Fußball

Wolfgang Scheid: Das traurige Ende einer großen Karriere

Über das vorzeitige Ende der Karriere von Fußball-Profi Wolfgang Scheid  berichtete im Dezember 1973 WAZ-Redakteur Hans-Josef Justen. 

Über das vorzeitige Ende der Karriere von Fußball-Profi Wolfgang Scheid berichtete im Dezember 1973 WAZ-Redakteur Hans-Josef Justen. 

Foto: Fischer

Hattingen.   Wolfgang Scheid absolvierte für RWO 105 Spiele in der Bundesliga. Nach einer schweren Verletzung im Jahr 1973 war plötzlich alles vorbei.

Gute Fußballer hat es in Hattingen und Sprockhövel schon viele gegeben. Für einige ging es auch hoch hinaus - bis in den bezahlten Fußball. Doch nur wenige schafften den Sprung in die 1. Bundesliga – und nur drei knackten da dann auch die 100-Spiele-Marke: nämlich Wolfgang Scheid, Lukas Schmitz und Uwe Neuhaus. Wolfgang Scheid, der im Sommer 2009 gestorben ist, steht in der Statistik immer noch an der Spitze. Scheid hat in der höchsten deutschen Spielklasse 105 Spiele absolviert, Lukas Schmitz 104 und Uwe Neuhaus 102.

Mit 31 Jahren war die Karriere schon vorbei

Die Fußball-Karriere von Wolfgang Scheid nahm kein schönes Ende. 45 Jahre ist es jetzt er, da gab es für den Torwart von Rot-Weiß Oberhausen eine niederschmetternde Nachricht. „Die Untersuchung ergibt..., dann eine Auflistung von Fachausdrücken. Und dann: „Auf Grund dessen wird Herr Sch. nicht mehr in der Lage sein, seinen Sport als Beruf auszuüben. In Frage käme eventuell ein plastischer Ersatz des hinteren Kreuzbandes mit Verstärkung des äußeren Kapselbandapparates. Aber auch hierdurch ist mit Sicherheit ein vollständiger Einsatz nicht zu garantieren. Außerdem ist die Operation so groß, dass sie nicht ohne weiteres zumutbar ist“, heißt es in dem medizinischen Gutachten, dass Wolfgang Scheid damals bis in Mark traf. Mir 31 Jahren war alles vorbei.

Schwere Verletzung im Spiel gegen Hertha BSC

Passiert ist es im Februar 1973. Rot-Weiß Oberhausen spielt gegen Hertha BSC, der Berliner Michael Sziedat zieht im Zweikampf voll durch und verursacht im Knie von Wolfgang Scheid einen Totalschaden.

„Wolfgang war geschockt, aber er wollte nicht ins Krankenhaus“, sagt einer, der die Szene miterlebte und der mit dem Verletzten verwandtschaftlich verbunden war. Gemeint ist der Welperaner Jürgen Schmidt. Wolfgang Scheid war sein Schwager. „Bring mich auf keinen Fall ins Krankenhaus, hat er gesagt. Also habe ich ihn dann mit seinem BMW nach Hause gefahren“, erinnert sich Jürgen Schmidt.

Scheid hoffte dann noch, doch spätestens mit dem Gutachten aus dem Juli 1973 erstarb dann auch die letzte Hoffnung.

Nachfolger von Hans Tilkowski in Herne

Die Karriere war also mit 31 Jahren viel zu früh zu Ende. Begonnen hatte sie am Hattinger Wildhagen. Wolfgang Scheid hütete das Tor des TuS Hattingen. Und das so gut, dass bald auch größere Vereine auf ihn aufmerksam wurden. Ein solch großer Verein war damals noch Westfalia Herne an. Herne spielte in der Regionalliiga West, und Scheid trat bei der Westfalia die Nachfolge von Hans Tilkowski an. Tilkowski wechselte zu Borussia Dortmund, wurde Nationaltorwart und später Vize-Weltmeister. Tilkowski war bei der WM 1966 in England im Finale beim Wem­bley-Tor durch Geoff Hurst in nächster Nähe. Aber das ist eine andere Geschichte.

127 Regionalliga-Spiele für die Westfalia

Wolfgang Scheid absolvierte 127 Regionalliga-Spiele für Herne und wechselte im Sommer 1967 zum Liga-Konkurrenten Rot-Weiß Oberhausen. In seinem zweiten Jahr bei den Kleeblättern zog Scheid mit den Oberhausenern in die Bundesliga-Aufstiegsrunde ein, und da setzte sich die Mannschaft von Trainer Adi Preißler gegen den SV Alsenborn, Hertha BSC, VfL Lübeck und Freiburger FC durch.

Auch der Schwager durfte beim Training mitmachen

„Ich habe ihn damals oft zum Training nach Oberhausen gefahren und auch wieder zurück gebracht, denn Wolfgang hat nach dem Training auch mal gerne eine Bierchen getrunken“, erinnert sich Jürgen Schmidt an die Zeiten bei RWO. Auch Schmidt war damals ein hervorragender Fußballer, immerhin spielte er mit der SG Welper in der Landesliga. „Ich durfte dann auch ein paarmal in Oberhausen mittrainieren. Das war schon eine tolle Sache. Denn zur Mannschaft von RWO gehörten damals ja auch Spieler wie Lothar Kob­luhn und Franz Krauthausen. Das waren damals ja schon richtige Berühmtheiten“, so Schmidt, der im Training gegen diese Fußball-Größen gar nicht einmal schlecht aussah. Das entnahm er auf jeden Fall der Äußerung von Adi Preißler. „Fußball spielen kann dein Schwager ja, aber er ist zu langsam“, sagte die Trainer-Legende damals in Richtung Wolfgang Scheid.

Sehr reaktionsschnell und enorm fangsicher

Der war damals ein ganz hervorragender Torwart. „Es war sehr reaktionsschnell und ausgesprochen fangsicher. Er hat die Bälle schön herunter gepflückt“, beschreibt Jürgen Schmidt die außergewöhnlichen Qualitaten seines Schwagers.

Abseits des Platzes war Wolfgang Scheid ein geselliger Mensch. „Er war sehr freizügig“, sagt Jürgen Schmidt. „Wir haben uns manchmal auch ganz spontan samstags im Schultenhof zum Kegeln getroffen. Das war immer recht lustig. Wolfgang hat halt gerne gefeiert. Aber er ist immer mit den Füßen auf dem Boden geblieben.“

Auch Schmitz und Neuhaus im Club der Hunderter

Zwei weitere Hattinger haben es in den Club der Hunderter geschafft. Lukas Schmitz steht aktuell bei 104 Spielen – jeweils 52 bestritt er für Schalke 04 und Werner Bremen. Schmitz ist noch aktiv, er könnte theoretisch also noch an Wolfgang Scheid vorbeiziehen. Allerdings ist der 30-Jährige aktuell in Österreich für den Wolfsburger AC am Ball und eine Rückkehr in die Bundesliga wohl eher unwahrscheinlich.

„Er war einer der besten Spieler, die ich trainiert habe“

Gestartet hat Lukas Schmitz seine Fußball-Karriere bei der DJK Märkisch. Über den TuS Bredenscheid ging es dann zur TSG-Sprockhövel, wo Schmitz als A-Jugendlicher den Sprung in die Senioren-Oberliga-Mannschaft schaffte. Schmitz wechselte dann über den VfL Bochum zu Schalke 04, wo er Profi wurde. Einer, der ihm das immer zugetraut hat, ist sein ehemaliger A-Jugend-Trainer Patrick Rohde. „Lukas war ein großes Talent und immer klar im Kopf. Er war noch im B-Jugend-Alter, als wir ihn in die A-Jugend hochgezogen haben. Er war ehrgeizig und hat viel gearbeitet. Lukas war einer der besten Jugendspieler, die ich trainiert habe“, sagt Rohde.

Auf Schalke gelingt der Einstieg in den Profi-Fußball

Den Sprung zu den Profis schaffte Schmitz, als Felix Magath bei den Königsblauen aufräumte. Ein Gerücht, das sich lange hielt, besagte, dass Magath damals einen Linksfuß mit guten Ausdauerwerten suchte. „Ob da etwas dran ist, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass Lukas das verdient hatte. Natürlich hatte er auch Glück. Doch als sich die Chance bot, hat er sie genutzt“, so Rohde.

Uwe Neuhaus: Erster Höhenflug in Winz-Baak

Auf 102 Bundesliga-Spiele kommt Uwe Neuhaus (59), dessen Karriere beim TuS Hattingen begann, beim VfL Winz-Baak Fahrt aufnahm und mit der SG Wattenscheid 09 in die 1. Liga führte. In Winz-Baak spielte er damals mit Uwe Weiß, Friedhelm Falk, Uwe Ziemann, Eumel Modest, Ralf Weber oder Bernd Aust. Uwe Neuhaus bildete damals gemeinsam mit Uwe Weiß das Sturmduo der Nordstädter.

Technisch beschlagen und sehr kopfballstark

„Er konnte schon mit dem Ball etwas anfangen, außerdem war er enorm kopfballstark“, erinnert sich Ralf Weber, und Bernd Aust ergänzt: „Das war damals eine tolle Zeit, wir waren eine verschworene Gemeinschaft. Und das nicht nur auf dem Platz.“

Nach seiner Spieler-Karriere wurde Uwe Neuhaus ein erfolgreicher Trainer, aktuell sitzt er auf der Bank von Arminia Bielefeld. „Ich freue mich für ihn, das hat er verdient. Aber das hat sich damals noch nicht abgezeichnet“, so Ralf Weber.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben