Fußball-Landesliga

Niederwenigern: Das Dorf ist im Ausnahmezustand

Eingerahmt vom schwarz-gelben Anhang war zuletzt SFN-Trainer Margref. Die Wennischen fuhren mit großem Aufgebot nach Burgaltendorf.

Eingerahmt vom schwarz-gelben Anhang war zuletzt SFN-Trainer Margref. Die Wennischen fuhren mit großem Aufgebot nach Burgaltendorf.

Foto: Foto: Thorsten Tillmann

Hattingen.   Zwei Spieltage vor dem Saisonende steht Niederwenigern auf einem Aufstiegsplatz. Doch im nächsten Spiel geht es gegen den Meister FC Kray.

Langsam wird es ernst: Die Sportfreunde Niederwenigern stehen kurz vor dem Aufstieg in die Oberliga. Noch zwei Spiele sind zu absolvieren, und wenn die Sportfreunde in diesen beiden Spielen ihren zweiten Tabellenplatz verteidigen, dann ist aus einem Traum plötzlich Realität geworden. Dann spielt der Dorfverein in der Oberliga.

2006 Aufstieg in die Bezirksliga

Unglaublich wäre das, die Wennischen haben in den vergangenen Jahren eine sensationelle Entwicklung durchgemacht. Die längste Zeit in ihrer Vereinsgeschichte spielten sie ja in der Kreisliga, im Jahr 2006 gelang dann nach einem Entscheidungsspiel gegen den SuS Niederbonsfeld der Aufstieg in die Bezirksliga.

Völlig fassungslos war nach dem unerwarteten Klassensprung der damalige Fußball-Abteilungsleiter. Dass er das noch erleben dürfe, Niederwenigern in der Bezirksliga, jubelte Bertold Pieper damals.

2011 Aufstieg in die Landesliga

Im Jahr 2011 ging es dann hoch in die Landesliga, aber zunächst fanden sich die Schwarz-Gelben in der neuen Spielklasse überhaupt nicht zurecht.

Sieben Punkte hatten sie in der Hinrunde eingesammelt. Der Klassenerhalt war ganz weit weg, doch schon damals bildete sich eine Tugend heraus, die auch heute noch deutlich zu erkennen ist. Denn ganz egal, was auch passiert: Aufgegeben wird in Niederwenigern nicht.

So drehten die Sportfreunde schon die verrücktesten Spiele, und in dieser Saison trieben sie es dieser Hinsicht besonders toll. Zum Beispiel in Sonsbeck. Da gerieten sie gegen den unmittelbaren Konkurrenten in der 91. Minute in Rückstand und glichen in der 94. Minute aus. Noch krasser war’s im Heimspiel gegen Hönnepel-Niedermörmter.

Völlig verrückte Spiele

Da kassierten die Sportfreunde kurz nach der Pause das 0:3 und gewannen dann noch mit 5:3. „Nach dem 0:3 hab’ ich auch nicht mehr dran geglaubt“, sagt der heutige Fußball-Abteilungsleiter Manfred Lümmer, schiebt dann aber schnell nach: „Nach dem 1:3 aber schon. Wir kennen ja unsere Mannschaft. Die gibt so schnell kein Spiel verloren.“

Schon in der vergangenen Saison standen die Sportfreunde an der Schwelle zur Oberliga, konnten diese dann allerdings doch nicht überschreiten, weil sich in den Entscheidungsspielen ganz knapp der TuS Nettetal durchsetzte.

Die vergangene Saison sei aber mit der aktuellen nicht zu vergleichen“, sagt Manfred Lümmer. „Damals hatte unsere Mannschaft in der Rückserie einen unglaublichen Lauf, diesmal spielen wir aber fast über die ganze Saison hinweg auf hohem Niveau. Auffällig ist aber, dass wir in der Rückrunde immer besser sind als in der Hinrunde. Das zeigt, dass unsere Mannschaft extrem lernfähig ist.“

Jetzt geht es gegen Meister FC Kray

Niederwenigern steht jetzt also kurz vor der Oberliga, doch es sind noch einige Hürden zu überwinden. Weil der SV Sonsbeck am Sonntag überraschend gegen Königshardt verlor, ist aus dem Rennen um Platz zwei zwar aus einem Dreikampf ein Zweikampf geworden, und Niederwenigern hat auf den Tabellendritten Sterkrade-Nord drei Punkte Vorsprung und das um zehn Tore bessere Torverhältnis, doch der nächste Gegner ist der FC Kray, der als Aufsteiger bereits feststeht. „Kray ist die mit Abstand stärkste Mannschaft der Liga und will das bei uns im Spiel gegen den Tabellenzweiten mit Sicherheit noch einmal beweisen“, sagt Manfred Lümmer.

Letztes Spiel gegen Frohnhausen

Am letzten Spieltag geht es dann noch zum VfB Frohnhausen, der zuletzt ein bisschen aus der Spur geraten ist und von den letzten fünf Spielen gleich vier verlor. „Das hat aber auch überhaupt nichts zu sagen. Um sicher zu sein, brauchen wir noch vier Punkte“, sagt Manfred Lümmer, der auf das bessere Torverhältnis nichts gibt. „In den letzten Spielen gibt es ja immer komische Ergebnisse, das haben wir ja jetzt sogar in der Bundesliga erlebt“, so Lümmer.

Klar besseres Torverhältnis

Klar ist aber, dass im Augenblick viel für Niederwenigern spricht, die Mannschaft wirkt auch mental so gefestigt, dass sie mit Drucksituationen umgehen kann. „Unsere Chancen sind gut, eine Aufstiegsfeier haben wir aber noch nicht geplant“, verrät Manfred Lümmer. „Aber wenn wir es dann wirklich schaffen sollten, dann freuen wir uns natürlich. Ich sehe eher die Chance und nicht so sehr das Risiko. Wir sind mit unseren Planungen für die neue Saison fertig, egal in welcher Liga wir spielen. Der Kader steht, das Trainerteam auch, und weitere Fahrten würde in der Oberliga ja auch nicht anstehen. Wenn wir aufsteigen sollten, wird sich nichts mehr tun. Aber in der Oberliga würde unser Verein anders wahrgenommen. Da ergeben sich dann auch ganz andere Möglichkeiten in Sachen Marketing.“ Wie gesagt: Manfred Lümmer sieht die Chance und nicht das Risiko.“

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