV Wasserburg 69:65

Viertel: 18:18, 16:16, 19:13, 16:18. HTC: Attura (13/1 Dreier), Frericks (12, 9 Rebounds), Loyce Bettonvil (10/1), Kuijt (8), Jill Bettonvil (8/2), Burton (7), Karic (6), Westerik (3), Garbin (2), Bully, Sannes, Schmidt. TSV: Brunckhorst (17), Schlott (13/1), Tunstull (12), Hebecker (8), Fiebich (7/1, 13 Rebounds), Jakovina (4), Mfoula (2), Williams (2), Hartmann, Perner, Scholzgart.

Teamvergleich (HTC – TSV): Zweierquote: 40 % (18/45) – 49 % (21/43); Dreierquote: 27 % (4/15) – 29 % (2/7); Freiwurfquote: 68 % (21/31) – 89 % (17/19); Rebounds (defensiv; offensiv): 31 (21; 10); 35 (31; 4); Turnovers: 10 – 22; Assists: 6 – 7; Steals: 12 – 3; Blocks: 3 – 3; Fouls: 22 – 28.

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