Fairplay

Hattinger Fußballerin gibt Tor für Gegner zu und wird geehrt

Die U19-Spielerin Hannah Vogt vom SuS Niederbonsfeld (2.v.l.) ist für eine besonders faire Geste auf dem Fußballplatz geehrt worden. Ihr Trainer Kim Thielemann (l.) und ihre Mannschaft dir mit Rosen Spalier stand, stehen hinter ihr und der Aktion.

Die U19-Spielerin Hannah Vogt vom SuS Niederbonsfeld (2.v.l.) ist für eine besonders faire Geste auf dem Fußballplatz geehrt worden. Ihr Trainer Kim Thielemann (l.) und ihre Mannschaft dir mit Rosen Spalier stand, stehen hinter ihr und der Aktion.

Foto: Manfred Sander / Funke Foto Services

Hattingen.  Für eine besonders faire Geste zugunsten der Gegner ist Hannah Vogt vom SuS Niederbonsfeld ausgezeichnet worden. Sie mag eines überhaupt nicht.

Als alle ihre Mitspielerinnen mit Rosen bereitstanden, wusste Hannah Vogt noch nicht, was los ist. Auch den Blumenstrauß ihres Trainers war für die Kapitänin der A-Juniorinnen des SuS noch kein eindeutiges Zeichen. Sie dachte, sie soll diesem jemanden überreichen. Doch er war für sie. Die Spielerin aus Niederbonsfeld hatte wurde für eine Fair-Play-Geste ausgezeichnet.

Es ist der 23. März 2019. Der SuS-Nachwuchs spielt gegen Fortuna Wuppertal, einen Konkurrenten um die Meisterschaft. Beim Stande von 0:0 landet der Ball im Tor der Bonsfelderinnen – oder doch nicht? Die Torfrau Lara Geuenich streckt sich und haut die Kugel aus dem Tor raus, eine Gegnerin soll zudem mit der Hand am Ball gewesen sein, der Treffer also irregulär. Die Stimmung war aufgebracht. Doch dann kam Hannah Vogt.

Honorationen zeichnen die junge Spielerin aus

„Ich bin zum Schiedsrichter gegangen, habe auf dem Weg dorthin meinen Mitspielerinnen und meinem Trainer gesagt, dass sie sich beruhigen sollen“, erinnert sich die 17-Jährige. Dann sagte sie, dass der Ball hinter der Linie gewesen sei. Ein Handspiel habe sie nicht gesehen, zumindest nicht vor dem gefallenen Tor. Sie war fair, weshalb sie nun dafür geehrt wurde. Laura Hayen, Vorsitzende Ausschuss für Mädchenfußball im Fußballverband Niederrhein und Alexandra Schönmeier, als Mädchenbeauftragte sowie Ellen Klein, die Mädchenbeauftragte des Fußballkreises Essen, zeichneten die Jugendliche aus. Der Verein überraschte sie, alle Nachwuchsteams waren zum Platz gekommen. Hannah Vogt war gerührt.

Der SuS verlor das besagte Spiel am Ende übrigens 0:5 und holte die Wuppertaler nicht mehr ein. Doch die Mannschaft bewunderte ihre Spielerin, die sich selbst als ehrlichen Menschen bezeichnet. „Das haben mir meine Eltern mitgegeben“, sagt die Essenerin. Ihr mache unfairer Sport zudem keinen Spaß. „Sauer war niemand aus meiner Mannschaft. Im ersten Moment haben mich Mitspielerinnen zwar gefragt, was ich mache, aber haben mir keinen Vorwurf gemacht. Wir harmonieren und verstehen uns gut“, sagt die Spielerin, die als Innenverteidigerin in der Situation nah am Tor stand, im Fünfmeterraum.

Bedankt hat sich nur der gegnerische Trainer

Bedankt habe sich nur der Trainer der Gegnerinnen nach dem Spiel bei Hannah Vogt. Für sie gehört Fairness mit zum Sport. Sie habe auch noch nie eine Gegenspielerin absichtlich umgegrätscht. So etwas gehöre nicht auf den Platz. „Wir haben zum Beispiel selbst nur einen kleinen Kader. Wenn sich jemand durch solche Aktionen verletzt, kann man im schlimmsten Fall irgendwann nicht mehr antreten“, merkt die Auszubildende an. Sie setzt natürlich auch ihren Körper ein, aber entschuldigt sich, wenn eine Gegnerin dadurch mal böse fallen sollte.

Und wenn sie selbst provoziert wird? „Dann schaffe ich es, mich zu zügeln“ so Hannah Vogt. Unfaires Verhalten, sei es andauerndes Trikotziehen oder Nachtreten, ärgert sie. Dann ist ihr Körpereinsatz gegenüber den Übeltätern gezielt etwas härter, um ein Zeichen zu setzen. Aber im Rahmen der Regeln. Ansonsten gebe sie lieber Hinweise, etwa wenn ein Einwurf falsch angezeigt wird.

Spielerin setzt direkt das nächste Zeichen

Als sie geehrt wurde, klatschten auch die schon bereitstehenden Gegnerinnen der VfL Sportfreunde 07. Dessen Trainer soll ihnen gesagt haben, dass sie Hannah Vogt angehen sollen, da sie emotional sicherlich nun etwas geschwächt ist. „Das haben mir ein paar meiner Mitspielerinnen erzählt“, so die Spielerin, die es erst nicht glauben konnte, sich dann aber auf ein paar harte Zweikämpfe einstelle und das nächste Zeichen auf dem Platz setzte.

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