Gehfußball

In Hattingen kicken Fußballer den Ball im Gehen und Stehen

Die SG Welper bietet seit dem Sommer Gehfußball in Hattingen an.

Die SG Welper bietet seit dem Sommer Gehfußball in Hattingen an.

Foto: Bastian Haumann / Funke Foto Services GmbH

Hattingen.  Bei der SG Welper jagen Fußballer dem Ball nicht hinterher, sondern lassen ihn mit sauberer Technik in die Tore rollen. Was dahinter steckt.

Die Männer, die in Welper vor den Ball treten und sich dabei kaum bewegen, sind nicht faul. Sie dürfen nicht laufen, sonst begehen sie ein Foul. Nur gehen ist erlaubt, dem fußballerischen Können sind dann keine Grenzen gesetzt – solange alles fair bleibt. Das ist Gehfußball. Den bietet die SG Welper seit diesem Sommer an.

Die Idee dazu hatte Tanja Bohnenkamp, die seit dem Frühjahr als neue Jugendleiterin bei den Welperanern eingestiegen ist. Da sie fußballverrückt ist, hat sie nicht nur den Nachwuchs im Blick. „Ich habe Gehfußball schon an einigen Stellen im Raum Bochum gesehen. Es hat dann eine Weile gedauert, bis wir es in Welper umsetzen konnten“, erzählt sie. Zumal aktuell keine Halle zur Verfügung steht und der Kunstrasen mit den Jugend- und Herrenteams belegt ist. Dabei soll es noch Absprachen geben.

Kleineres Feld und Mini-Tore ohne Torwart

Die Gehfußballer haben also auf dem Rasenplatz ihre Heimat gefunden. Wenn der sehr nass ist, wird es rutschig, was gefährlich ist. Denn das Angebot richtet sich speziell an diejenigen, die aufgrund von körperlichen Beschwerden oder Einschränkungen keinen schnellen Fußball mehr spielen können. Er bietet eine Alternative zum eigentlichen Fußball und wird auf einem kleineren Feld mit Mini-Toren gespielt. „Meistens gehen wir auf die Größe des Sechzehn-Meter-Raumes als Spielfeld. Je nachdem, wie viele wir sind, auch darüber hinaus. Die Tore sind drei mal ein Meter groß“, erklärt Bohnenkamp. Einen direkten Torhüter gibt es bei den kleinen Toren nicht.

Sechs bis neun Leute finden sich in der Regel zum Training ein. Einer der Teilnehmer des Angebots an der Marxstraße ist Armin aus der Wischen. „Ich habe fast 30 Jahre lang aktiv Fußball gespielt und dann nach einem Handgelenksbruch aufgehört. Danach folgten noch eine Rückenoperation sowie ein neues Hüftgelenk“, erzählt der 59-Jährige. Joggen konnte er danach gar nicht mehr, nur noch gehen. „Da kommt mir Gehfußball sehr entgegen“, freut er sich. Dabei bewegt er sich mit und ohne Ball wirklich nur im Gehen.

Auch bei Einschränkungen weiter Fußball spielen

„Gehfußball soll eine Alternative bieten, ein gesundes Leben zu führen und trotzdem weiter Fußball zu spielen“, sagt Bohnenkamp. Unabhängig vom Alter. „Es gibt genug junge Leute, die sich schwer verletzen und kein Fußball mehr spielen können“, weiß Bohnenkamp – ebenso, dass anfangs der ordnungsgemäße Muskelkater dazugehört. Der Vorteil ist, dass niemand laufen darf und somit das Tempo für alle ähnlich hoch ist. Dies kann jeder individuell gestalten. Geschult wird dabei vor allem die Koordination, die im Alltag wichtig ist.

In der Gruppe sind ältere, erfahrene Fußballer wie Armin aus der Wischen. Sie kennen allesamt das schnelle Spiel aus der Vergangenheit, daher fällt die Umgewöhnung schon nicht so einfach. „Sportler, die noch rennen können, verfallen schneller ins Laufen als diejenigen, die es ohnehin nicht mehr können“, erzählt aus der Wischen, der den Ball viel genauer spielen muss, um erfolgreich zu sein.

Ehrgeiz spielt auch beim Gehen eine Rolle

Die Kicker nehmen ihre Einheiten ernst, sind genauso ehrgeizig wie die aktiven Fußballer. Das liegt schon im Naturell der Sportler, die sich ebenso freuen, wenn sie mehr Tore schießen als der Gegner. „Insgesamt nehmen wir es aber locker“, so aus der Wischen. Und Körperkontakt ist tabu. Er hat immer gerne Fußball gespielt, so wie die Kollegen auch. „Nun haben wir etwas gefunden, um uns trotz der körperlichen Einschränkungen im Alter weiter mit dem Ball fit zu halten.“ Auch, wenn Außenstehende im ersten Moment stutzen.

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