2. Basketball-Bundesliga

Phoenix Hagen spielt Halle immer leerer: Spieler gefordert

Ein symptomatisches Bild: Phoenix-Kapitän Dominik Spohr liegt nach einem Duell mit Robert Oehle am Boden.

Ein symptomatisches Bild: Phoenix-Kapitän Dominik Spohr liegt nach einem Duell mit Robert Oehle am Boden.

Foto: Michael Kleinrensing / WP

Hagen.  Katerstimmung: Nach der neunten Heimpleite in Serie von Phoenix Hagen fordert Geschäftsführer Seidel eine klare Reaktion der Spieler in Trier.

Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen: Als in der zweiten Halbzeit der Partie zwischen Phoenix Hagen und den Artland Dragons die Zuschauerzahl „1196“ auf der Anzeigetafel eingeblendet wurde, nahmen das viele als böses Omen für die Zukunft des Basketball-Zweitligisten. Tatsächlich waren es 1966 Besucher, doch auch das war schon die geringste Zuschauerzahl bei einem Phoenix-Heimspiel seit dem Ausbau der früheren Ischelandhalle im Jahr 2010. Mit weiteren Leistungen wie am Mittwoch spielt man angesichts erboster Fans die Halle leer, statt Playoff-Träumen wird für das Team von Chris Harris auf Rang 13 Abstiegsgefahr real. Wobei der Trainer, das betonte Geschäftsführer Patrick Seidel am Tag danach, nicht zur Diskussion stehe, sondern die Spieler gefordert seien: „Wir erwarten in Trier eine ganz klare Reaktion der Mannschaft, gerade was Körpersprache und unbedingten Einsatz angeht.“

Nach dem ersten Viertel am Mittwoch gab es laute Pfiffe, am Ende nicht einmal mehr das. In den Internet-Foren und Diskussionen am Tresen dagegen fiel die Meinung der Phoenix-Fans über den blutleeren Auftritt der auch im zehnten Monat des Jahres weiter auf den ersten Heimsieg warteten Mannschaft umso eindeutiger aus. „Erschreckend schwach, vorne wie hinten“, ließ auch Coach Harris keinen Zweifel an seiner Unzufriedenheit: „Das war ohne Körpersprache, wie ein paarmal in der Vorbereitung. Das können wir uns nicht mehr leisten.“

Dieser Meinung ist auch Seidel, der sich ungewohnt deutlich direkt nach dem Spiel bei Fans und Sponsoren entschuldigte: „Wir müssen jetzt kritisch hinterfragen, ob bei uns alles zu nett und harmonisch ist. Und ob wirklich jeder Spieler zu 100 Prozent auf Phoenix fokussiert ist.“ Nach einer kurzen Nacht und langen Diskussionen mit den Klub-Verantwortlichen konkretisierte das der Geschäftsführer tags darauf. „Wir haben rund um die Mannschaft viel investiert, etwa mit Mentalcoach und Athletiktrainer“, sagt Seidel, „wir fahren die dicksten Autos der Liga, keinem fehlt es an etwas. Jetzt müssen sich die Spieler ihrer Verantwortung stellen. Sie müssen aus ihrer Komfortzone heraus und das auf dem Feld regeln.“ Zu viele Akteure beschäftigten sich mit „Nebengeräuschen“, brächten nicht die notwendigen 100% Leistung.

Ekliger in Defensive spielen

So kämpfe Jonas Grof - nach vier Spielen neben Center Javon Baumann der einzige Phoenix-Spieler noch ohne jeglichen Dreierversuch - mit seiner neuen Rolle auf dem Flügel. Es gelte aber auch für Niklas Geske, der nach ProB und Fokus aufs Studium es nun wieder eine Klasse höher versucht, oder die jungen Familienväter Jannik Lodders und Dominik Spohr. Gerade der Kapitän rieb sich in einem Privatduell mit Dragons-Center Robert Oehle auf, landete nach unsanften Zusammenstößen zweimal auf dem Boden - und wurde später beim Zug zum Korb zweimal abgeblockt. „Dominik ist noch nicht in der Saison angekommen“, sagt Seidel, der aber zwei Szenen auch als symptomatisch für die fehlenden Emotionen im zu braven Team empfindet: „Als Dominik zweimal attackiert wurde und am Boden lag, ging kein Mitspieler zu ihm und half ihm auf. Aber es ging auch keiner mal etwas deutlicher auf Oehle zu“, sagt er und fordert: „Warum spielen wir nicht mal ekliger in der Verteidigung? Ein Chase Griffin darf doch nicht mühelos durch unsere Zone zum Korbleger ziehen, er muss abgeräumt werden.“ Und Artland-Topschütze Malik Dunbar, der 33 Punkte erzielte, sei zwar ein Spieler mit Erstliga-Potenzial: „Aber auch den darf man verteidigen.“

Mentalität des Teams ist Problem

Individuell starke Spieler warten auf Phoenix bereits am Sonntag, wenn man um 17 Uhr bei den Römerstrom Gladiators Trier gastiert. Diese verloren zwar Mittwoch deutlich mit 84:104 in Bremerhaven, schlugen aber zuvor Ligafavorit Chemnitz. Und haben mit US-Guard Jordan Geist, der zu den ProA-Topwerfern zählt, dem gut bekannten Routinier Jermaine Bucknor oder Center Till Gloger Akteure, die intensiver Defensive bedürfen. „Jetzt sind die Spieler gefordert, es gibt keine Alibis mehr“, macht Seidel klar. Coach Harris dagegen stehe - im Gegensatz zur vergleichbaren Situation vor Jahresfrist mit Vorgänger Kevin Magdowski - „auf gar keinen Fall“ zur Disposition. „Chris macht zwar den Eindruck, er sei zu lieb und nett, aber das täuscht. Intern gibt er ganz klare Ansprachen, ganz klare Regeln, es gibt kein Disziplinproblem, das Team ist körperlich topfit“, betont Seidel, „und Stand heute muss man sagen, dass sich ja schon mehrere Trainer mit der Mentalität der Mannschaft schwer getan haben.“

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