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Trainer in Hattingen und Sprockhövel haben verlängerten Arm

Tobias Lask von der DJK Westfalia Welper ist spielender Co-Trainer. Davon gibt es aktuell mehrere in Hattingen und Sprockhövel.

Tobias Lask von der DJK Westfalia Welper ist spielender Co-Trainer. Davon gibt es aktuell mehrere in Hattingen und Sprockhövel.

Foto: Biene Hagel / Funke Foto Services

Hattingen/Sprockhövel.  In dieser Saison gibt es in Hattingen und Sprockhövel einige Mannschaften mit spielenden Co-Trainern. Welche Vor- und Nachteile es dabei gibt.

Es ist in dieser Saison in gleich mehreren Vereinen und sportartenübergreifend eine Konstellation: ein Trainer hat einen spielenden Co-Trainer an seiner Seite. Der verlängerte Arm kann ein Vorteil sein. Es gibt aber auch Nachteile.

Schon seit längerer Zeit arbeiten Michael Wolf und Tobias Lask bei der DJK Westfalia Welper zusammen. Sie bilden seit dem Frühjahr 2019 wieder ein Team, als Wolf wieder Coach der Bezirksliga-Mannschaft wurde, in der Lask spielt. Er selbst trainiere eine Zeit lang die Damenmannschaft. „Zu der Zeit hatte ich die Möglichkeit, von Michael zu lernen, was mir sehr geholfen hat in der Aufstiegssaison mit den Damen. Wenn man die Möglichkeit hat, mit jemandem zusammenzuarbeiten der schon in der Bundesliga und international Trainer war, sollte man das nutzen“, sagt Lask, der das Training übernimmt, wenn Wolf verhindert ist. „In der Rolle als Co geht es mir sehr gut“, erzählt Lask.

Michael Wolf und Tobias Lask bewegen sich auf einer Ebene

Für Wolf ist der Vorteil, dass Lask Erfahrungen als Trainer mitbringt. Außerdem stehe er nah an der Mannschaft und „hat ein Ohr für sie“. Wolf betont zudem: „Es gibt auch überhaupt keine Probleme hinsichtlich Loyalität, wofür man natürlich auch so einen Typen wie Tobi Lask braucht. Wenn man dann eine gemeinsame Ebene gefunden hat, auf der man sich auch gegenseitig mal kritisieren kann, ist das viel wert.“ Nachteile sieht er nicht.

Bei den Basketballern der SG Welper wird der Spielertrainer Ronnie Schmale seit dieser Saison von Timo Klippstein unterstützt, der das Training übernommen hat, weil Schmale dies aus beruflichen Gründen aktuell nicht mehr oft schafft. „Der Vorteil ist ganz klar die Spielerperspektive. Systeme, Spielzüge und Aufstellungen sind aus Spielerperspektive doch nochmal anders, als wenn man sich das auf dem Taktikbrett als Trainer einfach aufzeichnet“, so Schmale. Er und Klippstein spielen seit Jahren zusammen und kennen die Stärken und Schwächen des Teams.

Ronnie Schmale und Timo Klippstein kennen sich schon lange

Wenn beide auf dem Feld stehen, könne es aber auch mal unübersichtlich werden. „Zum Beispiel bei Auswechselungen und auch die Emotionen auf dem Feld sind doch nochmal anders als auf der Bank“, weiß Schmale. Sonst ergänzen sich die beiden in den Spielen. Für Klippstein habe sich der Fokus verändert. Ihm gefällt es, dass die Mannschaft mitzieht, egal ob im Training oder Spiel, wo er nun detaillierter hinsieht.

„Man lernt natürlich viel Neues und muss sich dort reinfuchsen“, der der spielende Co-Trainer. Er schaut, was die Spieler noch mitnehmen können, auch auf anderen Positionen oder mit anderen Würfen. „Das bedeutet für mich natürlich Vorbereitung. Das hat sich für mich verändert, ich schaue im Vorfeld, was wir im Training machen können“, sagt Klippstein.

Eine Konstellation in Hattingen gibt es nicht mehr

Beim Fußball gibt es ebenfalls Beispiele – auch wenn sich eine Konstellation mit Marius Kundrotas und Michael Baum zuletzt beim TuS Hattingen nicht gehalten hat, nachdem der Trainer zurückgetreten ist. In der Reserve der TSG Sprockhövel ist neben Kevin Busch im Sommer Christian Kalina als spielender Co-Trainer engagiert worden. Busch freut sich, dass er einen Spieler auf dem Platz hat, der weiß, wie das Team auftreten soll. „Er kann es direkt kommunizieren, was von außen manchmal doch schwierig ist“, so Busch. Wichtig sei ihm, einen leistungsstarken Co-Trainer zu haben. „Dies färbt positiv auf den Rest der Mannschaft ab. Sonst wäre es vielleicht schnell ein Alibi für die Mannschaft, wenn es mal nicht gut läuft.“

Kalina fühlt sich in seiner Rolle wohl. „Leider konnte ich aufgrund von Verletzungen in der Hinrunde nicht so viele Spiele selbst mitmachen, wie ich geplant hatte. Ich sehe mich noch eher als Spieler, auch, wenn es mir Spaß macht, von außen zu coachen. Das liegt daran, dass es zwischen mir und Kevin wirklich gut passt und wir uns gut ergänzen“, betrachtet Kalina die Situation.

Spielertrainerin in Niederwenigern ist schon längere Zeit Bindeglied

Bei den Damen der Sportfreunde Niederwenigern bekommen Timo Vössing und Tobias Wilmer seit dem vergangenen Sommer Unterstützung von ihrer Spielerin Leandra Schäfer. Sie hatte mit Vössing bereits mal die U17 trainiert. Sie selbst sieht sich schon länger als Bindeglied zwischen Trainern und Mannschaft. „Daher hat sich für mich nicht viel verändert, außer das Mitspracherecht bei Trainerentscheidungen“, sagt die Spielerin. Auf dem Feld motiviere sie ihre Mitspielerinnen auch, was gut aufgenommen werde. Um die Mannschaft herum übernimmt sie viel Organisatorisches.

Vössing sieht bei der Anleitung während einer Partie Vorteile. „Je nach Witterung ist es einfacher, wenn jemand auf dem Platz ist und dort mit den Spielerinnen sprechen kann. Es ist immer nochmal was anderes, wenn Spielertrainer auf dem Platz stehen statt nur der Kapitän.“ Das Wort eines Spielertrainers habe ein anderes Gewicht. Einen Nachteil sieht Vössing, wenn kein anderer Trainer da ist und die Spielertrainerin Training leiten muss. „Sie kommt dann selbst nicht vernünftig ans Training und baut möglicherweise einen Rückstand auf“, so Vössing. Sonst sei eine Spielertrainerin im Falle einer Damenmannschaft wichtig, wenn es etwa um Dinge wie den Kabinengang gehe.

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