Leichtathletik

Hattinger Sprinter Andreas Jenk lässt es ruhiger angehen

Der Hattinger Sprinter Andreas Jenk macht nur noch ab und zu Wettkämpfe für den TV Wattenscheid.

Der Hattinger Sprinter Andreas Jenk macht nur noch ab und zu Wettkämpfe für den TV Wattenscheid.

Foto: Gero Helm / FUNKE Foto Services

Hattingen.  Nachdem der 28-Jährige früher auf nationaler Spitzenebene vertreten war und Medaillen gewann, hat er den Sport hinter seinen Beruf gestellt.

Andreas Jenk nimmt sich Zeit, macht sich entspannt für sein Training fertig. Er kommt von der Arbeit, wechselt die Alltagskleidung gegen sein Trainingsdress. Dann widmet sich der Sprinter der Bahn, auf der er nach wie vor ehrgeizig ist – wenn er dort noch startet. Der Hattinger hat sich schon vor einigen Jahren entschieden, dem Leistungssport nach wie vor treu zu bleiben, aber nicht mehr in den Fokus zu rücken.

Bei großen Wettkämpfen sucht man den Namen Jenk auf den Teilnehmerlisten vergebens. Es sind die kleineren Meetings oder (internationale) Sportfeste, auf denen er seinen TV Wattenscheid vertritt und dabei immer noch eine gute Figur abgibt, über 100, 200 oder 400 Meter. Auch, wenn die Zeiten mittlerweile einen Hauch langsamer geworden sind. Der 28-Jährige betreibt den Sprint nicht mehr so ambitioniert, hat 2012 sein Hauptaugenmerk weg vom Sport auf den Berufsweg gelegt. Er arbeitet heute als Immobilienkaufmann in Mülheim. Der Sport bleibt dennoch sein Hobby, was er mit dem für ihn zeitlich möglichen Training doch immer noch ernst nimmt.

Nach der Schule für eine Ausbildung entschieden

Nach der Schule stand der Sprinter vor der Entscheidung, was er machen möchte. „Ich habe mich dann für eine Ausbildung entschieden, wobei das erste Jahr noch so ein bisschen eine Findungsphase war, in dem ich versucht habe, den Sport nebenbei weiterhin professionell zu betreiben“, erzählt Jenk. Er merkte aber schnell, dass beides parallel „unfassbar schwierig“ werden würde. Er entschied sich für die berufliche Zukunft und stellte Leichtathletik hinten an – auch, wenn er weiter sechs bis siebenmal in der Woche trainiert. „Der Kopf ist dann aber mehr auf der Arbeit als auf der Bahn“, gibt der Sportler zu.

Seine Paradedisziplin waren die 400 Meter, aber er lief früher auch sehr erfolgreich in der 100-Meter-Staffel für Wattenscheid. „Ich versuche, heute auch immer noch in der Trainingsgruppe die harten, langen Läufe zu machen. Dabei bekommt man die Ausdauer und das Tempo hinten heraus. Aber im Wettkampf gehe ich dann doch lieber auf 100 oder 200 Meter“, sagt Jenk, der die 400 Meter eher zum Spaß wählt. Bei der NRW-Meisterschaft ist er allerdings auch gestartet.

Von 400 auf 200 oder 100 Meter runtergegangen

„Wenn ich die 400 Meter vom Kopf und den Beinen her hinbekommen würde, hätte ich auch Lust, sie wieder zu laufen“, verrät der Leistungssportler. Seine Bestzeit liegt bei 48,30, datiert aus dem Jahr 2009. Aktuell erreicht er an guten Tagen einen Wert um die 51 Sekunden. „Meine Arbeit steht nun an erster Stelle, damit werde ich zukünftig mein Geld verdienen. Mit dem Sport werde ich kein Geld mehr machen“, so Jenk. Über 200 Meter sei es dann noch einfacher, ambitionierter zu laufen. „Man braucht teilweise ja auch Normen und dann hinterherzulaufen, macht keinen Sinn.“

Über 100 Meter hatte er allerdings 2018 bei einem Meeting in Recklinghausen noch eine Bestzeit aufgestellt (11,17 Sekunden). Die Strecke wählt er aber in der Regel nur als Vorbelastung. „Als 400-Meter-Läufer ist das Rennen fast schon wieder vorbei, wenn ich bei 100 Meter auf Tempo komme“, sagt er lachend. Die Explosivität für den Kurzsprint ist sein Körper nicht gewohnt.

Weiter Bestandteil in der alten Trainingsgruppe

In seiner Trainingsgruppe ist er dennoch angesehen und darf auch weiterhin Bestandteil bleiben. Er ist zwar mit Abstand der Älteste, aber Trainer Slawomir Filipowski schätzt seinen Schützling. „Er nimmt mich wahrscheinlich auch etwas locker als die anderen“, schätzt Jenk, der mit vielen Talenten aus der U16 oder U18 trainiert, mit denen er noch mithalten kann. Der aktuell beste 400-Meter-Läufer des TV Wattenscheid ist Florian Colon Marti, an den sich der Hattinger auch nicht hängen kann.

Für Trainingslager, bei denen er in den vergangenen Jahren dabei war, nimmt er sich Urlaub, was in der Regel klappt. „Als Jugendlicher ist es ein Highlight, diese Faszination ist bei mir mittlerweile nicht mehr so groß“, sagt der Sprinter. Dabei hat er auch schon mal Einheiten übernommen und gibt den Nachwuchsathleten generell auch Tipps mit auf den Weg. Als Idol sieht er sich nicht, denkt aber: „Die jungen Leute fragen schon, weil sie wissen, dass ich früher auch mal auf höherer Ebene gelaufen bin.“

Tempoläufe nach der Arbeit alleine im Stadion

Der Trainer korrigiert ihn selbst auch noch, bei den Läufen. Und stimmt das Training mit ihm ab, wenn der Sprinter mal berufsbedingt nicht kann. „Dann bin ich auch schon mal abends nach der Arbeit noch nach Wattenscheid gefahren und habe wichtige Tempoläufe alleine gemacht, teilweise bis das Stadion zugeschlossen wurde. Das kostet natürlich auch Überwindung, aber es funktioniert“, erzählt Jenk.

Solange Arbeit und Sportleben für ihn vereinbar sind und er sich körperlich wohl fühlt, möchte er seinen Weg weitergehen. In Wattenscheid ist er gemeinsam mit den Athleten gereift, die aktuell noch Aushängeschilder sind und Deutschland bei großen Turnieren vertreten, Hürdensprinterin Pamela Dutkiewicz, Diskuswerfer Daniel Jasinski oder auch der Ex-Wattenscheider Sprinter Julian Reus (nun Erfurter LAC). Sie haben anderen Prioritäten gesetzt. Jenk ist dennoch mit seinem Weg zufrieden. Er besitzt mittlerweile einen Trainerschein. Ob er von diesem für seinen Verein später stärker Gebrauch macht, steht noch in den Sternen. Er betont aber: „So ganz Wattenscheid aufzugeben, ist dann doch schwierig.“

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