2. Bundesliga

Zehnte Heimpleite: Spuk bei Phoenix Hagen will nicht enden

Gesprächsbedarf: Auch in Blau gegen das Team Ehingen Urspring verloren Kyle Leufroy, Trainer Chris Harris und Phoenix Hagen.

Gesprächsbedarf: Auch in Blau gegen das Team Ehingen Urspring verloren Kyle Leufroy, Trainer Chris Harris und Phoenix Hagen.

Foto: Jörg Laube

Hagen  Kaum zu glauben: Auch gegen das bisher auswärts sieglose Team Ehingen Urspring konnte Phoenix Hagen beim 77:83 die Heimnegativserie nicht stoppen

Es sah lange so aus, als könnte der Spuk endlich enden. Doch dann wurde es eher noch schlimmer. Bis zur 35. Minute führte Basketball-Zweitligist Phoenix Hagen gegen das Team Ehingen Urspring deutlich mit 73:64, schien die böse Heimschlappen-Serie zu beenden. Dann befiel die Gastgeber die schon notorische Angst vor der eigenen Courage erneut, mit 77:83 (46:37) kassierten sie die zehnte Pleite in Folge am Ischeland. „Ich kann es noch nicht fassen“, bekannte Kapitän Dominik Spohr nach der Sirene, „es lässt sich nicht mehr leugnen, dass wir eine Blockade im Kopf haben.“

Gelb gegen Quietschgrün, diese Qual für die Augen wollte Phoenix Hagen den 2214 Besuchern des dritten Saison-Heimspiels ersparen. Und setzte ganz in Blau auch auf den psychologischen Effekt der Auswärtstrikots, in denen in diesem Jahr schon sieben Siege gelangen. Es schien zunächst zu wirken, obwohl mit Niklas Geske der Stamm-Spielmacher nach einer Erkältung zu sehr geschwächt war, in der Startfünf durch Jonas Grof ersetzt wurde und später nach nur drei Einsatzminuten den Rest der Partie auf der Bank blieb. Nach dem Auftakt-Dreier von Ehingens Daniel Monteroso rissen die Gastgeber die Partie an sich, Grofs Dunking bedeutete das 9:3 (3. Minute). Und nach Spohrs Dreier zum 14:7 nach einem Fastbreak (5.) bat Gäste-Coach Domenik Reinboth zur Auszeit.

Und die Ehinger fanden besser ins Spiel, auch weil Tim Hasbargen nun aus der Distanz traf, seine beiden Dreier bedeuteten das 16:18 (7.). Mit Zonenverteidigung kontrollierte Phoenix ihn besser, führte zur Viertelpause wieder und baute den Vorsprung bis zum 39:27 durch den starken Adam Pechacek (15.) aus. Defensiv überzeugten die Gastgeber, die auch ihre Ballverluste in Grenzen hielten und die Rebounds kontrollierten, nur die Wurfquote aus der Distanz war schon jetzt unterdurchschnittlich (28 Prozent).

Daran sollte sich nach dem Wechsel nichts ändern, im Gegenteil. Am Ende traf Phoenix von 14 Dreierversuchen nach dem Wechsel genau einen. So suchte man häufiger den Weg zum Korb, blieb einigermaßen solide vorne. Beim 60:57 (29.) durch Darnell Foreman kam Ehingen etwas heran, doch Pechacek, Spohr und Jannik Lodders hielten Phoenix vorn. Beim 73:64 durch den tschechischen Center (35.) nahm der erste Heimsieg 2019 ganz vorsichtig Gestalt an. Das schien die Gastgeber plötzlich zu belasten, nun gelang ihnen nichts mehr. Die freiesten Würfe von Spohr oder Kyle Leufroy verfehlten ihr Ziel, die Ballverluste häuften sich, die Rebounds landeten in den Händen der Gäste. Die hatten nun auch sichere Schützen, die Dreier von Erik Scheive und Gianni Otto trafen Phoenix ins Mark. Kein einziger Feldkorb gelang dem Team von Chris Harris in den letzten fünf Minuten, eine 0:13-Serie zum 73:77 (38.) bedeutete schon die Vorentscheidung. Denn auch an diesem Abend fehlte Phoenix ein Akteur, der in der entscheidenden Phase die Verantwortung übernahm.

Die ersten Zuschauer gingen enttäuscht deutlich vor der Schlusssirene, die Fans auf dem Heuboden skandierten vernehmlich „Harris raus“ und – in Erinnerung an den Ex-Trainer – „Ingo Meistercoach“. Nach der zehnten Heimniederlage unter seiner Regie wächst auch der Druck auf Cheftrainer Chris Harris. „Ich kann meiner Mannschaft nicht vorwerfen, nicht alles versucht und mit viel Herz gespielt zu haben“, sagte Harris und bekannte, man komme nun wohl nicht mehr umhin, von einem Heimkomplex zu sprechen: „Mit jedem Wurf im vierten Viertel lastet die Last der ganzen Welt auf den Schultern der Spieler.“ Man habe auch eigens einen Mentalcoach eingestellt, um das Team in der entscheidenden Phase zu stärken. Harris: „Es ist schon besser geworden, aber noch nicht gut genug.“

Phoenix Hagen: Gilmore, Leufroy (9, 1/7 Dreier), Günther (2), Geske, Aminu (12), Lodders (10), Spohr (16, 1/7 Dreier), Grof (8), Pechacek (19), Baumann (1).

Team Ehingen Urspring: Monteroso (15), Hasbargen (24), Foreman (7), Malinowski (2), Otto (8), Gille (4), Strangmeyer, Scheive (17), Albrecht, Jonah (6).

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