Fußball

Regeländerung bei den Minis: „Wir haben keine Libudas mehr“

Um den Spaß am Spiel soll es bei den Minis gehen. Dem steht aber manchmal der persönliche Ehrgeiz einiger Trainer entgegen.

Um den Spaß am Spiel soll es bei den Minis gehen. Dem steht aber manchmal der persönliche Ehrgeiz einiger Trainer entgegen.

Foto: Biene Hagel

Hattingen/Sprockhövel.   Der DFB denkt über Regeländerungen für die ganz kleinen Fußballer nach. An der Basis kommt die Idee recht gut an, aber es gibt auch Einwände.

Eine Fußballmannschaft mit nur drei Spielern. Und dann ohne Torwart. Geht das, macht das Sinn? Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) denkt auf jeden Fall darüber nach, die Teams für die jüngsten Fußballer noch einmal zu verkleinern. An der Basis gibt es noch kein einheitliches Meinungsbild, ob eine entsprechende Regeländerung sinnvoll ist.

Aktuell spielen Minikicker, offiziell G-Junioren genannt, in Siebener-Mannschaften – wie auch F- und E-Jugendliche. Zu einer D-Jugend-Mannschaft gehören neun junge Fußballer, während C, B- und A-Jugendliche jeweils mit elf Spielern auflaufen.

Der DFB will am 21. Juni entscheiden

Bei den Minis, so die Pläne des Deutschen Fußball-Bundes, soll künftig in Dreier-Teams ohne Torwart gespielt werden - auf kleine Tore und nicht im Ligabetrieb, sondern auf Turnieren, bei denen dann mehrere Mini-Teams eines Vereins an den Start gehen können. Noch ist es aber nicht so weit, über eine mögliche Regeländerung will das DFB-Präsidium am 21. Juni entscheiden.

„Die Kinder können nicht mehr richtig dribbeln“

„Wenn es so kommt, dann finde ich das im Grundsatz zunächst einmal gut“, sagt Volker Förster, der Jugendleiter des TuS Hattingen und nennt dann einen einfachen Grund dafür: „Wir haben keine Libudas mehr“, so Förster in Anspielung auf den ehemaligen Schalker Dribbelkünstler. „Wichtig ist, dass die ganz jungen Fußballer auch richtig ans Spielen kommen, dass sie viele Ballkontakte haben und nicht teilnahmslos auf dem Platz herumstehen. Denn lernen kann nur der, der auch spielt.“

„Der DFB müsste sich an den Kosten beteiligen“

Die Umsetzung sei wahrscheinlich aber ein bisschen schwierig, so Förster, der auf die Vereine nicht nur mehr Arbeit, sondern auch mehr Kosten zukommen sieht. „Es müssten dann ja kleine Bälle und kleine Tore angeschafft werden. Ich finde, daran müsste sich der DFB beteiligen. Ich weiß auch wie“, sagt Förster, der dann seinen ganz persönlichen Finanzierungsplan vorstellt: „Von allen Ablösesummen, die die Profi-Vereine zahlen, müsste ein Prozent in einen besonderen Pool gehen. Und mit diesem Geld könnte dann die Nachwuchsarbeit der Vereine unterstützt werden.“

„Den Kindern würde man auch etwas nehmen“

Patrick Rohde, Jugendkoordinator der TSG Sprockhövel, ist auch der Meinung, dass gerade junge Fußballer mehr zum Spielen kommen müssen, eine Regeländerung hält er aber für unnötig. „Bei der TSG achten wir darauf, dass alle Kinder zum Einsatz kommen und dass sie auch Ballkontakte haben. Wir trainieren auch in kleinen Gruppen auf kleinen Feldern. Da gibt es nicht solche Szenen, dass einer die Tore schießt und die anderen schauen nur zu. Ich weiß nicht, ob man da jetzt noch etwas ändern muss. Die wichtigste Änderung war für mich die Einführung des Fairplay. Seitdem wird ohne Wertung gespielt.“

„Ausbildung ist wichtig, nicht der Erfolg des Trainers“

Ein Problem sei aber manchmal noch der übertriebene Ehrgeiz von Trainern. „Wünschenswert ist es, dass alle Trainer an die Ausbildung denken und nicht an ihren persönlichen Erfolg“, so Rohde. Von einem Spiel ohne Torhüter hält er indes wenig. „Es gibt ja Kinder, die gerne ins Tor gehen. Denen würde man etwas nehmen“, sagt Sprockhövels Jugendkoordinator.

„Ergebnisse dürfen bei den Kleinen kein Thema sein“

Ganz ähnlich argumentiert auch Ralf Kraushaar, der Jugendleiter der Sportfreunde Niederwenigern. „Es gibt immer noch Trainer, die sich ihre eigenen Tabellen machen. Das ist aber völliger Blödsinn. Siege sind bei den Minis nicht wichtig, die Kinder können auch feiern, wenn sie verloren haben“, weiß Kraushaar, dessen Sohn sich bei den Sportfreunden als Jugendtrainer engagiert und die Idee, bei den ganz kleinen Fußballern die Mannschaften zu verkleinern, zunächst einmal gut findet.

„Taktische Vorgaben bei Minis sind völlig sinnfrei“

„Ich habe das aber noch nicht zu Ende gedacht, aber wenn es mehr Ballkontakte und mehr Eins-gegen-Eins-Situationen gibt, dann kann das ja nur gut sein“, so Marcel Kraushaar, für den Priorität hat, dass alle Kinder spielen. Und das ohne Vorgabe des Trainers. Wenn bei den Minis versucht wird, auch schon taktische Aspekte ins Spiel zu bringen, dann ist das völlig sinnfrei. Wichtig ist nur, dass die Kinder Spaß haben. Und den haben sie, wenn sie oft am Ball sind. Deshalb wäre eine solche Regeländerung nicht schlecht“, glaube ich.

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