Coronavirus

Hattingen/Sprockhövel: Meinungen zu Sport-Lockdown gespalten

Das Kreispokal-Derby zwischen dem TuS Hattingen und der SG Welper wird es vorerst gar nicht geben.

Das Kreispokal-Derby zwischen dem TuS Hattingen und der SG Welper wird es vorerst gar nicht geben.

Foto: Walter Fischer / FUNKE Foto Services

Hattingen/Sprockhövel.  Grundsätzlich stellen Vereinsvertreter aus Hattingen und Sprockhövel die Gesundheit in der Vordergrund. Was sie erwartet haben – und kritisieren.

Wenn die Amateursportler ab Montag weder trainieren noch spielen dürfen, weil auf dem Corona-Gipfel am Mittwoch zwischen Kanzlerin Angela Merkel und den Ministerpräsidenten der Bundesländer die Schließung von Sportanlagen beschlossen wurde, steht wie im Frühjahr eine Sportpause an. Die Reaktionen der heimischen Sportler darauf fallen unterschiedlich aus – selbst, wenn die Gesundheit dabei für alle im Vordergrund steht.

Michael Heise, der Vorsitzende des Stadtsportverbandes (SSV) Hattingen, denkt, dass es bei den aktuell eher steigenden Corona-Infektionszahlen keine andere Entscheidung übrig blieb. Dennoch ist er der Meinung, dass es den Sport hart trifft, der sich in den vergangenen Monaten große Mühe gegeben hatte, Hygienekonzepte aufstellte und immer das erfüllte, was von ihm politisch verlangt wurde. „Wir werden die vier vorgesehen Wochen hinkriegen, keine Frage. Aber dann muss auch mal Schluss sein“, fordert Heise.

Sport-Infektionsherde in Hattingen und Sprockhövel nicht bekannt

Zumal ihm in Hattingen keinerlei Infektionsherde aus dem Freizeit- oder Vereinssport bekannt sind. „Die Vereine haben vieles dagegen getan. Natürlich wird auch mal das ein oder andere nicht so gut gelaufen sein. Aber es lief insgesamt gesehen“, so der SSV-Vorsitzende. Sein Appell ist nun: weiter Sport treiben, der noch erlaubt ist, um fit und in Bewegung zu bleiben. Aber: „Natürlich nicht in Massen, sondern nur höchstens zu zweit, was erlaubt ist.“ Denn gerade neben dem sozialen Wert trage der Sport auch einen gesundheitlichen.

Für den Amateurfußball hatte der Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen (FLVW) noch am Mittwochabend reagiert und den Spielbetrieb ab Donnerstag ausgesetzt. Das kam doch etwas überraschend, das Spiel der TSG Sprockhövel bei Westfalia Herne ist dadurch etwa am Donnerstagabend ausgefallen.

TSG Sprockhövel hofft auf normale Saisonwertung

„Wir nehmen es an, wie es nun kommt“, sagte Sprockhövels Sportlicher Leiter Yakup Göksu, merkte aber auch an: „Es wird umso mehr Nachholspiele geben. Das einzige, was alle wollen, ist die Saison zumindest so zu Ende zu spielen, dass sie gewertet werden kann und nicht wieder ein zweites Mal irgendwelche Punkteschnitte ausgerechnet werden müssen.“

Dino Carrafiello, Leiter der Fachschaft Fußball im SSV Hattingen, hält die Entscheidung für den Lockdown für sinnvoll. „Es war abzusehen bei den Zahlen und auch das Beste, was nun passieren konnte“, findet er. Zumal es aufgrund von verschiedenen Entscheidungsträgern unübersichtlich im Spielbetrieb wurde, der teilweise schon ausgesetzt war. „Der Kreis Bochum hat nicht mehr gespielt, Herne als Stadt unter den Top 25 der Inzidenzzahlen aber schon. Unna wollte nach Unterbrechung wieder. Was für ein Hick-Hack“, so Carrafiello. So war bereits zu Beginn der Woche jedoch klar, dass das Kreispokal-Derby zwischen dem TuS Hattingen und der SG Welper ausfallen wird.

Amateurfußballer haben erneute Pause erwartet

Die erneute Sportpause kam für viele generell nicht überraschend. Die Vereine und Sportler erwarteten eine Entscheidung in diese Richtung bereits aufgrund der aktuellen Corona-Lage. Dirk Sörries, der Trainer der Fußballer des TuS Hattingen, konnte sich das Szenario gut vorstellen: „Es war ja klar, dass dies im Laufe der Spielzeit passieren könnte. Ich hoffe nur, dass die Pause nicht zu lang sein wird und wir eine Serie zu Ende spielen können oder die Saison nach hinten heraus verlängert wird.“

Auch beim Hiddinghauser FV war man mehr oder weniger auf den Lockdown vorbereitet. „Die Kreise um uns herum hatten ja teilweise schon Spieltage abgesagt und Pausen verordnet. Ich habe die Mannschaft zuletzt immer darauf eingestellt, dass das nächste Spiel auch unser vorerst letztes Spiel sein könnte“, erzählt der Interimstrainer und zweiter Vorsitzender, Fabian Arndt.

Piorreck: Infektionsherde müssen gesucht werden

Hans-Jürgen Piorreck, der Vorsitzende des Stadtsportverbandes Sprockhövel, ist vom anstehenden Lockdown nicht begeistert. Es müsste differenziert werden, was dem Sport zugute kommen müsste. „Es sollte nach den wirklichen Infektionsherden gesucht werden, da muss eingegriffen werden. Sonst bestraft man diejenigen, die sich vorbildlich verhalten“, sagt er.

Für die Stadt Sprockhövel übernimmt der SSV Sprockhövel die Kommunikation mit den Vereinen, wenn es darum ging, Hygienekonzepte einzureichen, um einen Sportbetrieb unter Corona-Regeln zu ermöglichen.

„Sportler könnten am Ende die Leidtragenden sein“

Markus Möller, der Trainer der Reserve des SC Obersprockhövel, befürchtet allerdings: „Wenn es so weitergeht, werden wir wieder die Leidtragenden sein. Schuld an den steigenden Corona-Zahlen sind ja nicht die Fußballspiele oder die Gastronomie.“ Das Problem seien die illegalen Partys und Massenveranstaltungen wie etwa Hochzeiten. „Wir können uns nur an die Regeln halten, auf Abstand achten und unseren Teil im Fußball dazu beitragen, dass wir Corona in den Griff bekommen“, so Möller.

Zu hören ist ebenfalls, dass die Trainer von Mannschaften nun ihre Sportler vielleicht gar nicht mehr sehen, bevor jeder für sich wieder individuell trainiert – wenn die Motivation dazu überhaupt vorhanden ist. Es sei schwierig, zu planen und mannschaftsintern die Pläne abzusprechen. Dafür war der Sportalltag doch zu sehr zurückgekehrt.

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